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Interview: Denise Frings aus der Fraktion der Grünen Wuppertal

Denise Frings : „Der Stadtrat muss jünger und weiblicher werden“

Denise Frings wurde Ende September zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen ernannt. Sie sitzt zwar nicht als jüngstes Mitglied, aber als jüngste Frau im Wuppertaler Stadtrat. Das Lehramtsstudium zog die 21-Jährige vor drei Jahren ins Bergische.

Frau Frings, Sie leben erst seit drei Jahren in Wuppertal. Wie sind Sie so schnell im Stadtrat gelandet?

Alles hat eigentlich mit einem Scherz angefangen. Ein Jahr, bevor es überhaupt in die Kandidatenphase ging, haben wir in der Grünen Jugend gescherzt, dass wir den Stadtrat jünger machen sollten. Timo Schmidt, der jetzt auch im Rat sitzt, hat mich dann mitgezogen.

Was hat Sie überhaupt in die grüne Politik gebracht?

Ich bin mit 17 in meiner Heimatstat bei Aachen der Grünen Jugend beigetreten. Viele meiner Klassenkameraden waren ebenfalls dabei. Zu der Zeit und auch heute noch habe ich mich sehr für die Themen Gleichstellung und „queer“ interessiert und eingesetzt. Der Satz, der mich in die Grüne Jugend gebracht hat war: Geh da hin, da gibt es ganz viele queere Jugendliche.

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Warum liegt Ihnen das Thema so am Herzen?

Mit 12 habe ich angefangen, über meine eigene Sexualität nachzudenken. Ich war mir lange Zeit nicht sicher, ob ich bi- oder pansexuell bin. Der Begriff „queer“ ist ein sogenannter „umbrella term“, der viele Bereiche umfasst und mit dem ich mich wohl fühle. Für Wuppertal würde ich mir die Einrichtung eines queeren Jugendzentrums wünschen.

 Was begeistert Sie an Wuppertal, dass Sie sich nach drei Jahren bereits in den Stadtrat haben wählen lassen?

Gibt es nicht diesen Spruch, in Wuppertal verliebe man sich erst auf den zweiten Blick? Wuppertal war nicht meine erste Wahl, aber ich habe mich schnell in die Stadt verliebt. Ich finde es unsagbar wichtig, dass im Stadtrat alle Menschen vertreten sind. Die jüngste Frau im Rat war bisher 34 Jahre alt, das war mir nicht jung genug. Der Rat muss jünger und weiblicher werden. Mit unserer 50 zu 50 Quote sind wir Grünen da ein gutes Vorbild.

Jetzt sitzen Sie aber nicht nur im Stadtrat, sondern wurden sogar zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen gewählt, wie ist das passiert?

Ich habe erst gezögert, mich auf den Fraktionsvorsitz zu bewerben, bis mich eine Stadtverordnete anschrieb und mir ihre Unterstützung zusicherte. Wichtig ist, dass wir im Fraktionsvorstand ebenso vielfältig aufgestellt sind.

Mit was für Aufgaben sehen Sie sich jetzt konfrontiert?

Es gibt verschiedene Gremien, in die ich gehen darf, Sitzungen des Kernbündnisses, die Ausschüsse und Ratssitzungen und ich Vertrete die Fraktionsvorsitzenden, wenn sie ausfallen.

So viel Politik klingt neben dem Studium nach einer sehr zeitfressenden Aufgabe.

Bisher hat es mich vielleicht ein Semester gekostet, aber das ist eben mein Hobby. Was jetzt auf mich zukommt, kann ich noch nicht einschätzen, aber den Montag habe ich mir schon freigehalten für Sitzungen.

Ich habe gehört, Sie sitzen zwar für die Grünen im Stadtrat, sind aber gar kein Parteimitglied?

Das stimmt, ich bin Mitglied bei der Grünen Jugend und Mitglied in der Grünen Fraktion. In der Grünen Jugend kann man bleiben bis man 28 Jahre alt ist, da bleibt mir noch Zeit. Mit wurde mal gesagt, es gibt keine Partei, die perfekt passt, nur das kleinere Übel.

Und zu guter Letzt: Was erhoffen Sie sich vom neuen Rat und der neuen Stadtspitze?

Ich erhoffe mir einen Wandel, in dem Punkte Beachtung finden wie die autofreie Innenstadt. Sie muss nicht von jetzt auf gleich autofrei werden, aber es könnte mehr Fußgängerzonen geben.