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In Wuppertal-Cronenberg gibt es Kunst aus dem Automaten

Stadtleben : Jede Schachtel liefert ein Unikat

Ein Zigarettenautomat sorgt im Cronenberger Zentrum für ein kulturelles Erlebnis.

Ein Zigarettenautomat sorgt im Cronenberger Zentrum für ein kulturelles Erlebnis. Wie das vereinbar ist, wird bei einem genauen Blick auf den umgestalteten Kasten deutlich, denn es werden hier keine Zigaretten verkauft, sondern Kunstwerke im Miniatur-Format. Für vier Euro kann hier eine kleine Schachtel gezogen werden, in der sich zum Beispiel eine Skulptur oder ein Gemälde findet. An der Amboss-Apotheke hängt diese in Wuppertal einzigartige Vorrichtung, für deren Installation Apotheker Markus Hausmann verantwortlich zeichnet: „Wir fanden das so interessant, dass wir es umgesetzt haben“, erzählt er von einem Familienurlaub in Norddeutschland, wo die Automaten verbreiteter sind als im Westen.

Hausmann kontaktierte also die zuständige Firma und ließ an der Hauptstraße einen Kunstautomaten installieren. Der Initiator glaubt, damit einen Beitrag zur Belebung seines Stadtteils leisten zu können: „Es ist schön, Kultur zu unterstützen, auch weil im Dorf bereits bereits viel Kultur besteht“, erklärt er den Stein des Anstoßes für das ungewohnte Objekt. Hausmann bemerkt in den ersten Wochen reges Interesse für den Automaten und befindet nicht nur deshalb: „Es ist etwas, das den Ortskern stärkt.“ Cronenberg sei bemüht, sich kulturell wertvoll zu halten; die kleinen Kunstwerke aus dem Automaten seien „ein Beitrag, um sich kulturell differenzierter zu zeigen“, so der Apotheker. Bisher lassen sich aus den Automaten-Schächten wahlweise regionale Werke aus NRW oder solche aus ganz Deutschland ziehen. Doch auch Kooperationen mit Cronenberger Kunstschaffenden sind geplant, verrät Hausmann: „Ich habe bereits Anfragen bekommen; wir würden gern Cronenberger Künstler dazukriegen.“

Die Agentur „Kunsttick“, die vor rund 20 Jahren die Idee zu den Automaten hatte und 2001 den ersten seiner Art in Potsdam in Betrieb nahm, möchte genau diese lokale Bindung schaffen. „Ursprünglich ist das entstanden, um 24 Stunden Kunst konsumieren zu können. Heute gibt es eine Schnittstelle zwischen Künstler und Käufer“, erläutert Lars Kaiser, der als Leiter der Agentur einst das Projekt begann. Er erhofft sich Kommunikation, die durch Kontaktangaben an jedem Werk ermöglicht wird. So seien die Automaten dazu geeignet, „Künstler zu entdecken“, betont Kaiser und veranschaulicht: „Es entsteht dadurch die Chance, größere Werke käuflich zu erwerben.“

Die Rückmeldungen von Kunstautomaten-Kundschaft in ganz Deutschland freut auch Viola Tallowitz-Scharf. Ein Mini-Gemälde der Künstlerin aus Papenburg landete im neuen Cronenberger Automaten. „Ich finde es cool, dass mit der Miniaturkunst das, was man macht, eine breitere Öffentlichkeit erreicht“, sagt sie. Das Projekt lebe vom Austausch, meint Tallowitz-Scharf und berichtet von begeistertem Feedback, das sie telefonisch von Automaten-Kundschaft erreicht. Sie bekommt dadurch ideell etwas zurück: „Kunst ist für mich Freiheit“, erläutert sie: „Wenn sich jemand über ein Kunstwerk freut, hat man einen wunderbaren Moment geschaffen.“

Mittlerweile gibt es über 200 solcher Automaten in ganz Deutschland, aber auch in den Niederlanden oder in Österreich bestückt Lars Kaisers Agentur die Geräte regelmäßig neu. Mehr als 300 Künstler nehmen teil und stellen ihre Miniatur-Werke zum Erwerb frei, immer mit Überraschungseffekt. Denn was Käufer genau in der kleinen Schachtel erwartet, ist nie gewiss.

Markus Hausmann sieht den Automaten auch als Hinweis auf die aktuelle Situation der Branche, wenngleich er die Installation bereits im letzten Jahr plante. „Kultur ist wichtig, viele Kulturschaffende haben coronabedingte Schwierigkeiten. Da ist die Politik jetzt gefragt“, appelliert er.