In der Statistik-Datenbank des Landes NRW fehlen 8000 Wuppertaler

Bevölkerungsentwicklung : Land streicht tausende Wuppertaler aus der Statistik

Laut Statistik der Stadt gibt es 361 000 Einwohner. Das Land NRW geht von 8000 weniger aus.

Jahrelang kämpfte Wuppertal gegen das Image der sterbenden Stadt. Seit 2011 nimmt die Bevölkerungszahl vor allem durch Zuwanderung aus dem Ausland wieder zu. Das schafft Chancen, stellt die Stadt aber auch vor große Herausforderungen, denn vor allem im Bereich der Bildung muss der Aufbau der Infrastruktur mit dem Wachstum mithalten. Die Bevölkerungsprognosen von Stadt und Land gehen von einem weiteren Wachstum aus, der im Vergleich zu 2015 und 2016, als tausende Flüchtlinge aufgenommen wurden, eher moderat ausfällt.

Für Aufsehen sorgte in dieser Woche eine Bevölkerungsprognose, die vom Land für die Städte und Kommunen herausgegeben wurde. Die Landesbehörde IT.NRW geht von unterschiedlichen Tendenzen in den Großstädten und auf dem Land aus. Während bis 2040 in den Ballungszentren Köln (+15,8), Düsseldorf (+14,0) und Münster (+13,9) starke Zuwächse erwartet werden und es im ländlichen Raum wie dem Märkischen Kreis (- 1,6) starke Rückgänge geben soll, fällt die Prognose für Wuppertal mit einem Zuwachs von eins bis fünf Prozent weit weniger extrem aus. 361 000 Wuppertaler wird es nach der Prognose von IT.NRW im Jahr 2040 geben, Ende 2018 seien es 353 000 gewesen.

Im Barmer Rathaus betrachtet man die jüngsten Zahlen des Landes mit Skepsis. Schließlich geht die Stadt von höheren Zahlen als das Land aus. Laut Angaben der Abteilung Statistik und Wahlen der Stadt Wuppertal sind schon heute mehr als 361 000 Personen mit dem ersten oder zweiten Wohnsitz in Wuppertal gemeldet. Auf dieser Grundlage hat die Stadt für das Jahr bis 2025 einen Zuwachs auf 366 651 Bewohner prognostiziert - diese Zahl erwartet das Land NRW erst 15 Jahre später.

Stadt verfügt über die
aktuellen Bevölkerungsdaten

„Uns ist die Diskrepanz unserer Zahlen zu den Zahlen des Landes NRW seit Jahren bekannt“, sagt Stadtdirektor Johannes Slawig. Die Problematik betreffe allerdings nicht Wuppertal allein, sondern viele andere Städte. Rund 8000 Wuppertaler sind für das Land NRW aktuell nicht existent. Das kann erhebliche Folgen für die Stadtkasse haben, wenn es zum Beispiel um die Schlüsselzuweisungen des Landes an die Kommunen geht, die nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz pro Kopf berechnet werden. 750 Euro pro Jahr fließen pro Einwohner über die Schlüsselzuweisung nach Wuppertal. „Bisher blieben alle Proteste der Kommunen gegen die Berechnungen des Landes ohne Erfolg“, sagt Slawig. Der Effekt relativiere sich allerdings, weil bei einer höheren Gesamtzahl an Einwohnern in NRW die Zuweisungen über die Schlüsselzuweisungen pro Kopf sinken.

Susanna Klunowski von der Abteilung Statistik und Wahlen verweist darauf, dass sich die Stadt bei ihren Angaben auf ihr aktuelles Melderegister bezieht, während das Land NRW auf der Grundlage des Zensus 2011 die Ergebnisse einer Stichprobe hochrechnet. „Ich bin überzeugt, dass wir deutlich näher an der echten Zahl liegen als das Land, auch wenn es einige Karteileichen geben könnte, da sich nicht alle Menschen, die aus Wuppertal wegziehen, gleich ordnungsgemäß abmelden“, sagt sie. Ein Mitarbeiter von IT.NRW räumte gegenüber der WZ ein, dass die aktuelle Einwohnerzahl Wuppertals wohl „irgendwo zwischen“ den Angaben von Stadt und Land liege.

Bevölkerungsprognosen sind für die Stadtplaner allerdings alles andere als Blicke in die Glaskugel. Auf den Voraussagen bauen riesige Investitionen in die Infrastruktur einer Stadt auf. Bis 2015 wurden zehn Prozent des Angebots an Grundschulplätzen in Wuppertal abgebaut, weil die Stadt von geringeren Geburtenzahlen und einem Rückgang an Schülern ausgehen musste. „Bis 2028 planen wir aktuell Investitionen von rund 400 Millionen Euro allein für den Schulbau“, sagt Johannes Slawig. Er geht davon aus, dass die Wachstumsentwicklung noch Jahre anhalten wird. Zumal in den Regionen Düsseldorf oder Köln sich die Grenzen der Ausdehnung längst abzeichnen und die vom Land für die Metropolen am Rhein prognostizierten zweistelligen Zuwächse kaum realisierbar sein werden. „Von dem Mangel an Wohnraum in Düsseldorf profitiert schon jetzt der Kreis Mettmann und zunehmend gilt das auch für den Wuppertaler Westen, so Johannes Slawig. Wachstumsinvestitionen seien Pflichtaufgaben für die Stadt, wobei die Finanzierbarkeit angesichts des über Jahre absehbaren Baubooms eine Herausforderung bedeute.

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