Immer mehr Drogen-Plantagen in Wuppertal

Drogen : Immer mehr Drogen-Plantagen in Wuppertal

Die Zahl der entdeckten Drogenplantagen steigt stetig an. Das Rauschgift wird heute auch per Post versandt.

Der Geruch war schon vor dem Haus auszumachen. Am Dienstagmittag transportieren Polizeibeamte Säcke und Kisten voller Marihuana-Pflanzen aus einer Altbauwohnung an der Gathe. Die Zählung der sichergestellten Menge läuft noch. Die Polizei spricht von „mehreren Dutzend erntereifer Cannabispflanzen sowie einer noch größeren Menge an Setzlingen“.

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, denn in der Wohnung fanden die Beamten lediglich die Pflanzen vor. Sehr wohnlich war die Plantagen-Behausung auch nicht. In beiden größeren Räumen nahmen Gewächshäuser mit Belüftungssystemen und Heizlampen den größten Teil der Wohnfläche ein.

Der Marihuana-Fund ist kein Einzelfall. Laut Polizeisprecher Stefan Weiand stoßen die Ordnungshüter mit großer Regelmäßigkeit auf illegale Zuchtbetriebe. „Das kommt im Schnitt schon so alle zwei Monate vor“, sagt Weiand. Zwar habe es auch schon früher solche Plantagen im Stadtgebiet gegeben, aber: „In den vergangenen zehn Jahren ist das mehr geworden.“

Beamte der Kriminalpolizei und Experten der Spurensicherung gegen 13 Uhr vor Ort. Foto: JA/Fischer, Andreas (f22)

In der DHL-Paketermittlungsstelle tauchen immer wieder Drogen auf

Wohl auch, weil lokale Cannabis-Anbieter nicht nur noch ausschließlich den Markt vor der eigenen Haustür bedienen. „Die Tendenz geht zum Onlinedrogenhandel“, sagt Stefan Weiand. Die Züchter verschicken ihre Ware nicht selten mit der Post an ihre Kunden aus dem Internet.

Das zeigt sich bei einem Blick auf Wuppertals Drogenstatistik: 1589 Rauschgiftdelikte im Jahr 2017 - eine so hohe Zahl ergibt sich auch durch die zahlreichen Funde in der DHL-Paketermittlungsstelle. Laut Polizei gehen dort unzustellbare Pakete aus dem ganzen Bundesgebiet ein, die nicht selten mit Betäubungsmitteln gefüllt sind. Der Trend zeigt unabhängig davon nach oben. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der Drogendelikte in Wuppertal um 193 Fälle an (plus 13,8 Prozent). Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote um 5,8 Prozentpunkte. Wobei trotzdem noch mehr als vier von fünf Drogendelikten aufgeklärt werden.

„Manchmal riechen die Nachbarn etwas“

Im aktuellen Fall an der Gathe halten sich Polizei und Staatsanwaltschaft noch bedeckt, weil die Ermittlungen noch laufen. Auch die Frage, wie die Wohnung in den Fokus der Ordnungshüter geriet, will derzeit noch niemand beantworten. Polizeisprecher Weiand berichtet lediglich von typischen Beobachtungen, die in vielen Fällen bereits zu einer Entdeckung von Drogenplantagen geführt hätten. „Manchmal riechen die Nachbarn etwas. In anderen Fällen dreht sich der Stromzähler wie verrückt“, sagt Weiand.

Der Besuch von Polizeibeamten mit Durchsuchungsbefehl ist kein angenehmer. Das ließ sich am Dienstag an der Gathe sehen, als rund zehn Beamte den Inhalt der Drogenwohnung in Einzelteile zerlegte und aus dem Haus transportierte. Eine Nachbarin nahm das laute Gepolter in dem Mehrfamilienhaus locker. „Dass die Polizei zu Besuch kommt, ist ja keine Besonderheit an der Gathe“, sagte sie und stieg in das Marihuana vernebelte Treppenhaus nach unten.

Erst im Januar gelang der Polizei ein Doppelschlag gegen Cannabis-Züchter. Zwei Wuppertaler mussten sich wegen ihrer Gewächse in einer Elberfelder Wohnung und einer Garage in Vohwinkel verantworten. Sie verriet der Geruch im Haus und der Lärm der Belüftungsanlage.

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