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Islam-Verein in Vohwinkel: Radikal oder liberal?

Islam-Verein in Vohwinkel: Radikal oder liberal?

Das Integrationsamt ist misstrauisch und warnt von dem Verein, der sich verunglimpft fühlt.

Wuppertal. "Schababannur" - Jugend des Lichts. So heißt ein Gebetsraum in der Vohwinkeler Eugen-Langen-Straße, der vom Islamischen Förder- und Integrationsverein betrieben wird. Dort predigt ein Mann, der sich Abu Jibriel nennt. Für Hans-Jürgen Lemmer, Leiter des Wuppertaler Integrationsamtes, steht fest, dass dieser Verein kein Interesse an der Integration von Muslimen in Deutschland hat und sich von der westlichen Gesellschaft abschottet. Laut Lemmer habe die Internetseite des Wuppertaler Vereins auf Seiten verlinkt, für die die Terror-Anschläge des 11. September nur eine Inszenierung der USA seien.

"Der Verein ist mir hochsuspekt", sagt Lemmer - und offenbar nicht nur ihm. Abu Jibriel hat noch vor wenigen Jahren in der Wuppertaler Abu Bakr Mosche, die erst in der Gronaustraße war und heute in der Wittensteinstraße ist, Vorträge gehalten. In dieser Moschee sei er aber von den moderaten und liberalen Muslimen nicht mehr geduldet worden, heißt es aus dem Umfeld der Abu Bakr Moschee. Man wünsche nicht, dass er diese betritt. Angeblich sei es um einen Streit gegangen, ob eine Muslima in Deutschland einen Gesichtsschleier tragen müsse.

Claudia Dantschke vom Berliner Zentrum Demokratische Kultur, hat von dem Wuppertaler Prediger gehört. Die Islam-Expertin ordnet ihn den Salafisten zu, die eine wortgetreue und konservative Auslegung des Islam vornehmen. Laut Dantschke ist Abu Jibriel sehr gut vernetzt, etwa mit Abu Hamza, einem ehemaligen Profiboxer, der mit bürgerlichem Namen Pierre Vogel heißt. Vogel legt den Koran extrem konservativ aus (siehe Kasten rechts).

Auf der Internet-Seite des Wuppertaler Vereins nimmt die Jugendarbeit großen Raum ein. Hausaufgaben-Betreuung, Nachhilfe und andere Dinge werden angeboten, um muslimische Jugendliche von der Straße zu holen. Das ist laut Dantschke die klare Mission und auch die Gefahr. "Die ersetzen eine Droge durch die andere", sagt sie und meint, dass die Kinder zwar von Drogen ferngehalten werden sollen, sie dafür jedoch mit einer extremen Auslegung des Koran beeinflusst werden. "Das gleicht einer Gehirnwäsche", sagt die Berliner Expertin und fügt an: "Die arbeiten wie eine Sekte."

Laut Claudia Dantschke bestehe bei Salafisten kein Interesse an der Integration und Prediger wie Abu Jibriel würden den Boden für radikale Einstellungen bereiten.

Ibrahim Rahzaoi vom islamischen Verein in Vohwinkel erklärte gestern im Gespräch mit der WZ, dass die Vorwürfe haltlos seien. Bei den Mitgliedern des Vereins handele es sich um liberale und weltoffene Muslime. Es sei nicht wahr, dass Abu Jibriel nicht mehr in die Abu Bakr Moschee dürfe, er sei aus eigenem Antrieb dort nicht mehr erschienen, könne dort aber jederzeit Vorträge halten.

"Als wir in Vohwinkel zur Eröffnung auch Politiker, wie Sozialdezernent Stefan Kühn, eingeladen haben, ist niemand gekommen, außer dem Verfassungsschutz und der Polizei", moniert Rahzaoi, der eine "regelrechte Hetze" gegen die Muslime in Deutschland sieht: "Ich möchte hier ganz normal leben und meine Religion praktizieren wie sie ist, wie Christen und Juden."

[Ergänzung vom 22. Oktober]

Der islamische Förder- und Integrationsverein hat sich inzwischen erneut gegen die Vorwürfe gewehrt. Die Aussage von Lemmer sei "aus der Luft gegriffen." Auch die Darstellung, dass der Prediger des Vereins, Abu Jibriel, wegen eines Streit um einen Gesichtsschleier (Niqab) nicht mehr in die Abu Bakr Moschee dürfe, sei falsch. Im Gegenteil, er sei dort weiter willkommen. "Dieser Niqab-Streit hat nie stattgefunden. Außerdem war Abu Jibriel vor kurzem dort und hat gebetet und es war alles normal", sagt Ibrahim Rahzaoui. Er erklärt zudem: "Wir möchten friedlich in diesem Land leben und den Deutschen gute Nachbarn sein." Auch die Vorwürfe, dass der Verein den Boden für radikale Einstellungen bereite, bestreitet er: "Wir sind alles andere als radikal." Rahzaoui fordert die Kritiker des Vereins auf, mit ihm ins Gespräch zu kommen und Vorurteile abzubauen.