Jetzt will Drescher die Wupper stauen

Jetzt will Drescher die Wupper stauen

Thomas Drescher macht Wuppertal fit. 8500 Sportler sind schon Mitglied in seinen Klubs. Nun träumt er von einem See irgendwo in Barmen.

Wuppertal. Dieser Mann macht Wuppertaler fit und Wuppertal noch lebenswerter. Das Umspannwerk der WSW auf Lichtscheid und die Alte Papierfabrik am Robert-Daum-Platz tragen die Handschrift von Thomas Drescher, dem wahrscheinlich erfolgreichsten Unternehmer Wuppertals in Sachen Sport und Freizeit. „Sicher, ich hätte das alles auch in Düsseldorf tun können, aber ich wollte es hier machen“, sagt der Vohwinkeler.

Das hat er getan. Vor fast 30 Jahren baute Drescher in Vohwinkel seine erste Tennishalle. Später folgten die Upsala-Kinderwelt und ein elegantes Fitnessstudio bei Saturn am Neumarkt in Elberfeld. Vorläufiges Prunkstück seiner Projekte und sein ganzer Stolz aber ist die Alte Papierfabrik am Robert-Daum-Platz. „Ich wollte den Charakter des Gebäudes erhalten und es trotzdem modern nutzen“, erklärt Drescher. Beides ist ihm gelungen. Die Zahl der Gäste im Sport-Park, die Buchungen der Tagungs- und Seminarräume bestätigen das.

Drescher ist Wuppertaler durch und durch. Was er für sich macht, das macht er in gewisser Weise auch für seine Stadt. Der Unternehmer hat in den vergangenen Jahren einen Sinneswandel festgestellt. Die Zeiten, in denen immer dieselben Leute immer dieselben langweiligen Dinge gemacht hätten, seien zum Glück vorbei. „Ich finde die neuen Bürohäuser am Islandufer spitze. Und der Döppersberg muss gebaut werden, selbst wenn er am Ende 170 Millionen Euro kostet“, sagt Drescher. Eine Stadt müsse sich immer verändern. Stillstand sei ihr Untergang.

Drescher lebt, wie er denkt. Stillstand scheint es für ihn nicht zu geben. Weder im Handeln noch im Denken. Seine Sport-Parks sind 365 Tage im Jahr geöffnet, und auch der Chef ruht äußerst selten. Mal eine Woche Mallorca zum Entspannen, aber schon nach wenigen Tagen sitzt Drescher wieder im Büro. Oder auf dem Bagger. „Stimmt, auf Lichtscheid habe ich selbst mitgebaut“, sagt er. Dafür gibt es für ihn gute Gründe. So weiß der Bauherr immer, was auf der Baustelle geschieht. „Und billiger ist es auch.“

Denn das Geschäft mit der Freizeit kostet Millionen. Sein erstes Objekt in Vohwinkel finanzierte er auch mit Hilfe der Europäischen Union aus Fördermitteln für neue Arbeitsplätze. Es kostete knapp 2,5 Millionen Euro. Die Alte Papierfabrik war schon fast dreimal so teuer. Und auch das Umspannwerk ist mit 2,3 Millionen Euro eine bemerkenswerte Investition. Aber Qualität macht sich bezahlt. „Klar, die Fitnessketten muss es auch geben. Wir sind deutlich teurer, aber wir bieten auch viel mehr“, sagt Drescher selbstbewusst. Insgesamt 8500 Mitglieder seiner Clubs in Wuppertal geben ihm recht. Drescher beschäftigt gut 100 Leute, davon 40 fest, er setzt Millionen um, wie viele Millionen, sagt er allerdings nicht. Betriebsgeheimnis.

Erfolg treibt an. Thomas Drescher ist 51 Jahre alt, viel zu jung für den Ruhestand. Sohn Yannick, 19, soll das Geschäft seines Vaters womöglich übernehmen, irgendwann, nach und nach, wenn der Papa nur noch drei Wochen im Monat arbeiten will.

Vielleicht ist bis dahin auch Dreschers neueste Vision Wirklichkeit geworden. „Wir leben am Fluss und nutzen ihn nicht“, sagt er. „Man müsste die Wupper stauen, irgendwo in Barmen. Ein See mit 1000 bis 2000 Quadratmetern Fläche, mit Strand und Sand und Plätzen zum Verweilen. Das wär doch was“, findet Thomas Drescher. Er will demnächst mit dem Oberbürgermeister darüber reden . . .

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