1. NRW
  2. Wuppertal

In Wuppertals Haushalt ist weniger Platz für Brücken, Tunnel & Co.

Bauwerke : Wuppertal bröckelt: Im Haushalt ist wenig Platz für Brücken und Treppen

80 Prozent der Bauwerke haben Sanierungsbedarf. Verwaltung schlägt weitere Einsparungen vor. Die Fachabteilung schlägt Alarm.

Jeweils mit einem Etat von 1,4 Milliarden Euro plant die Wuppertaler Verwaltung für die Jahre 2020 und 2021. Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) und Stadtdirektor Johannes Slawig (CDU) stellen am Montag dem Rat  ihren Haushaltsentwurf vor. Der hat nicht viel Platz für die Sanierung von Brücken, Tunneln und Treppen. 5,57 Millionen (2020) bzw. 5,44 Millionen Euro (2021) sind vorgesehen. Zum Vergleich: 2018 waren es noch 8,64 Millionen, in diesem Jahr immerhin noch 6,98 Millionen. Doch es wird weiter gespart, die Fachabteilung schlägt bereits Alarm.

„Die Entwicklung bereitet mir große Sorge“, sagt Thorsten Warning, Leiter konstruktiver Ingenieurbau bei der Stadt. Der Einspardruck sei „deutlich größer als in den vergangenen Jahren“. Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Baubranche boomt und die Kosten immer mehr steigen, „gibt es weniger Geld aus dem Haushalt“.

Die Stadt setzt Hoffnungen auf Förderprogramme. Auf zusätzlich mehr als eine Million spekuliert man jeweils 2020 und 2021. Doch planen könne man damit nicht, warnt Warning. Zum Teil müsse man sich überhaupt erst auf Programme bewerben. Anders geht es aber wohl kaum. Stadtdirektor Johannes Slawig betonte noch einmal gegenüber der WZ, dass die Stadt sehr wohl investiere, der Schwerpunkt aber auf Schulen und Kitas liege. Für die Infrastruktur, seien es nun Brücken, Tunnel oder Straßen, bleibt da weniger übrig. Auch die Politik sieht kaum einen Ausweg (siehe Seite 18).

Mehr als 80 Prozent der Bauwerke haben Sanierungsbedarf

Gut 80 Prozent der Ingenieurbauwerke wiesen „erheblichen Sanierungsbedarf“ auf, als Warning zuletzt einen großen Bericht, passenderweise mit „Sanierungsstau“ betitelt, im Verkehrsausschuss vorstellte. Dezernent Frank Meyer sprach damals von einer Summe im untereren dreistelligen Millionenbereich, wollte die Stadt alle Schäden beseitigen. Das war Ende 2016, die Reaktionen der Politik reichten von „Das ist erschreckend“ bis hin zu „Da muss dringend was getan werden“. Doch knapp drei Jahre später hat sich nicht viel getan, Wuppertal bröckelt weiter. Von den Vorschlägen seiner Abteilung für den kommenden Haushalt habe er einiges wieder streichen müssen, so Warning. Unter anderem einen „Klassiker“, der seit Jahren für viele Kritiker sinnbildlich für den Zustand der Stadt steht: die Jakobstreppe. Verfallen, zugewuchert und gefühlt seit Ewigkeiten gesperrt, steht eine Sanierung in den Sternen. Von der Priorität her gebe es einfach dringendere Fälle, sagt Warning, betont aber: „Sie hat auf der Liste gestanden.“ Ebenso wie die gesperrte Brücke Kirchhofstraße, die ebenfalls wieder rausfiel.

Doch laut Warning gibt es eben mit der Brücke Garterleie eine, wenn auch mit einem Umweg verbundene Alternative, durch die der Brückenneubau an der Kirchhofstraße nochmal geschoben werden kann. „Es ist aber nicht so, dass noch nichts passiert ist“, erklärt Warning. „Wir planen weiter, dafür hat es auch ein bisschen Geld gegeben.“ Nur bis sich baulich etwas tut, werde es noch dauern.

Zudem hatte sich in der Abteilung auch die Personalsituation nur kurzzeitig verbessert. Ende 2016 fehlten vier Ingenieure. Drei Stellen wurden zwischenzeitlich besetzt, zwei Kolleginnen sind aber in Elternzeit, ein Kollege habe die Stadtverwaltung verlassen, so dass man praktisch wieder auf dem alten Stand sei.

Warning wehrt sich allerdings gegen die Kritik,  was die Stadt mache, sei eine „Mängelverwaltung“. „Das ist unfair gegenüber den engagierten Kollegen und klingt einfach zu passiv“, betont er. Gegenüber dem letzten Bericht habe es keinen Stillstand gegeben. „Wir arbeiten, wir tun.“ Vor allem, wo Statik und Verkehrssicherheit gefährdet seien, werde man tätig. Für den Haushalt habe man auch einiges auf die Liste bekommen.

Die Brücken Fischertal und Kluse, im letzten Bericht mit dringendem Handlungsbedarf beschrieben, seien Beispiele, oder auch die Brücke Kabelstraße, die praktisch als akuter Notfall hinzukam. Doch vorbeugend, räumt er ein, könne man unter den jetzigen Voraussetzungen praktisch nicht tätig werden.