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IWuppertal: mmer weniger Gräber: Kirchen prüfen Landverkauf

Friedhöfe : Immer weniger Gräber: Kirchen prüfen Landverkauf

Trend zur Urnenbestattung führt zu weniger Einnahmen und leeren Flächen.

Die einstige Gärtnerei am Friedhof Liebigstraße in Barmen ist bereits Baustelle. Die Gemeinde St. Antonius hat die Fläche verkauft, ein Investor baut dort ein Pflegehaus, ein Gebäude für Betreutes Wohnen und eine Kita. Die Gemeinde brauchte Geld, um Verluste beim Betrieb des Friedhofs auszugleichen. Denn der Betrieb von Friedhöfen wird immer schwieriger, überall fehlen Einnahmen. Doch auch wenn es immer mehr ungenutzte Stellen auf Friedhöfen gibt – der Verkauf von Flächen ist schwierig.

„Wir haben zuviel Fläche“, stellt Stadtdechant Bruno Kurth fest. Heute gebe es in Wuppertal rein rechnerisch für jeden Katholiken etwa drei bis vier Gräber, für jeden evangelischen Christen sogar sieben, berichtet er. Ursachen dafür gibt es mehrere: Die Bevölkerungszahl ist in den letzten Jahrzehnten gesunken, die Friedhöfe entstanden in Zeiten, in denen man mit weiterem Wachstum rechnetet.

Auch die Tradition der Familiengräber geht zurück. Ingo Schellenberg, Geschäftsführer des Evangelischen Friedhofsverbands, erklärt, dass Angehörige nach Ablauf der Grablaufzeit gefragt werden, ob die Nutzungszeit verlängert werden soll. Vor 30, 40 Jahren hätten 95 Prozent der Angehörigen die Zeit verlängert, heute gäben 75 Prozent die Nutzung zurück. Das liege an der Mobilität der Menschen, Kinder blieben nicht am Wohnort der Eltern und Großeltern, könnten sich nicht um Gräber kümmern und wollten auch nicht im gleichen Grab beerdigt werden.

Und dann gibt es noch den Trend zur Urnenbestattung: 2018 waren auf den katholischen Friedhöfen der Stadt 54 Prozent der Beerdigungen Urnenbestattungen, auf den evangelischen Friedhöfen sogar 66 Prozent. Ein wichtiger Grund dafür wird das Geld sein: Die eigentliche Bestattung ist preiswerter, ebenso die Grabstelle und auch die Grabpflege. Denn ein Urnengrab ist viel kleiner als ein Erdbestattungsgrab, was eben auch zu weniger Flächenverbrauch führt.

„Heute ist der Friedhof
ein Flickenteppich“

Alle diese Faktoren verändern das Aussehen von Friedhöfen. Immer mehr Grabstellen werden nicht genutzt. Ingo Schellenberg verdeutlicht: „Als ich meine Stelle antrat, gab es für den Friedhof Heckinghauser Straße eine Warteliste. Heute ist der Friedhof ein Flickenteppich.“ Er schätzt, dass bereits etwa 40 Prozent der Friedhofsflächen ungenutzt sind. Das bedeutet für die Bewirtschaftung erhebliche Probleme. Denn die ungenutzten Flächen müssen die Friedhöfe selbst pflegen, bräuchten dafür eigentliche mehr Personal. Gleichzeitig sinken die Einnahmen, weil weniger Nutzungsgebühren anfallen.

Um Kosten zu senken, haben sich bereits die beiden großen christlichen Kirchen in Wuppertal für die Verwaltung ihrer Friedhöfe zusammengetan. Das katholische Friedhofsamt ist – zunächst für zwei Jahre zur Probe – dem Evangelischen Friedhofsverband beigetreten. „Wir hoffen auf Synergieeffekte“, erklärt der katholische Stadtdechant Bruno Kurth.

Und dann denken die Gemeinden auch darüber nach, Friedhöfe zu schließen oder Friedhofsgelände zu verkaufen. Doch das ist nicht einfach. „Für Betroffene ist das hochemotional“, sagt Bruno Kurth. Entsprechend sensibel müsse mit dem Thema umgegangen werden.

Dabei könne kein Friedhof oder auch nur ein Grabfeld von heute auf morgen geschlossen werden. Es müsse die Laufzeit des letzten Grabes abgewartet werden – in Wuppertal durchschnittlich 25 Jahre. Für einige Grabstellen seien während der bestehenden Laufzeit noch weitere Bestattungen möglich – dann beginne die Laufzeit erneut. Das bedeutet, dass die Gemeinden heute über die Schließung von Feldern oder Friedhöfen entscheiden müssen, die erst in Jahrzehnte genutzt werden können.

Solche Entscheidungen will man auch im Stadtteil und zwischen den Konfessionen abstimmen, so dass zumindest ein Friedhof erhalten bleibt. So wurde vor zehn Jahren mit Blick auf den Friedhof Zu den Erbhöfen der Friedhof Eschensiepen in Laaken geschlossen, als nur noch 35 Prozent der Fläche belegt war.

Leichter ist es mit Bereichen, die noch gar nicht als Grabfelder genutzt wurden. Das gilt auch für die Fläche am Friedhof Liebigstraße. Und auch für das Areal auf dem Friedhofs Uellendahl an der Straße Deckershäuschen, über das die Gemeinde St. Laurentius derzeit verhandelt. Es könnte zum Beispiel mit Wohnhäusern bebaut werden. „Natürlich wollen wir eine Nutzung, die passt“, betont Bruno Kurth.