Im Gefängnis wartet viel Arbeit auf 15 Kulturdolmetscher

Im Gefängnis wartet viel Arbeit auf 15 Kulturdolmetscher

Knackpunkt heißt ein Projekt, das der interkulturellen Verständigung in deutschen Gefängnissen dienen soll.

Wuppertal. In deutschen Gefängnissen sitzen immer mehr Inhaftierte mit Migrationshintergrund. Allerdings ist die Kommunikation unter den Insassen oft kaum möglich, weil unterschiedliche Sprachen und Kulturen das Verständnis erschweren. Genau hier setzt das Projekt „Knackpunkt“ der Justizvollzugsschule Wuppertal und des Caritasverbandes an. Was ist zum Beispiel zu tun, wenn Migranten mit ihren verschiedenen Kulturen und Religionen Zelle an Zelle mit Rechtsextremisten leben müssen?

Muslimische Insassen haben bestimmte Essvorschriften, können es aber den Beamten oft nicht klarmachen, da die sprachliche Kompetenz oft nicht ausreichend ist. Vor allem Missverständnisse wie diese bergen ein enormes Konfliktpotenzial. Deshalb will man vor allem die Verständigung auf nonverbalem Wege zwischen den verschiedenen Gruppen verbessern, da die Kommunikation meist an den Sprachkenntnissen scheitert. Doch nicht nur das: Das Projekt soll besonders die Integration der Inhaftierten aus Drittstaaten fördern. 15 Kulturdolmetscher sollen dazu in brenzligen Situationen Spezialwissen als Hilfestellung vermitteln.

Man denke zum Beispiel an Begrüßungsrituale — die einen schütteln sich zur Begrüßung die Hand, andere meiden Körperkontakt. Genau diese Situationen führen häufig zu Missverständnissen — hier setzt der Kulturdolmetscher an, um zu vermitteln. Dr. Christoph Humburg, Caritasdirektor, hält die interkulturelle Öffnung und deren Schulung für einen wichtigen Schwerpunkt der Fortbildung: „Kulturen können viel voneinander lernen. Es ist wichtig, eine kulturelle Sensibilität zu schaffen und ohne Vorurteile aufeinander zuzugehen.“

Auch Projektleiterin Bogumila Sporin sieht vor allem Stereotypen als Hindernis für eine gelungene Kommunikation. „Man muss zuerst seine eigenen Einstellungen und Werte hinterfragen, dann erst die der anderen Kulturen“, sagt sie. Der Kern des Projekts ist ein gemeinsamer Tag im Juni, an dem an sechs Stationen Workshops zu besonderen „Knackpunkten“ absolviert werden können. Dabei wird der Fokus auf Themen wie Rechtsextremismus, interreligiöse Verständigung und Eigen- und Fremdwahrnehmung gelegt. Zudem wird in Kooperation mit der JVA in Vohwinkel ein Theaterstück von Inhaftierten auf die Beine gestellt.

Daneben findet an mehreren Tagen im Jahr eine Fortbildung der Lehrkräfte der Justizvollzugsschule statt, an denen sie lernen, Konflikte zu verhindern und ein Verständnis für die Situationen der Migranten zu entwickeln. „Das wichtigste dabei ist der Übersetzungsgrad. Man sieht andere immer durch die eigene kulturelle Brille und hat wenig Verständnis für Andersartigkeit“, sagt Humburg. Dabei sei es wichtig, die verschiedenen Wertmaßstäbe der Kulturen zu übermitteln und aufzuklären, da es dabei oft zu Fehlinterpretationen kommt. „Es ist immer ein wechselseitiger Prozess, von dem Beamte genau wie Insassen profitieren“, sagt Anita Dabrowski, Fachdienstleiterin vom Internationalen Begegnungszentrum der Caritas. Auch der Schulleiter der Justizvollzugsschule, Werner Heß sieht das Projekt als guten Ansatz: „Der kulturelle Austausch wird sicher Spaß bringen und zu einer konfliktfreieren Situation beitragen.“

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