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In Wuppertal: „Situation im stationären Einzelhandel ist dramatisch“

Umsatzeinbußen : „Situation im stationären Einzelhandel ist dramatisch“

Unter Auflagen bleibt Terminshopping trotz steigender Inzidenzwerte erlaubt – die Umsätze sind dennoch schwach.

Die Einzelhändler in Wuppertal können aufatmen. Das Land NRW hat der Allgemeinverfügung der Stadt zugestimmt, nach der es weiterhin möglich ist, „Click and Meet“ anzubieten. Ladeninhaber können also trotz einem Inzidenzwert von mehr als 100 ihre Geschäfte für Kunden öffnen. Voraussetzung dafür ist seit Montag, 29. März, ein negativer Schnelltest vom gleichen Tag. Dieser muss in einem der offiziellen Schnelltestzentren gemacht worden sein. Die „Notbremse“, die bei steigenden Coronazahlen greifen sollte, wird damit für die Einzelhändler etwas abgeschwächt.

Gleiche Kosten, aber
nur 20 Prozent Umsatz

 „Die Situation im stationären Einzelhandel ist dramatisch“, sagt Marco Trienes von der Wirtschaftsförderung Wuppertal. Dabei gebe es keinen Unterschied zwischen dem kleinen Einzelhändler und der großen Kette. Durch die monatelangen Schließungen blieb viel Ware liegen. „Vor allem klassische Sortimentsbereiche wie Kleidung und Schuhe leiden stark“, sagt Trienes. Haptische Sachen wollten Kunden anfassen, fühlen und anprobieren. „Mit Click und Meet können die Händler bei weitem nicht den Umsatz generieren, der sonst möglich ist“, sagt er. Durchschnittlich erzielten sie nur etwa 20 Prozent des Umsatzes bei gleichbleibenden Kosten.

Dennoch sei die Akzeptanz der Kunden hoch, Terminvereinbarungen zu treffen, um zu shoppen. „Dabei ist es für große Geschäfte leichter Kunden zu erreichen, weil sie bekannt sind“, sagt Trienes. Gerade der Einzelhandel lebe davon, dass Menschen spontan vorbeikommen. „Kunden gehen meist nicht zielgenau in die Stadt, sondern lassen sich inspirieren“, so Trienes. Wenn 1000 anstatt 5000 Menschen unterwegs seien, sinke die Wahrscheinlichkeit, dass jemand in den Laden komme.

Die vergangenen Wochen
haben einigen geholfen

Trotz dieser schwierigen Ausgangslage konnten einige Geschäfte in den vergangenen Wochen von der beschränkten Öffnung profitieren. „Die vergangenen Wochen haben uns persönlich sehr geholfen“, sagt Viola Martinez, die mit ihrem Mann den Weltladen „Mundo Fair“ am Kirchplatz führt. „Im März schrabbeln wir knapp an der Grenze für die sogenannten November-Hilfen vorbei“, sagt sie. Im Weltladen ist Terminkauf möglich, maximal ein Kunde darf in den Laden. „Das ist schwer zu verstehen, wenn es im Supermarkt eng wird und die Leute Schlange stehen müssen“, sagt Martinez. Die Stadt sei ziemlich voll und sie hat den Eindruck, dass der Lockdown nichts bringe. „Die Kollateralschäden werden immer größer“, sagt sie. Man hat als Selbstständiger nicht nur kein Einkommen, sondern auch Kosten, um das Unternehmen am Laufen zu halten, wie Miete und Nebenkosten. Viele Selbstständige müssten auf ihre Rücklagen zurückgreifen. „Wer das nicht kann, geht pleite“, sagt Martinez.

Die Situation wird nach Ansicht von Günther Andereya, Vorstandsmitglied der Interessensgemeinschaft „W.i.R. in Ronsdorf“ durch amtliche Anordnungen verschärft. „Es kann nicht sein, dass die mit großer Fläche öffnen dürfen, obwohl sie die gleichen Angebote haben“, sagt er. Der Schreibwarenladen in Ronsdorf musste schließen, während der Postshop Düssel alles verkaufen durfte. Und Discounter dürfen neben Lebensmitteln auch Kleidung und Blumen verkaufen. „Wo bleibt die Gleichbehandlung auf dieser Welt?“, fragt Andereya.

Die Innenstädte werden sich verändern“, sagt Michael Kozinowski, erster Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Friedrich-Ebert-Straße. Gerade für die Gastronomie und Klamottenläden sei die Pandemie bitter. Viel sei ins Internet gewandert und er sei nicht sicher, ob Kunden in der Menge zurückkommen werden. „Für die Innenstädte braucht es gute Konzepte von Stadtmarketing, Interessensgemeinschaften und Kulturinstitutionen, um die Menschen in die Stadt zu holen“, sagt Kozinowski. Bis sich das eingespielt hat wie vor der Krise, werde es dauern.

Es hängt von den Kunden ab, wie die Innenstädte nach der Krise aussehen. Da ist sich die Inhaberin des Weltladens Viola Martinez sicher. „Man muss ganz gezielt gucken, was man unterstützen möchte“, sagt sie. Nur dann haben kleine Läden, Theater und die Gastronomie eine Chance, auch in den kommenden Jahren noch zu existieren.