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Jahrestreffen Freie Kultur: Der Künstler als Überlebender

Jahrestreffen Freie Kultur: Der Künstler als Überlebender

Beim Jahrestreffen Freie Kultur waren die Töne optimistischer als im vergangenen Jahr.

Wuppertal. Wurde im vergangenen Jahr beim Jahrestreffen Freie Kultur mit dem Oberbürgermeister der freie Künstler noch als aussterbende Gattung beklagt, klangen diesmal die Töne deutlich optimistischer. Der Stadtrat hat den Etat des Kulturbüros zur Förderung freier Kunstprojekte, der 2010 bis zur Jahresmitte eingefroren war und auf der Kippe stand, erhalten. Statt 150 000 Euro stehen dieses Jahr sogar 180 000 Euro für Projekte zur Verfügung.

„Liebe Überlebende, ich freue mich, dass so viele durchgehalten haben“, begrüßte deshalb Kulturdezernent Matthias Nocke die rund 80 anwesenden Künstler im Haus der Jugend. Kulturbürochefin Monika Heigermoser sprach gar von einer „großen Aufbruchsstimmung“ und einem „Energieschub“ in der Szene.

Sie konnte erfreuliche Zahlen berichten: Zusätzlich zu den städtischen Geldern fließen dieses Jahr 250 000 Euro aus den Fördertöpfen von „Regionale Kulturpolitik“, dem Landschaftsverband Rheinland und dem Projekt „Kultur und Schule“ nach Wuppertal. „Das ist ausbaufähig, da müssen wir Hand in Hand arbeiten“, warb sie für die Zusammenarbeit.

Ein großer Erfolg sei auch der Kulturfonds, der von Unternehmern gespendet wird. 35 000 Euro stehen dadurch zur Verfügung, mit denen 16 junge Kulturprojekte gefördert werden. Eine Jury aus Barbara Sydow (Kinder- und Jugendtheater), Jazzmusiker Dieter Fränzel und Künstlerin Renate Löbbecke hatte die Projekte ausgesucht.

Bei Events des Kulturbüros wie der Performancenacht oder der Kunst- und Museumsnacht sieht Heigermoser eine Möglichkeit für alle Wuppertaler Künstler, sich zu präsentieren. Und 2012 tagt der Verband Deutscher Schriftsteller NRW in Wuppertal, wozu ein Rahmenprogramm geplant wird — allerdings verschiebt sich dadurch der Rhythmus von „Wuppertal liest ein Buch“. So drehte sich die Diskussionsrunde eher um Detailfragen als ums Grundsätzliche. Und es stellte sich heraus, dass viele Wünsche der Kulturschaffenden schon auf dem Weg sind: Eine allgemeine Ausstellung für Wuppertaler Künstler wird vorbereitet, die Jury für den Kulturfonds wechselt jedes Jahr, und es gibt neue, bezahlbare Räume für Künstler.

Andrea Nickl vom Gebäudemanagement stellte das denkmalgeschützte Gebäude an der Wiesenstraße 118 vor, in dem Kulturschaffende jeder Richtung eine Heimat finden sollen. Immer wieder riefen die städtischen Mitarbeiter dazu auf, sich mit Fragen und Problemen direkt an sie zu wenden. So blieb eigentlich nur eine Anregung — die Vermittlung ausgedienter städtischer Möbel an Kunstschaffende — die gerne aufgegriffen wurde.