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In Einzelteile zerlegt: Banges Warten auf den Kaiserwagen in Wuppertal

Wahrzeichen : Banges Warten auf den Kaiserwagen

120 Jahre alte Bauteile müssen ersetzt werden. WSW wollen Umbau im Sommer abschließen.

Mit der Modernisierung des Kaiserwagens vollziehen die Wuppertaler Stadtwerke einen Sprung vom 19. ins 21. Jahrhundert. 120 Jahre hat der Kaiserwagen auf dem Buckel. Zwischen Vohwinkel und Oberbarmen hat er mehr als vier Millionen Kilometer zurückgelegt. Die schwebende Attraktion für Touristen und Einheimische soll nun mit moderner Technik ausgestattet und damit für das neue digitale Betriebssystem der blauen Schwebebahn-Flotte tauglich gemacht werden. Das dauert länger als ursprünglich geplant. Frühestens im Sommer, so die WSW, wird der Kaiserwagen wieder auf die Strecke gehen. Eine Garantie dafür gibt es aber noch nicht.

Der Abriss einer Stromschiene am Gerüst kurz vor der Einfahrt in die Station Stadion/Zoo im November 2018 zog eine monatelange Betriebspause der Schwebebahn nach sich. Erst am 1. August 2019 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden – ohne den Kaiserwagen, der ohne das digitale Betriebssystem nicht fahrtauglich ist. Außerdem muss der Kaiserwagen von 600 Volt auf 750 Volt umgerüstet werden.

Mit der Umrüstung ist es allerdings nicht getan, wie Michael Krietemeyer, technischer Leiter der Schwebebahn, erklärt. „Wir haben die Betriebspause für die alle fünf Jahre anstehende Hauptuntersuchung und eine Prüfung durch einen externen Gutachter genutzt. Dabei wurden die 120 Jahre alten Originalteile auf Anzeichen von Verschleiß untersucht“, sagt Krietemeyer. Bei den Querträgern, die die Drehgestelle und den Wagenkasten verbinden, wurde der Gutachter fündig. Diese vier tragenden Teile müssen durch neue Träger ersetzt werden. Stahlteile, für deren Herstellung ein geeignetes Unternehmen gefunden werden musste. Die Original-Werkstattzeichnungen aus den 1890er Jahren sind nicht mehr vorhanden.

Technische Aufsichtsbehörde muss neue Teile abnehmen

Wenn die Träger eingebaut sind, dann muss das System von der Technischen Aufsichtsbehörde in Düsseldorf abgenommen werden, was ebenfalls für Veränderungen im Zeitplan sorgen könnte.

Bei vielen Teilen des Kaiserwagens handelt es sich um Originalteile aus der ersten Modellreihe der Schwebebahn. Mit einem dieser Wagen war Kaiser Wilhelm im Jahr 1900 durch das Tal geschwebt. Im Laufe der Jahrzehnte wurden immer wieder technische Veränderungen und Schönheitsreparaturen am Kaiserwagen vorgenommen. So fanden die Mitarbeiter der Schwebebahn-Werkstatt beim aktuellen Umbau eine Verkabelung aus den 1970er und 1980er Jahren vor, die ersetzt werden musste. Die neu verlegten Kabel werden unter der Dachverkleidung verschwinden. „Wir mussten eine Sitzreihe opfern, um einen Technikschrank einbauen zu können“, sagt Krietemeyer. Den Kasten in Größe einer Mini-Bar haben die WSW mit Holz verkleidet und so dem Ambiente angepasst. Außerdem wurde die Lackierung des Wagens aufgefrischt und Tischlerarbeiten im Inneren vorgenommen.

„Ich freue mich darauf, das typische Fahrgeräusch des Kaiserwagens wieder zu hören“, sagt Martin Bang, Geschäftsführer von Wuppertal Marketing. Das hat nicht nur nostalgische Gründe, die jeder Wuppertaler gut nachvollziehen kann. Für die Marketing GmbH sind die Einnahmen aus den Kaiserwagenfahrten vielmehr unverzichtbar. Sie tragen fast 200 000 Euro zum Etat der teils städtischen und teils privaten Gesellschaft bei. Für das Geschäftsjahr 2019 gewährte der Rat der Marketing GmbH einen außerordentlichen Zuschuss von 250 000 Euro. Im Jahr 2017 – in der letzten kompletten Saison – waren 14 000 Fahrgäste mit dem Kaiserwagen unterwegs.