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Im Tiefflug für den Waldschutz: Hubschrauber streut Kalk

Im Tiefflug für den Waldschutz: Hubschrauber streut Kalk

Bei bestem Oktoberwetter werden bis zum Ende der Woche 123 Hektar Wald im Wuppertaler Süden aus der Luft gekalkt. Und das ist im Naherholungsgebiet Präzisionsarbeit.

Wupperta. Auch in der Klinik Bergisch Land im Saalscheid stehen an diesem Mittwochmorgen viele Menschen auf ihren Balkonen, um einen langen Blick in den blauen Oktoberhimmel werfen. Dort zieht wieder und wieder ein Hubschrauber spektakuläre Runden, um über den Wäldern des nördlichen Gelpetals Kalk zu streuen — jeweils in 800-Kilo-Portionen, die in einem Transporttrichter ins Zielgebiet gebracht werden.

„Das Wetter ist auf unserer Seite“, ruft Jan Henrik Frieg — Bezirksförster der Stadt für den Wuppertaler Süden in Cronenberg in Ronsdorf — in den Lärm der Rotorblätter. Am Hipkendahl unterhalb der Hahnerberger Straße liegt einer der Landeplätze, an denen der Hubschrauber immer wieder Station macht, damit neuer Kalk in seinen Transportbehälter gefüllt werden kann.

Das wird punktgenau mit einem Radlader erledigt — in Zentimeterarbeit, bevor Pilot Friedhelm Huß mit der Maschine erneut abhebt, die 800 Kilogramm Kalk im Schlepptau. Am Boden nimmt Hartmut Wenzel mit dem Radlader unterdessen die nächste Portion in Angriff. Das Manöver wiederholt sich an diesem Morgen im Minutentakt. Nur bei Regen muss eine Pause eingelegt werden, weil der Kalk im Trichter sonst verkleben würde.

Förster Frieg blickt dem Hubschrauber zufrieden nach, während Reiter und Spaziergänger den Augenblick Stille nutzen, um den Kalkberg am Hipkendahl hinter sich zu lassen. „Die meisten Waldbesucher haben Verständnis“, sagt Frieg, der über den Zivildienst in einer Bio-Station zu seinem Traumberuf als Förster gekommen ist.

Mit dem Gelpetal ist der 30-Jährige für eines der schönsten Wuppertaler Waldgebiete zuständig: Zu dessen Bestand gehören unter anderem gut 30 Prozent Eichen, 30 Prozent Fichten und 25 Prozent Rotbuchen — zum Teil mehr als 100 Jahre alt. Die letzte Waldkalkung liegt hier etwa 20 Jahre zurück. „Aber es gibt auch Bereiche, die noch nie gekalkt worden sind“, fügt Frieg hinzu.

Dass der Einsatz der etwa 7400 Zentner Kalk mit Magnesium die Bestände stärkt, steht auch für Frieg außer Frage: Der Kalk im Wald neutralisiert den „sauren Regen“ für die nächsten zehn Jahre, stärkt die Waldböden und fördert damit auch die nachwachsenden Bäume.

Und auch im Gelpetal wird bei der Waldverjüngung auf die besonders anfälligen Fichten verzichtet und auf heimische Laubbäume zurückgegriffen: Sie halten unter anderem auch Stürmen besser stand. Dass bei den Flügen viel Kalk erst einmal im Laub der Baumkronen landet, ist kein Problem: Mit dem Regen wird das Streugut ausgewaschen und dem Waldboden zugeführt, wo er sich dann an die „Arbeit“ zum Schutz der Bäume macht.