Längste Treppe der Stadt Jakobstreppe verfällt zusehends - Bürger droht Wuppertal mit Klage

Wuppertal · Die längste Treppe der Stadt ist ein Denkmal. Dieses zu schützen, sei gesetzlich vorgeschriebene Aufgabe der Stadt, sagt Marcus Kammel.

 Marcus Kammel ärgert sich, dass die 1887 erbaute Jakobstreppe immer weiter verfällt.

Marcus Kammel ärgert sich, dass die 1887 erbaute Jakobstreppe immer weiter verfällt.

Foto: Fries, Stefan (fri)

Kein Durchkommen: Die Jakobstreppe ist durch Gitter versperrt. Und wer doch die Gelegenheit bekommt, die ersten Stufen unten an der Friedrich-Ebert-Straße zu betreten, für den ist nach ein paar Metern und vor ganz viel Wildwuchs Endstation. Das Denkmal – Wuppertals längste durchgehende Treppe – ist seit 2009 gesperrt. Die Sanierung wurde immer wieder verschoben: Mal fehlte das Personal, zuletzt nannte die Stadt das fehlende Geld als Grund, warum sich nichts getan hat und in den nächsten Jahren auch kaum tun wird. Die Jakobstreppe steht beispielhaft für den Umgang einer klammen Kommune mit ihren Denkmälern. Doch Marcus Kammel, Verwalter des angrenzenden Hauses, will das nicht länger mitmachen – und droht mit einer Klage.

Die Stadt sei als Eigentümer verpflichtet, für das Denkmal zu sorgen, sagt Kammel, der seit mehr als 20 Jahren das Gebäude an der Friedrich-Ebert-Straße verwaltet. Den Niedergang der Treppe hat er über die Jahre miterleben müssen. „So geht es doch nicht mehr weiter?“, fragt er empört und beruft sich auch auf das Denkmalschutzgesetz. „Denkmäler sind zu schützen, zu pflegen, sinnvoll zu nutzen“, heißt es da unter anderem. Und: „An deren Erhalt und Nutzung besteht ein öffentliches Interesse.“

Die Stufen sind an vielen Stellen aufgesprungen, die Stützwände bröckeln: Dass sich am Zustand der Treppe etwas ändern muss, wird immer wieder gefordert. Doch die Stadt hat kein Geld. Und das, was da ist, muss in andere Projekte gesteckt werden. Die verkehrliche Bedeutung der Jakobstreppe, die Friedrich-Ebert- und Nützenberger Straße verbindet, sei zudem nicht so hoch.

 Gut zehn Jahre alt dürfte diese Ansicht sein. Auf dem Foto ist im Hintergrund die Seitenwand der Treppe zu sehen.

Gut zehn Jahre alt dürfte diese Ansicht sein. Auf dem Foto ist im Hintergrund die Seitenwand der Treppe zu sehen.

Foto: Repro Fries, Stefan (fri)

Erst im Februar blitzte die Bezirksvertretung Elberfeld-West mit einem Antrag ab, endlich die 830 000 Euro – so die letzte, vermutlich aber auch schon wieder überholte Schätzung der Sanierungskosten – in den Haushalt einzustellen. Der Hauptausschuss lehnte den Antrag ab.

Kammel hat auch schon mehrfach die Politik eingeschaltet. 2018 etwa schrieb er an die CDU. Deren Auskunft damals: Die Stadt habe angekündigt, sie würde sich kümmern. „Es ist aber gar nichts passiert.“ Dabei würde der Verwalter gerne selbst tätig werden. Das ans Denkmal angrenzende Gartengrundstück, das zu seiner Immobilie gehört, soll für die Mieter hergerichtet werden. Das habe aber wenig Sinn, denn wenn die Stadt dann endlich die Treppenmauern sanieren würde, müsste sie dazu auch von seinem Grundstück aus arbeiten. „Ich will jetzt aber auch nicht länger warten“, sagt Kammel. Schließlich sei das Haus, das mehr als 100 Jahre alt ist, aber nicht unter Denkmalschutz steht, in den vergangenen Jahren von grundauf auf Vordermann gebracht worden.

FDP rechnet mit Kosten von
mehr als einer Million Euro

In einem Ordner hat Kammel Unterlagen rund um die Diskussion um die Treppe gesammelt. Darinnen auch ein Schreiben der FDP von 2014, in dem die Partei die Sanierung des Denkmals anmahnt. Alexander Schmidt, heute Fraktionsvorsitzender im Rat, räumt ein, dass sich seitdem nichts getan habe. „Das ist schade.“ Der notwendige politische Druck habe aber immer gefehlt, so Schmidt, der im Hauptausschuss für den Antrag der BV gestimmt hatte. Erst für den Haushalt 2022/23 könnte es einen neuen Anlauf geben. „Das Problem“, so Schmidt, „ist aber, dass es ja immer teurer wird.“ Er gehe dann schon von Kosten von mehr als einer Million Euro aus.

„Auf absehbare Zeit ist da wenig zu machen“, schätzt Maximilian Berkel, Denkmalschutzbeauftragter des Bergischen Geschichtsvereins. Die Jakobstreppe sei auf der einen Seite ein Sinnbild, was die Denkmalkultur angehe. „Nicht nur in Wuppertal, sondern bundesweit.“ Statt prophylaktisch zu arbeiten, griffen Förderprogramme zum Beispiel oft erst, wenn der Schaden schon richtig groß sei. In den Niederlanden sei das anders, wo es eine Art „Denkmal-Tüv“ gebe. Andererseits hält sich Berkel mit Kritik an der Stadt zurück, angesichts des gesamten Bestandes von rund 4500 Denkmälern, um den sich die Kommune kümmern müsse. Dass die Stadt im vergangenen Jahr 250 000 Euro bereitgestellt hätte, um zum Beispiel Brunnen wie den am Toelleturm zu restaurieren, sei ein gutes Zeichen gewesen. Die Jakobstreppe indes profitiere davon nicht.

Es gebe zwar im Gesetz den Zusatz, dass sich die Erhaltungsmaßnahmen „im Bereich des Zumutbaren“ befinden müssen. Das bedeute aber nicht, so Kammel, dass der Erhalt automatisch nicht mehr zumutbar sei, wenn die Stadt ihn nicht finanzieren könne. Der Verwalter hat Angst, dass das Bauwerk so lange verfällt, bis die Stadt es von der Denkmalliste streichen lässt. Er hofft, noch Mitstreiter zu finden und will eine Petition auf den Weg bringen. Auch die Politik will er noch einmal einschalten.

Unterstützer können sich per E-Mail bei ihm melden: