Integratives Tanztheater Wuppertal tanzt Biographien seiner Mitglieder

Tanztheater : Ensemble tanzt die Biographien seiner Mitglieder

Das Integrative Tanztheater probt derzeit für sein Jubiläumsstück „Freiraum“.

Das Integrative Tanztheater an der Fuchsstraße verbindet Menschen mit und ohne Behinderung. Bereits seit 2010 werden integrative Stücke auf die Bühne gebracht. An dem neuen Stück „Freiraum“, das im November aufgeführt wird, sind etwa 25 Tänzerinnen und Tänzer beteiligt, davon haben etwa zehn bis zwölf eine Einschränkung. Einige der Tänzer seien schon sehr lange dabei: „Es ist ein bunter Haufen. Es gibt viele Jugendliche und junge Erwachsene, die ihren beruflichen Werdegang über das Tanztheater definiert haben“, erklärt Vereinsmitglied und Unterstützerin Caterina Zinke.

Das Integrative Tanztheater ist ein gemeinnütziger Verein. Neben Laien sind auch professionelle Tänzer dabei, wie der ehemalige Pina-Bausch-Tänzer Jan Lade. Das Integrative Tanztheater führt jedes Jahr im Herbst ein neues Stück auf. Caterina Zinke selbst tanzt nicht mit: „Für mich als Zuschauerin ist es interessant, wie die Stücke entstehen. Die Stücke wachsen mit den Tanzenden; jeder kann mitbestimmen, wie die Choreographie aussehen soll“, erklärt sie.

Die Musik wird
passend zum Tanz gebaut

Nach jeder Probe finde eine Reflektionsrunde statt, in der besprochen wird, was gut und was nicht so gut geklappt hat. Dabei auf Augenhöhe zu sein, sei eine Form von Integration, die es nur selten gebe. Im Vordergrund stehe vor allem der inklusive Weg, der mit der Aufführung zum Schluss präsentiert wird.

Helga Roßner stellt die Choreographie aus dem Pool an Möglichkeiten zusammen. Für die Musik im neuen Stück „Freiraum“ ist Michael Hablitzel, Mitglied des Sinfonieorchesters, zuständig. „Michael Hablitzel baut die Musik passend zum Tanz, nicht andersherum“, erzählt Zinke. Das neue Stück wird anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Weimarer „Bauhaus“ aufgeführt, „eine Werkstätte für Künste, Architektur und Design zu Beginn des 20. Jahrhunderts“, wie Zinke erklärt. Das Stück greife die Idee auf, einzelne Gewerke und Künste miteinander zu verbinden und die Menschen gleichberechtigt miteinander tanzen zu lassen. Das Bühnenbild sei daher dem Stil des Bauhauses angepasst, es gebe schlichte Formen und klare Linien. Ein Würfelgerüst nimmt dabei die Bühne ein: „Durch den Kubus entsteht Freiraum, der Platz für Kreativität bietet und anregt, diese zu entfalten“, sagt Caterina Zinke.

Das Thema des Stücks ist biographischer Natur. Jeder Tänzer wird sein „Lebenspanorama“ tanzen und auf seine eigene Biographie zurückschauen. Daher seien die Tänze sehr individuell und die Musik passend auf den Tanz zugeschnitten. Jeder tanze sein eigenes Thema. Diese Art zu tanzen, baue sowohl bei den Tänzern, wie auch beim Publikum Berührungsängste ab. „Die Tänze sind sehr emotional. Als Zuschauer wird man sehr berührt, weil es hochprivat ist, was die Tänzer zeigen“, erklärt Zinke. Gerade den jüngeren Kindern, die noch auf keine lange Biographie zurückblicken, wird bei der Choreographie geholfen. So können sie beispielsweise etwas für ihre Familie tanzen.

In den zum Teil bereits laufenden Proben werden die Szenen eingeübt und aneinandergesetzt. Dabei betont Caterina Zinke, dass im Integrativen Tanztheater vor allem der Prozess, das gemeinsame Entwickeln, im Vordergrund stehe. Tanztheater funktioniere auch ohne viel Sprache. „Das Produkt am Ende macht stolz“, sagt sie. Vor allem freut sie sich, dass die Idee des Integrativen Tanztheaters immer mehr Zuspruch und Zuschauer findet.

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