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Jürgen Scheugenpflug über die Zipperlein des Älterwerdens

Jürgen Scheugenpflug über die Zipperlein des Älterwerdens

Der Kabarettist berichtet in Cronenberg über „Männerleiden“. Dabei setzt er vor allem auf Herrenwitz und Kalauer.

Wenn Mann älter und ihm die Endlichkeit seines Lebens bewusst wird, gibt es unterschiedliche Art, damit umzugehen. Der eine wendet sich vielleicht verstärkt der Religion zu, der andere wird philosophisch, der nächste kauft sich ein Sportcabrio, der vierte sucht eine - deutlich jüngere - Partnerin. Oder man(n) hält es wie Jürgen H. Scheugenpflug und begegnet den Zipperlein des Alt-Werdens mit Sarkasmus und dem Hang zum Herrenwitz. Wie das dann aussieht, davon haben sich am Samstagabend etwa 70 Besucher beim Auftritt des Kabarettisten im „Kultur im Kontor“ überzeugen können.

Anfang 60 ist Scheugenpflug jetzt, da wird es offenbar Zeit für eine Lebensbilanz und einen ungeschminkten Blick zurück. Das gut eineinhalbstündige Programm kreist um die Frage: „Was ist so richtig männlich?“ Das werden dann Männerbilder aus den 70er Jahren vor den Zuhörern ausgebreitet und mit der Gegenwart verglichen. Das fällt nicht immer zum Vorteil der Jetztzeit aus, Scheugenpflug hütet sich aber zumindest, in Larmoyanz und Selbstmitleid zu verfallen. „Die Sachen werden anders“, gesteht er lediglich.

Das Publikum jedenfalls folgt seinen Ausführungen mit Begeisterung und lacht auch über bisweilen recht flache Kalauer herzhaft hinweg. Rhetorisch setzt Scheugenpflug bei seinem Parforce-Ritt durch die tragikomische Geschichte alternder Männer auf einen schnellen Vortragsstil im Stakkato-Rhythmus, nur hin und wieder lehnt er sich an einen Stehtisch und trinkt etwas, um Zeit für eine Pointe zu lassen.

Immer wieder sucht er auch Kontaktpersonen in den Zuhörerreihen, mit denen er einen kurzen Small Talk hält. So tauscht er sich etwa mit einer Dame über Schulpolitik aus. Kabarett ist das nur bedingt. Das weiß Scheugenpflug selbst. Deshalb handelt er das Thema „Politische Kabarett“ gleich zu Anfang schnell ab. Kanzlerin Angela Merkel bezeichnet er als „Lady Gaga aus der Uckermark“, die Finanzkrise und die Hilfszahlungen an Griechenland erklärt er mit dem Gleichnis von einem deutschen Touristen, der sein Geld einem Hotelier gibt. All das interessiert ihn aber nur am Rande: „Wir kümmern uns jetzt um die Welt, so wie die Welt ist“, verspricht er.

Das sind dann Männer, die Ausschau nach dem indischen Klomann auf der Toilette an der Autobahnraststätte halten oder beim Gang zum Urologen dorthin gefasst werden, wo sie es nicht wirklich wollen. Angereichert wird das Ganze mit Zitaten aus kuriosen Meldungen oder Lesungen aus Texten von Scheugenpflug.

Und auch etwas Musik gehört dazu: So greift er zu einer akustischen Gitarre und stimmt Songs von Peter Maffay oder Bernd Clüver an. Auch darin liegt ein Aufbegehren gegen die Gegenwart, lehnt Scheugenpflug doch die Befindlichkeitslyrik aktueller deutscher Popmusiker wie etwa Max Giesinger ausdrücklich ab.