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In Wuppertal kann man jetzt auch über den Dächern der Stadt essen

Nachhaltigkeit : Essen über den Dächern der Stadt

Auf dem Ölberg wird vegan gekocht. Der Anbieter von „Rooftop Cooking“ folgt einem Trend, der langsam aus der Nische kommt.

Die Theke, die in den Raum unterm Dach hineinragt, ist voll gestellt mit Schalen und Brot. Marmeladen, Aufstrichen, Hummus-Varianten. Die Gäste haben erste Getränke, sie füllen ihre Teller und singen ein Geburtstagsständchen. Tanja Lidke feiert Geburtstag und sie hat sich dafür ein neues Angebot in Wuppertal ausgesucht. Kochen auf dem Ölberg. Unterm Dach an der Wülfrather Straße.

Meik Schöpping betreibt dort das „Rooftop Cooking“, Kochen direkt unter dem Dach. In der Dachgeschossküche mit Holzbalken bietet er Kochevents sowie Brunches für Firmen, Familien, Freunde, Paare. Wichtig ist ihm: „Das hier ist keine Kochschule. Das Essen soll keinen Wettbewerbscharakter haben. Alle sollen zusammen etwas machen.“ Ihm geht es um „Gastgeberkultur und darum, zusammen etwas zu gestalten.“ Wer sich einbringen möchte, könne sich einbringen. Dabei gibt es vegane Küche, nach Absprache auch vegetarische. Aber ein Steak werde bei ihm nicht gebraten, sagt Schöpping.

Für Lidke ist das wichtig. Sie ist Veganerin und versucht, ihre Freunde für fleischfreie Ernährung zu begeistern. „Sie sind nicht alle Vegetarier, aber ich versuche, sie zu überzeugen, dass es auch so lecker ist“, sagt sie. Missionarisch wirkt sie dabei nicht. Der Genuss soll überzeugen. Und der Zeitgeist, das Wissen heutzutage, tut sein übriges.

Heute weiß man um die Zustände in den Ställen. Um die CO2-Emissionen durch Tierhaltung. Die UN-Landwirtschaftsorganisation erklärt, dass 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren stammen. Ein Faktor, den der Verbraucher beeinflussen kann.

Der Trend zum fleischfreien Essen ist auch für Schöpping ein wichtiger Aspekt für sein Geschäft. Meik Schöpping ist 42 Jahre alt und über Umwege zu seiner Geschäftsidee gekommen. Er ist Energieanlagenelektroniker, Wirtschaftsingenieur, hat Ökotrophologie studiert, Immobilien verwaltet und in der Großküche gekocht. Letzteres in Australien, wo er nach der Ausbildung war und im Nebenjob gekocht hat. „Es hat sich herausgestellt, dass ich das gut kann“, sagt er. Das Berufsleben ging weiter. „Aber ich war nicht glücklich, mir hat etwas gefehlt.“ Nur Kochen war immer dabei. Und weil  er zuletzt, noch  in einem anderen Job,  auch Kochevents veranstaltete, dachte er sich: „Das will ich machen.“ Zumal er für sein Angebot eine Lücke in der Wuppertaler Szene sieht.

 Den Gästen gefällt es. Die Frauen stehen an der Theke um den Herd herum, Michaela Ernzer findet alles „toll“ und mag besonders die vegetarischen Aufstriche. Sie ist selbst Vegetarierin, auch wegen Tanja Lidke.

Die Männer am Holztisch weiter hinten – von den Frauen als „Fleischfresser“ angekündigt – sind nicht alle Vegetarier, aber offen für neues. Thomas Hahn sagt etwa, er esse keine Wurst mehr, nur noch Käse. „Und ich werde genauso satt.“ Die Umstellung ginge aber nicht von jetzt auf gleich.

Vielen Teilnehmern fehlen vegetarische Restaurants

 Das merken sie auch in der Öffentlichkeit. Rainer Ernzer   findet, dass es in vielen Restaurants noch zu wenige vegetarische Alternativen gebe. „Meist nur Salat.“ Und dass man auch mal komisch angeguckt werde, wenn man nach Alternativen frage.

Marie Haus, Vorsitzende der Dehoga Wuppertal (Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband für das Gastgewerbe), sagt, dass sich gerade in den Quartieren wie Ölberg und Arrenberg  vegetarische und teils vegane Angebote etablieren. Der Markt wachse generell, auch in Wuppertal. „Da verschiebt sich etwas“, sagt Haus. Weil auch Sterneköche heute Vegetarisches anböten. Das sei vor zehn Jahren noch kaum möglich gewesen. Sie vergleicht das Verhältnis von Fleisch-Angeboten und Vegetarischem mit dem von Benzinern und E-Autos. Aber ein Anfang sei gemacht.

Bei Schöpping ist der mit Brot undAufstrichen gemacht. Dann kommen Salat, orientalische Vorspeisen und Pfannkuchen nach Neu Seeland-Art: gefüllt mit Bananen, Sirup und Nüssen. Nicht vegetarisch wäre der auch nicht möglich.