Verbrauchertipp Experten raten von der „Chemiekeule“ ab – Pflanzenschutzmittel achtsam anwenden

Wuppertal · Mit wachsendem Grün werden auch Insekten aktiv. Die Freude über den Anblick von Hummeln, Bienen und Schmetterlingen kann jedoch nicht immer über den Ärger hinwegtäuschen, wenn sich andere kleine Krabbeltiere über die zarten Triebe hermachen.

 Anne Sprinz ist Umweltberaterin bei der Verbraucherzentrale Wuppertal.

Anne Sprinz ist Umweltberaterin bei der Verbraucherzentrale Wuppertal.

Foto: Verbraucherzentrale Wuppertal

Der Griff zur chemischen Keule ist für die Umweltberatung der Verbraucherzentrale NRW keine sinnvolle Lösung, um lästige Insekten zu vertreiben. Neben Gesundheitsrisiken wie Unwohlsein bis hin zu dauerhaften Nervenschäden gefährden diese Mittel auch Nützlinge, mit denen Hobbygärtner gerne ihre grünen Oasen teilen. Bestäubende Insekten wie Honigbienen, Hummeln und Schwebfliegen sorgen für eine reichliche Ernte an Kirschen, Äpfeln und Erdbeeren.

Doch die Zahl an nutzbringenden Insekten ist rückläufig. Mit ihnen sinkt auch der Anteil an insektenfressenden Gartenvögel, die sich wiederum von Schädlinge in Blumen, Beete und Bäume ernähren. Zum Schutz von Nutzinsekten und des eigenen Wohlbefindens im Garten hat die Verbraucherzentrale in Wuppertal einige Tipps zusammengestellt:

„Nicht bienengefährlich“ ist keineswegs harmlos: Viele Pflanzenschutzmittel für den Garten tragen die Kennzeichnung „nicht bienengefährlich“. Das bedeutet, dass sie auch für Blütenpflanzen angewendet werden dürfen. Dieser Hinweis bezieht sich aber nur auf Bienen. Für andere Insekten und auch für den Menschen können die Präparate trotzdem schädlich sein. Sie sollten nur benutzt werden, wenn es wirklich nötig ist.

Richtig Dosieren: Bei unsachgemäßer Anwendung besteht auch bei frei verkäuflichen Pflanzenschutzmitteln die Gefahr akuter Vergiftungen. Viele darin verwendeten Substanzen stehen unter Verdacht, hormonell wirksam zu sein, Allergien auslösen oder Nervenschäden hervorrufen zu können. Sollen Pestizide genutzt werden, ist eine korrekte Dosierung oberstes Gebot. Viele Anwender neigen zur Überdosierung, weil ihnen die empfohlenen Wirkstoffmengen zu niedrig erscheinen.

Sich und andere schützen: Beim Hantieren mit Pflanzenschutzmitteln sollten immer Gummihandschuhe getragen werden, denn viele Substanzen können die Haut schädigen. Beim Versprühen der Wirkstoffe ist zusätzlich ein Mundschutz mit Aktivkohlefilter sinnvoll. Menschen und Tiere sollten sich in frisch behandelten Zonen nicht aufhalten. Das Besprühen von Gemüse ist tabu, falls es in den nächsten zwei Wochen geerntet werden soll. Vor dem Verzehr unbedingt gründlich waschen! Auch beim Pflanzenkauf sollte darauf geachtet werden, dass während der Kultivierung möglicherweise Pflanzenschutzmittel eingesetzt worden sind.

Umweltfreundliche Methoden anwenden: Durch die Verwendung natürlicher Substanzen werden Nützlinge nicht geschädigt. Viele Hobbygärtner schwören deshalb auf ungiftige Rezepte - etwa auf Brennnesseljauche zur Pflanzenstärkung. Ein Tee aus Rhabarber oder Kapuzinerkresse hilft, Blattläuse zu vertreiben. Raupen des Kohlweißlings vertreibt man vom Salat, wenn Kräuter wie Dill, Salbei oder Rosmarin in seiner Nachbarschaft wachsen.

Nützlinge anlocken: Wildblumen, die zum Beispiel als Samenmischung erhältlich sind, sind für zahlreiche bestäubende Insekten begehrte Futterplätze, die durch ihre verlockende Pracht dafür sorgen, dass auch Nutzpflanzen von ihnen bestäubt werden. Sinnvoll ist auch das Anbringen von Nistkästen für Vögel und Fledermäuse oder von Insektenhotels. Diese Vorrichtungen beherbergen vorwiegend Nützlinge, die Schädlinge als Nahrung vertilgen - wie etwa Marienkäfer und Florfliegen, die sich von Blattläusen ernähren.

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