Insolvenz: Traumküche wird wohl nie geliefert

Insolvenz: Traumküche wird wohl nie geliefert

Das Ehepaar Oestrich hat 7500Euro für eine neue Astroh-Küche angezahlt – dann ging die Firma pleite.

Wuppertal. Die Situation ist absurd und doch könnte sie fast jeden treffen. Familie Oestrich hat seit zehn Wochen keine Küche mehr. Am 26.November hat ein Team der Schwelmer Astroh Küchen Filiale die alten Schränke und Elektrogeräte der Familie abgebaut. Drei Tage später ging das Unternehmen in die Insolvenz. Die bestellte Küche wurde nie geliefert. Die Anzahlung von 7500Euro ist erst einmal futsch.

"Es kann doch nicht sein, dass das Unternehmen drei Tage vor der Insolvenz noch nicht wusste, dass es den Bach runtergeht. Da baue ich doch nicht noch eine Küche ab. Es sei denn, ich will noch ordentlich Vorschüsse kassieren", wettert Klaus Specht, Anwalt der Oestrichs, der die Küchenfirma wegen Betrugs angezeigt hat.

Horst und Ilona Oestrich leben derweil im Chaos und ernähren sich von kalten Speisen. Die Wohnzimmerschränke sind voll mit Geschirr und Küchenzubehör. "Wir wollten uns mit der neuen Küche etwas Gutes tun. Wir haben lange dafür gespart", sagt Ilona Oestrich (61), der die Verzweiflung anzuhören ist.

Dass sie eine derart hohe Anzahlung geleistet hat, habe an einem Rabattversprechen von Astroh gelegen. "Ursprünglich sollte die Küche 23000Euro kosten. Wenn wir 7500Euro anzahlen, aber nur 13000Euro."

Kurz vor der Insolvenz soll Astroh allerdings weit mehr, nämlich bis zu 3000Verträge abgeschlossen haben. "Dadurch müssen Summen zwischen sechs und 15Millionen einkassiert worden sein", schätzt Anwalt Specht. Sind die Anzahlungen etwa futsch? Die dürftige Antwort des Sprechers: "Eine Rückzahlung der Anzahlungen ist aus insolvenzrechtlichen Gründen nicht möglich."

Von den 750 Astroh-Mitarbeitern an 21 Standorten hat das Unternehmen 550 freigestellt. Die Arbeitsverhältnisse ruhen. Verkaufsgespräche mit Investoren blieben bislang ohne Ergebnis.