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In Wuppertal entwickelte Substanz hilft Patienten über Grenzen hinweg

Medizin : AiCuris hilft über Grenzen hinweg

Unternehmen aus Wuppertal schafft Voraussetzung, um Herpes-Medikament einzusetzen.

Die Wuppertaler AiCuris Anti-infective Cures GmbH, ein führendes Unternehmen in der Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln gegen Infektionskrankheiten, kooperiert mit myTomorrows, einem niederländischen HealthTech-Unternehmen. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung eines „Early-Access“-Programms (EAP) für die Substanz Pritelivir. Pritelivir wird derzeit in Phase 2 in der Behandlung von Aciclovir-resistenten mukokutanen HSV-Infektionen getestet.

„Insbesondere bei immungeschwächten Patienten kann HSV zu schwerwiegenden Komplikationen führen“, sagt Holger Zimmermann, CEO von AiCuris. Die Zusammenarbeit mit myTomorrows könne Patienten den Zugang zu einer Behandlung mit Pritelivir ermöglichen, die durch derzeit verfügbare Therapien nicht ausreichend behandelbar sind.

Pritelivir hemmt die Replikation von Herpes-simplex-Viren

Early-Access-Programme (EAP) bieten einen Weg, um die Behandlung mit Medikamenten zu erlauben, die im Heimatland des Patienten (noch) nicht zugelassen sind. Diese Patienten haben zwar einen hohen medizinischen Bedarf, können aber nicht an einer klinischen Studie teilnehmen - und zudem sind alle zugelassenen Behandlungsoptionen ausgeschöpft.

„Ich freue mich sehr, dass AiCuris sich entschieden hat, mit myTomorrows zusammenzuarbeiten, um dieses „Early-Access“-Programm zu entwickeln“, sagt Steve Glass, COO von myTomorrows. „Mit unserer einzigartigen Online-Plattform und unseren globalen Möglichkeiten zur Unterstützung des frühen Zugangs und der praxisnahen Datenerfassung ist es unser Ziel, Patienten mit hohem medizinischen Bedarf den Zugang zu Arzneimitteln zu erleichtern, die sich noch in der Entwicklung befinden.“

Pritelivir ist eine Entwicklungssubstanz, die die Replikation (Vermehrung) von Herpes-simplex-Viren hemmt. 2017 erhielt AiCuris von der US-amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde den „Fast Track“-Status für Pritelivir zur Behandlung von Aciclovir-resistenten mukokutanen HSV-Infektionen bei immungeschwächten Erwachsenen.

Herpes-simplex-Viren (HSV) sind weit verbreitet. Es werden zwei Herpes-simplex-Virustypen unterschieden: Typ 1 (HSV-1) und Typ 2 (HSV-2). Infektionen führen zu einer lebenslangen Persistenz des Virus mit wiederkehrenden und zum Teil schmerzhaften Ausbrüchen. Während HSV-1 vor allem Läsionen im Mundbereich (Lippenbläschen) verursacht, manifestiert sich HSV-2 in der Genitalregion und wird meist sexuell übertragen. Das negative Stigma von Genitalherpes kann auch zu psychischen Belastungen führen.

Immungeschwächte Patienten haben ein geschwächtes Immunsystem, das durch bestimmte medizinische Behandlungen oder Krankheiten verursacht wird. Dies bedeutet, dass sie weniger in der Lage sind, Infektionen und andere Krankheiten zu bekämpfen und dass eine HSV-Infektion bei diesen Patienten schwer und anhaltend sein kann.

AiCuris, Gewinner des Deutschen Zukunftspreises und des Wuppertaler Wirtschaftspreises, wurde 2006 als Spin-Off der Bayer AG gegründet und konzentriert sich auf die Erforschung und Entwicklung von Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten.

Das Unternehmen entwickelt Medikamente gegen Viren wie das humane Cytomegalovirus (HCMV), das Herpes-simplex-Virus (HSV), das Hepatitis-B-Virus (HBV) und Adenoviren. Im Bereich antibakterieller Wirkstoffe konzentriert AiCuris sich auf die Erforschung innovativer Behandlungsmöglichkeiten gegen lebensbedrohliche (multi-)resistente Krankenhauserreger. ab

(ab)