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In der Barmer Kneipe „Nascha Russia“ regiert Putin

In der Barmer Kneipe „Nascha Russia“ regiert Putin

Wirt Alexander Haan fühlt sich als Russland-Deutscher noch stark mit seiner Heimat verbunden. Am Sonntag wählt er mit 50 Landsmännern in der Botschaft.

Wirt Alexander Haan empfängt seine Gäste in der Bar „Nascha Russia“ mit einem einladenden Lächeln und einem Maschinengewehr. Der größere Blickfang ist die sowjetische Weltkriegswaffe, die in der Barmer Kneipe an der B7 heute auf einem kleinen Tischchen steht. „Das ist ein Original aus Russland. Jeder Kunde kommt und macht ein Foto davon“, sagt Haan. 70 Prozent seiner Gäste sind Russen, in dem Gebiet der damaligen UdSSR haben fast alle ihre Wurzeln.

Foto: Anna Schwartz

Die Bar, deren Namen übersetzt „Unser Russland“ bedeutet, trägt Russland in ihrer DNA. Eine große Russlandkarte ziert den Gastraum, über der Bar sind verschiedene Kopfbedeckungen aufgereiht, von der russischen Panzerdivision bis zu einem Oktoberfesthut. Über allem wacht ein Foto von Wladimir Putin.

Der Russlanddeutsche Alexander Haan ist gedanklich in der Heimat. Gerade jetzt. Am Sonntag öffnen gut 2000 Kilometer östlich von Wuppertal die Wahllokale. Haan lässt keinen Zweifel daran, für wen sein Herz schlägt. „Putin ist der beste Mann für Russland“, davon ist der 43-Jährige überzeugt. Als doppelter Staatsbürger ist er wahlberechtigt und fährt am Sonntag zusammen mit 50 anderen Russen zur Botschaft in Bonn, um seine Stimme abzugeben.

Über die Geschehnisse in der Heimat informiere sich Haan über mehrere Quellen: deutsche Medien, russische Medien, Euronews. Was Russland angehe, hätten alle einen eigenen Blickwinkel. „Ich ziehe daraus meine Schlussfolgerungen“, sagt der Barbesitzer. Dabei habe er die deutschen Medien schon oft bei Lügen über Russland ertappt. Mehr noch als in Russland würden deutsche Medien seiner Erfahrung nach unkritisch berichten, was die eigene Situation im Land angeht. „Die Flüchtlingspolitik der CDU gefällt mir überhaupt nicht“, sagt er. Und Kanzlerin Merkel nehme er es übel, dass sie sich „mit dem Rücken zu Russland gestellt hat“.

Haan kam 1998 nach Deutschland. Erst arbeitete er in einem Blumengeschäft, machte später eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. 2005 verwirklichte er mit einem Freund den Traum von der eigenen Bar, die seit 2008 an der Höhne 81 zu finden ist. Zwei von Haans drei Kindern gehen auf eine russisch-sprachige Schule. Warum er nach Deutschland kam? Da gibt der Gastronom nur eine kurze Antwort: „Wegen meiner deutschen Wurzeln.“ Die Ur-Großmutter stamme von hier.

Viktor sitzt an der Bar und trinkt einen Tee. Er wirft gerne ein, warum er nach Deutschland gekommen ist: „Weil’s in Russland scheiße war.“ Der 21-Jährige, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, führt aus: „Wenig Arbeit, wenig Perspektive für junge Leute.“ Mit seiner Familie kam er 2004 nach Wuppertal in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Wählen geht er nicht. Das habe weder hier noch in Russland einen Zweck.

„Ja, Viktor sieht das alles etwas kritisch“, sagt Haan. In seiner Bar gebe es oft politische Diskussionen. Das sei auch vollkommen okay. Obwohl es schon besser sei, Putin nicht zu beschimpfen. Früher kamen auch zwei Gäste aus der Ukraine ins „Nascha Russia“. Als es 2014 zur Krimkrise kam, seien sie jedoch zwei Jahre lang nicht mehr aufgetaucht. Nun müssen sie damit leben, dass auf einer Tafel an der Wand in kyrillischen Buchstaben geschrieben steht: „Die Krim gehört uns.“ Zudem druckte Haan ein Foto der umkämpften Halbinsel aus und stellte es in den Barraum. Zu sehen ist davon nichts mehr. Haan sagt lächelnd: „Ist verschwunden.“

Für die Zukunft würde er sich wünschen, dass sich Deutschland und Russland wieder annähern. „Ich hoffe, dass Putin gewählt wird und mit Frau Merkel wieder eine gemeinsame Sprache findet.“ Viktor von der Bar dreht sich um: „Ich glaube nicht, dass die da drüben das wollen, oder?“ Erstmal wird darüber nicht weiter diskutiert. Aber der Abend ist ja auch noch jung.