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Immer mehr Senioren wandern ab

Immer mehr Senioren wandern ab

Quartiere sollen altengerechter werden: Mit einem „Masterplan“ des Landes reagiert die Stadt auf die demografische Entwicklung.

Wuppertal. Wuppertal verliert jedes Jahr knapp tausend Einwohner über 65 Jahren durch Wegzug. Diese Zahl überwiegt deutlich die Zuzüge. Die Stadt ist deswegen zwar nicht besorgt, setzt nun aber trotzdem einen „Masterplan“ des Landes um, der Quartiere seniorengerechter machen soll.

Wie viele der Über-65-Jährigen nach Wuppertal ziehen und wie viele die Stadt verlassen — diese Zahlen wertet das Statistik-Amt der Stadt regelmäßig aus. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat sich ganz aktuell mit diesem Thema beschäftigt.

Insgesamt 20 Großstädte haben die Versicherer sich über eine Zeitschiene von sieben Jahren angeschaut und analysiert, wie hoch die „Wanderungsraten“ sind. Dabei haben sie festgestellt, dass „die Abwanderung Älterer in Metropolen mit hohen Mieten am größten ist.“ Wenig überraschend: München wird als Spitzenreiter bei den Wanderungsverlusten genannt. Wuppertal liegt im Mittelfeld. Positive Ergebnisse erzielen einzig Dresden und Leipzig.

Auch wenn das Zahlenmaterial der GDV, das vom Statistischen Bundesamt kommt, an einigen Stellen von der amtlichen Statistik der Stadt abweicht, bestätigen aber beide Quellen, dass Wuppertal jährlich zwischen 296 (im Jahr 2013) und 537 (2008) Menschen über 65 Jahre durch Abwanderung verliert.

Das ist insofern ungewöhnlich, als die Gesamteinwohnerzahl von zwischenzeitlich 348 000 auf über 355 000 angestiegen ist. Davon sind relativ konstant rund 75 000 Personen älter als 65 Jahre.

Während in anderen Altersgruppen die Zuzüge zugenommen haben, änderte sich prozentual an den Fort- und Zuzügen der älteren Generation eher wenig. In Spitzenzeiten verließen 1047 Ältere die Stadt. Stets zogen deutlicher weniger nach Wuppertal. Die Wanderungsrate — jeweils gerechnet auf 1000 Einwohner — liegt zwischen vier und acht Prozent.

Sozialdezernent Stefan Kühn ist durch diese Zahlen nicht besonders beunruhigt: „Andere Großstädte haben das gleiche Phänomen. Daher müssen wir hier nicht nach einer spezifischen Problematik suchen.“

Rosemarie Gundelbacher, Vorsitzende des Seniorenbeirats, sieht die Gründe für die Abwanderung eher im Privaten, als im Wohnumfeld: „Die Menschen ziehen wahrscheinlich zu ihren Angehörigen.“ Diese These wird von der GDV bestätigt, die herausgefunden hat, dass dies bei rund 41 Prozent der Weggezogenen der Fall war.

Damit andere Senioren gern in ihrer Stadt bleiben wollen, setzt Wuppertal nun den „Masterplan Altengerechte Quartiere“ des Landes um. Dafür wurden Langerfeld Mitte, Eckbusch/Siebeneick und Höhe als Pilot-Quartiere ausgewählt. „Wir haben diese drei genommen, weil sie die typischen Wohngebiete in Wuppertal widerspiegeln“, sagt Stefan Kühn.

Während Langerfeld Mitte eine Mischbebauung habe, gebe es in Siebeneick hauptsächlich Einfamilienhäuser und am Eckbusch hochpreisige Eigentumswohnungen. Die Höhe hingegen weise viele Mietwohnungen auf. „Allen drei ist aber gemein, dass dort viele ältere Menschen leben“, sagt der Sozialdezernent.

Die Stadt plant, Quartiersmanager damit zu beauftragen, die Wohngebiete für Ältere attraktiver zu machen. Sie werden mit Landesgeldern bezahlt. Am Eckbusch gibt es schon eine Quartiersmanagerin, die über die Arbeiterwohlfahrt (Awo) angestellt ist und sich um eine Verbesserung der Infrastruktur kümmert. „Sie erweitert unter anderem das Angebotsprofil des Bewohnertreffs“, sagt Stefan Kühn. Die Nachbarschaft zu stärken, sei eines der großen Ziele des „Masterplans“.

Wie wichtig es gerade für Ältere ist, soziale Kontakte zu pflegen oder überhaupt erst einmal aufzubauen, weiß Rosemarie Gundelbacher: „Wir vom Seniorenbeirat hatten eine Telefonsprechstunde, bei der mich innerhalb von zwei Stunden 30 Personen angerufen haben. Da hatte ich häufig den Eindruck, die Leute sind froh, dass jemand mit ihnen spricht.“ Daher freut sich die Beiratsvorsitzende, dass „in Wuppertal immer mehr auf die Bedürfnisse von Senioren geachtet wird.