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Interview: TV-Stars mit Bodenhaftung

Interview: TV-Stars mit Bodenhaftung

Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer berichten über das Leben als Stars im Tal und Wuppertal als Filmstadt.

Wuppertal. Ein typischer Wuppertaler Schlechtwetter-Tag: Der Himmel ist grau verhangen, dazu pfeift ein scharfer Wind durch die Talachse - ideales Wetter für eine Fahrt mit der Schwebebahn. Zum Interview steigen Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer an der Station Kluse ein.

Die Bahn ist halb gefüllt, einige Köpfe drehen sich um, beobachten das prominente Paar. Vereinzeltes Getuschel, aber niemand spricht die Fernsehstars direkt an. Bei der Fahrt in Richtung Vohwinkel zeigt Wuppertal seine wenig schmuckvollen Hinterhöfe.

Herr Krassnitzer, solche Ausblicke gibt es in ihrer Heimatstadt Salzburg nicht.

Harald Krassnitzer: Salzburg ist die schönste Stadt der Welt, aber leben möchte ich da nicht mehr.

Doch wohl, weil Ihre große Liebe Ann-Kathrin Kramer aus Wuppertal kommt?

Krassnitzer: Stimmt, aber auch weil sich Salzburg verändert hat. Die Stadt ist so austauschbar geworden. Die kleinen Läden sind verschwunden, stattdessen schieben sich Heerscharen von Touristen durch die Gassen. Alle fühlen sich toll und unheimlich wichtig. Meine Welt ist das nicht mehr.

Da ist Ihnen Wuppertal etwa lieber - mit seinem Strukturwandel und seinen vielen Problemen?

Krassnitzer: Wuppertal hat viele Qualitäten, man muss sie nur entdecken. Da gibt es die schönen Viertel, aber das allein macht den Reiz nicht aus. Es sind vielmehr die Brüche und Gegensätze, die Wuppertal schön und spannend zugleich machen. Ich kann mich begeistern für diese Mischung aus Hinterhöfen, Industrieruinen und Nachkriegsbauten.

Im Ernst?

Krassnitzer: Warum nicht? Ich fahre öfters zum Recyclinghof, nur um ein Beispiel zu nennen. Mit den Mitarbeitern dort kann man sich wunderbar unterhalten. Die kennen einen, aber sie reden auch über ihre privaten Probleme und Sorgen. Das ist eine Unterhaltung auf Augenhöhe. Mir gefällt das.

Ann-Kathrin Kramer: Wir haben viele Freunde, die wissen diese Lebensqualität zu schätzen. Die Stadt hat ihre Bodenhaftung nicht verloren. Das spüren vielleicht jene Wuppertaler stärker, die auch den Blick von außen auf die Stadt haben.

Eine Frage der Sichtweise: Als ich in München lebte, besuchte mich eine Freundin. Als sie aus der U-Bahn stieg, sagte sie als erstes: Hier sieht es auch nicht anders aus als in Wuppertal.

Aber zum Beispiel der Stadtteil, in dem Sie aufgewachsen sind, Wichlinghausen, hat geradezu eine Kehrtwendung vollzogen - nicht unbedingt zu seinem Vorteil.

Kramer: Ich war für die Recherchen zu meinem Kinderbuch viel in meinem alten Stadtteil unterwegs. Natürlich hat er sich verändert, natürlich gibt es dort Probleme, aber es ist auch vieles erhalten geblieben.

Die Kinder ziehen immer noch durch die Straßen - genau wie wir damals. Ich will da nichts schönreden, aber es ist doch so, dass diese Stadt viel mehr Bezug zur Realität in diesem Land hat als viele andere.

Verliert man leicht den Bezug zur Realität, wenn man den Beruf des Schauspielers wählt?

Kramer: Das will ich doch nicht hoffen. Wer den Beruf ernst nimmt, weiß zu unterscheiden zwischen Schauspielerei und Beruf. Wir haben unseren Wohnort aus einem Bedürfnis nach Normalität heraus gewählt.

Wer wochenlang im Hotel gelebt hat, freut sich auf ein normales Zuhause, auf ein eigenes Umfeld, auf eigenes Essen.

Wie oft erleben Sie diese Normalität gemeinsam?

Krassnitzer: Viel zu selten, aber wir schaffen uns Freiräume. Dazu gehören durchaus auch Wäsche waschen, Kochen, Spaziergänge.

Kramer: Meistens kocht mein Mann und ich lege die Füße hoch. Aber ernsthaft. Wir gehören nicht zu den Stars, die auf jeder Party herumturnen müssen. Wir sind dann lieber mit meinem Sohn unterwegs, gehen in den Wald oder lassen Drachen steigen.

Krassnitzer: Wir haben uns eben für einen anderen Weg entschieden, ziehen uns gern zurück. Und das funktioniert. Wir können uns über mangelnde Angebote und Engagements nicht beklagen.

Sie sind das zurzeit wohl am häufigsten im Fernsehen präsente Schauspieler-Ehepaar. Sie kennt jeder, auch in Wuppertal. Ist es da denn so ohne weiteres möglich, einen "normalen" Alltag zu leben?

Kramer: Natürlich werden wir erkannt. Aber die Wuppertaler gehören nicht zu dem Menschenschlag, der einen sofort bedrängt.

Krassnitzer: Ich werde angesprochen, im Supermarkt, beim Bäcker. Das geschieht aber eher zurückhaltend, dann geht man schnell wieder zur Tagesordnung über.

Kramer: Erfolgreich zu sein, erkannt zu werden, das ist ja nicht unbedingt eine Last. Es ist schön, Erfolg zu haben. Ich bin glücklich nach einem gelungen Drehtag.

Herr Krassnitzer, diesen Monat läuft die zweite Staffel des "Winzerkönigs" an. Wo kaufen Sie Ihren Wein?

Krassnitzer: Zugegeben, in Österreich. Aber ich arbeite daran, dass das Angebot in Wuppertal ausgebaut wird.

Kommen wir noch mal auf Wuppertal als Drehort zurück. Frau Kramer, Sie selbst haben in Wuppertal gedreht. Tom Tykwer hat seine Karriere in der Stadt begonnen. Es gibt viele engagierte Ansätze, Wuppertal zur Filmstadt zu machen. Aber so richtig funktioniert das nicht.

Kramer: Wuppertal stellt eine ideale Filmkulisse dar. Es gibt hier zum Beispiel Straßenzüge, die erinnern an Prag, oder nehmen Sie nur das Briller Viertel, die Nordstadt. Da steckt unglaubliches Potenzial drin.

Das sind Motive, die neben ihrem optischen Reiz noch völlig unverbraucht sind. In Städten wie Köln oder Hamburg werden Filmteams inzwischen schon angepöbelt, weil wieder eine Straße gesperrt wird.

Krassnitzer: Eine Filmstadt benötigt aber die passende Infrastruktur. Das fängt bei den Hotels an und hört beim Marketing und dem unbürokratischen Erteilen von Drehgenehmigungen auf. Man muss die Filmteams ködern - und das hat auch viel mit Geld zu tun.

Haben Schauspieler, die so viel unterwegs sind wie Sie, eigentlich Zeit für so etwas wie ein Hobby?

Krassnitzer: Die Familie, das Zuhause ist mein Hobby, die Arbeit aber ebenso.

Kramer: Ich hätte gern ein Pferd, aber natürlich fehlt mir dazu die Zeit.

Frau Kramer, Herr Krassnitzer, vielen Dank für das Gespräch.

Die Wuppertalerin, Jahrgang 1966, gehört mittlerweile sie zu den beliebtesten Fernsehstars und begeistert ein Millionenpublikum. Die jüngste Produktion ist der TV-Thriller "Im

Ann-Kathrin Kramer hat einen 10 Jahre alten Sohn und lebt mit Harald Krassnitzer in Wuppertal. 2005 erschien ihr Kinderbuch "Matilda - oder die aus dem Haus ohne Fenster".

www.ann-kathrin-kramer.de

Der gebürtige Salzburger, Jahrgang 1960, kommt vom Theater, spielte in Graz, Wien und Saarbrücken. Einem breiten Publikum wurde er vor allem als Wiener Tatort-Ermittler Moritz Eisner bekannt sowie als Bergdoktor in der gleichnamigen TV-Serie.

Am Montag, 25. Februar starten in der ARD 13 neue Folgen des "Winzerkönigs" (20.15 Uhr). Die erste Staffel verfolgten bis zu fünf Millionen Zuschauer.