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Ist jeder seines Glückes Schmied?

Ist jeder seines Glückes Schmied?

SPD-Landtagsabgeordneter Andreas Bialas über sein persönliches Glück.

Wuppertal. Was ist Glück? Wir sind davon überzeugt, gerade unsere größten Erfolge sind von uns beeinflusst. Sind aus unserer Schmiede. Sind von uns geplant und gemacht. Anderes Gutes, welches uns zusätzlich in den Schoß fällt, wird eher nicht anderen Menschen beigemessen, sondern dem entpersonifizierten Glück. Glück als einfach so vorrätige Gunst.

Ist jeder seines Glückes Schmied?
Foto: Anna Schwartz

Ich bin in der ehemaligen DDR geboren. Mit sechs Jahren wurde mir die Einreise in die BRD gewährt. Ich kam nach Wuppertal. Eine meiner ersten Erfahrungen mit dem Land hinter dem, beziehungsweise jetzt ja vor dem, „Antifaschistischen Schutzwall“ waren Werbetafeln von „Wicküler Bier“ am Höchsten, ein Obstmarkt in Elberfeld und Eis aus einer Maschine. Ich habe übrigens meine erste Banane nicht mit einer Gurke verwechselt, da ich eine vage Vorstellung davon hatte, dass die Farbe fleckigbraun näher an frischgelb als an grün liegt. Die Form und das Ausmaß brachten mich endgültig auf den rechten Weg. Mein erstes kulinarisch für gut befundenes Softeis mit Schokoguss kauften mir meine Eltern an einem Stand vor Hertie. Den Stand gibt’s nicht mehr, das Hertie-Haus auch nicht, das Eis fiel mir auf den Boden und zum Glück für meine kindliche Seele wurde ein Neues gekauft.

War das alles einfach nur Glück? Glück, in diesem Staat, in dieser Stadt, aufwachsen zu dürfen? Glück, mich weitestgehend frei entwickeln zu können? Glück, ein neues Eis zu bekommen, selbst nachdem ich zu blöde war, das erste gerade zu halten? Oder kam es mir zugute, dass viele andere an einem sozialen, demokratischen Rechtsstaat gearbeitet haben, an einer etwas mürrischen aber grandios spannenden Stadt gearbeitet haben, welche sich mir in diesen Momenten als gelungen und günstig offenbarte? Kam es mir zugute, dass sich zahlreiche Personen dafür einsetzten, Menschen freizukaufen und hing das Glück nicht auch ein wenig an den 40 Pfennigen, die meine Eltern doppelt ausgaben? Ist Glück nicht eher das Zutun der anderen, das Gestalten so vieler meist Unbekannter? Und ist es nicht Glück, dass so Viele so viel Glück produzieren?

Als vor einiger Zeit an einem lauen Sommerabend der Mond schmuck strahlte, war die Betrachtung desselben mit Sicherheit ein glücklicher Augenblick. Oder doch nicht? Denn vielleicht haben ganz viele fleißige Wuppertaler den Mond geputzt, ihn geschminkt und mit vielen kleinen Laternen ein bisschen beim Leuchten geholfen? So war es bestimmt.