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Inflation auf dem Wuppertaler Weihnachtsmarkt: Preise für Glühwein und Co. polarisieren​

Kostspieliger Budenzauber : Inflation auf dem Wuppertaler Weihnachtsmarkt: Preise für Glühwein und Co. polarisieren (mit Video)

Was halten die Wuppertaler von den neuen Preisen? Angebracht oder übertrieben? Die WZ hat eine Umfrage auf dem Weihnachtsmarkt in Elberfeld gemacht.

Steigende Preise sind aktuell in aller Munde. Ob Energie oder Lebensmittel – oder der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, die Bratwurst, die Champignons: Der Preisanstieg macht sich bemerkbar. Der Eventveranstalter Activa Event-Management hat nun in einer Studie herausgefunden, dass zwei Drittel aller Weihnachtsmärkte die Glühweinpreise erhöhen musste. Den günstigsten Glühwein gibt es demnach für drei Euro in Bayreuth, Dortmund, Hof, Lübeck und Rostock. Am teuersten ist die Tasse Glühwein mit 4,50 Euro in Aachen, Berlin, Hannover und Köln.

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Stabil geblieben sind die Preise in Darmstadt, Dortmund, Düsseldorf, Hannover, Rostock, Schwerin und Ulm. Münster dagegen verzeichnet eine Preissteigerung von 60 Prozent. Und Wuppertal? Hier kostet die Tasse im Schnitt 3,50 Euro – zuletzt seien es laut Studie noch drei Euro gewesen. Die Studie gibt eine Kostensteigerung von 17 Prozent für Wuppertal an.

Grund genug, dass sich die WZ einmal auf dem Weihnachtsmarkt in Elberfeld umgehört hat. Detlef Hüning hält den Weihnachtsmarkt für sehr bescheiden. „Ich denke, die Stadt Wuppertal macht da einen großen Fehler, weil die Leute jetzt auswärts ihr Geld ausgeben. Das ist bedauerlich“, sagt er. Am Wochenende zuvor sei er in Essen gewesen. „Der Markt ist paradiesisch, wenn man nicht unbedingt Geld ausgeben will. Da kann man hervorragend spazieren gehen.“ Der Glühwein für vier Euro sei für seine Verhältnisse aber zu teuer gewesen, 3,50 Euro würden seiner Meinung nach auch reichen. „Allen Essensangebote waren in Essen einen Euro zu teuer, Pommes für vier Euro, das ist gewöhnungsbedürftig.“ Als Rentner überlege er, wie er das Geld am besten anlegen kann. „Das hat sich jetzt verschärft, aber dafür gehe ich jetzt nebenbei arbeiten, um das stemmen zu können“, sagt Hüning. Am Ende sei eines wichtig: „Dass die Enkelkinder zufrieden sind. Sie werden mit dem Karussell abgefüllt“, sagt er lachend.

Anna Fritsch ist bekennender Weihnachtsmuffel. „Wir kommen nur zum Karussellfahren hierher. Ich mag ganz gerne den Mittelalterweihnachtsmarkt, aber auf den Rest kann ich gut verzichten. Das ist mir zu viel Kommerz, zu viele Dinge, die ich nicht brauche“, erklärt sie. Das Karussell sei indes auch teurer geworden. Die Einzelfahrt koste drei Euro. „Das ist schon relativ viel dafür, dass sie im Grunde fünf Mal im Kreis fahren“, so Fritsch. Eine Fahrt weniger gibt es aber nicht. „Es gehört einfach dazu“, sagt sie. „Wir wohnen um die Ecke, daher ist der Weihnachtsmarkt automatisch Teil der Vorweihnachtszeit.“

Darlene Sealiti fällt es schwer, bei dem kleinen Markt in Weihnachtsstimmung zu kommen. „Das ist ein bisschen traurig“, findet sie. Die Preise seien zwar erhöht – „aber man gönnt sich halt trotzdem was. Ich kaufe, wie ich Lust habe – oder eben wie das Geld da ist“, sagt sie lachend. Am liebsten kaufe sie hier in Wuppertal Essen. Für Deko und Co. würde sie hingegen eher auf einen anderen Weihnachtsmarkt fahren – nach Köln oder Düsseldorf.

Standbetreiberin ist mit Kundenfrequenz unzufrieden

Uwe Schneider nutzt die Wartezeit auf seinen Zug, um am Döppersberg einen Glühwein zu trinken. Die Preise findet er angebracht. „Das ist eigentlich überall so, das ist okay.“. Sein Einkaufsverhalten hat er deswegen nicht geändert. „Bei mir ist alles beim Alten. Ich kaufe recht wenig auf dem Weihnachtsmarkt. Wenn es ein besonderer Markt ist, dann kaufe ich Kleinigkeiten für die Enkelkinder oder etwas zu essen und zu trinken. Ich bin kein großartiger Weihnachtsmarktgänger“, sagt Schneider.

Detlef Hüning und Bärbel Schöpp auf dem Elberfelder Weihnachtsmarkt.
Detlef Hüning und Bärbel Schöpp auf dem Elberfelder Weihnachtsmarkt. Foto: Büsra Sönüksün

Manuela Jansen beteibt einen Glühwein-Stand am Döppersberg: „Zufrieden bin ich in diesem Jahr nicht. Die Zahlen könnten definitiv besser sein. Wir hatten mehr erhofft, gerade hier am Bahnhof, aber bisher haben wir noch zu wenig Kunden.“ Weil sie mit dem Stand erstmalig vor Ort steht, hat sie keine Preisvergleiche zum vergangenen Jahr. Der Glühwein kostet hier vier Euro, der Kinderpunsch drei Euro, ein Kakao ebenfalls vier Euro.

Claudia Kretz steht normalerweise mit ihrem Stand, an dem es Backkartoffeln und Champignons gibt, in Barmen. In diesem Jahr ist sie erstmals in Elberfeld am Kasinokreisel zu finden. „Ich musste die Preise durchweg um einen Euro anheben“, erklärt sie. Champignons kosten nun beispielsweise sechs Euro. Grund sind höhere Energiekosten. Das Öl zum Frittieren und Braten sei teurer geworden. „Das ist ja in jedem Supermarkt so, da sieht man die Preiserhöhung“, sagt Kretz

Bei den Kunden komme das bisher an. „Wenn man Qualität verkauft und es den Menschen schmeckt, kommen sie auch gerne wieder“, erklärt sie. „Dann bezahlen sie auch gerne den höheren Preis.“ Claudia Kretz ist bis jetzt einigermaßen zufrieden. „Die Leute sind hier sehr angenehm und freuen sich, dass der Weihnachtsmarkt wieder stattfindet“, sagt sie.

Unter ihren Kunden ist Hans-Walter Steinbacher. Er ist Barmer und gehe grundsätzlich nur zum Barmer Weihnachtsmarkt. Dass er in Elberfeld ist, ist eine Ausnahme: Er will Claudia Kretz unterstützen. „Die Energiekosten sind so hoch, dass ich fest davon überzeugt bin, dass weniger verzehrt wird“, sagt Steinbacher. Er selbst kaufe weniger – weil er abnehmen will, sagt er lachend. Er esse Fisch, Reibekuchen, Champignons und Bratwurst. „Mit Glühwein sind dann ungefähr 25 Euro weg – also 50 Mark.“ Scherzhaft fügt er hinzu: „Zu Beginn des Weihnachtsmarktes gehe ich weniger zum Markt, später dann mehr. Dann war wieder der Erste, dann habe ich wieder Geld.“ Und antwortet dann doch noch ernsthaft auf die Frage, wie häufig er den Weihnachtsmarkt besuche: „Ich habe einen Enkel, der ist neun. Mit ihm gehe ich oft zum Weihnachtsmarkt. Manchmal gehe ich dann gleich mit aufs Karussell.“

Raja Freitag, die O’Donnell-Liköre verkauft, weiß, dass dort die Preise nicht angehoben wurden. „Der Markt ist sehr klein. Die, die da sind, kennt man. Sie sind jedes Jahr da. Die Menge fehlt einfach. Es ist schade, wenn man nach zehn Minuten durch ist. Die Preise finde ich vollkommen akzeptabel.“