In Wuppertal erklingt zwischen Obstregal und Käsetheke ein Kanon

Flashmob : Zwischen Obstregal und Käsetheke erklingt ein Kanon

Grundschüler der Gebhardtstraße sorgen mit ihrem Flashmob im Akzenta Vohwinkel für erstaunte Kunden. Unterstützung gibt es vom Orchester Wuppertal.

„Dicke, süße Äpfel. Blaue, saftige Pflaumen“. Aus voller Kehle stimmten die Schüler der Grundschule Gebhardtstraße ihren Obstkanon an – direkt vor Regalen mit den von ihnen besungenen Früchten. Nebenan widmeten ihre Mitschüler das Lied in entsprechend abgewandelter Form wahlweise den Wurstwaren, Tiefkühlprodukten und Käsespezialitäten. Deutlich hörbar schallten die Kinderstimmen nach kurzer Zeit im gesamten Vohwinkeler Akzenta-Markt durch die Gänge. Der unangekündigte Flashmob zauberte am Freitag ein Lächeln in das Gesicht vieler Kunden. Begleitet wurden die Mitglieder des Schulchors von fünf Musikern des Wuppertaler Sinfonieorchesters.

Die Aktion war Teil der Partnerschaft von Orchester und Grundschule. Passend zur Karnevalszeit waren alle Beteiligten verkleidet. Die großen und kleinen Musiker hatten sichtlich Spaß an ihrem Auftritt vor ungewöhnlicher Kulisse. „Das ist unser erster Flashmob überhaupt“, verrät Nicola Hammer, die den Kinderchor mit ihrem Fagott an der Wursttheke begleite. Ein bisschen aufgeregt sei sie bei der Premiere im Supermarkt schon gewesen. „Umso mehr freuen wir uns darüber, wie gut das Projekt bei den Leuten ankommt“, sagt die Orchestermusikerin. Nach dem Kanon, für den die Kinder die Texte im Unterricht erstellt hatten, folgte ein Kammerkonzert in der Gemüseabteilung mit allen 280 Schülern.

Durch verteilte Liedzettel konnten auch die Kunden mitsingen. Höhepunkt des Auftritts war das Schullied. „Gebhardtstraße, Gebhardtstraße, bei uns ist jeden Tag viel los“, tönte es lautstark durch den Eingangsbereich. Angesichts der ausgelassenen Stimmung mochten die Zuschauer das gern glauben. Diese spendeten am Ende viel Applaus.

Bei den Kunden kommt
die Aktion hervorragend an

„Das ist doch eine fantastische und sinnvolle Aktion“, urteilt etwa Ursula Froitzheim, die mit ihrem Mann eigentlich nur kurz einkaufen wollte, aber dann gern etwas länger blieb. „So etwas darf es öfter geben“, lautet die Meinung von Kundin Susanne Wendik-Weber. Ganz ausgeschlossen ist das nicht.

„Wir waren sehr gespannt auf die Reaktion der Menschen und die positive Resonanz bestärkt uns in unserer Arbeit“, sagt Orchester-Sprecherin Esther Klose. So sieht es auch Schulleiterin Beate Düster-Müller. „Wir sind begeistert über den Erfolg der Aktion“, betont sie. Dadurch könne die Patenschaft bekannter gemacht werden. Der Kontakt zum Supermarkt sei durch ein Catering-Sponsoring für eine Vernissage im Rahmen des Projekts entstanden. „Mit dem Auftritt möchten wir uns für diese Unterstützung bedanken“, sagt die Schulleiterin.

Noch bis zum Sommer läuft die zweijährige Kooperation zwischen Orchester und Grundschule. Diese umfasst ein breites Angebot. Alle Klassen besuchten etwa Schulkonzerte des Sinfonieorchesters in der Stadthalle und wurden mit Tanzdarbietungen in die Aufführungen eingebunden. Die Theater-AG der Schule ließ sich die verschiedenen Abteilungen im Opernhaus zeigen und bekam Tipps von den dortigen Profis. Auch die Lehrer wurden in das Projekt eingebunden. So gab es einen Betriebsausflug des Kollegiums zu einer Probe des Sinfonieorchesters samt Workshop. Auch beim jährlichen „Day of Song“ auf dem Schulgelände an der Gebhardtstraße dreht sich alles um die Musik. Die Schüler machen begeistert mit. „Singen ist einfach super“, sagt die neunjährige Shayenne-Sophie. Bis zum Sommer ist noch einiges geplant. Unter anderem soll es ein Abschlusskonzert in der Stadthalle geben. Die Gebhardtstraße ist die erste Grundschule im Stadtgebiet, die für die Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester ausgewählt wurde. „Darauf sind wir natürlich sehr stolz“, sagt Schulleiterin Beate Düster-Müller.

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