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IHK Wuppertal sieht Probleme beim Home-Office

Heimarbeit : „Homeoffice geht nicht überall“

Mehrere Grünen-Politiker verlangen das Recht auf Home-Office - die IHK zweifelt daran.

Die Corona-Pandemie sorgt für viele Veränderungen. Eine davon ist das Arbeiten im Homeoffice. Viele arbeiten jetzt freiwillig von zu Hause, um Infektionen im Büro oder im ÖPNV zu vermeiden.

Einige Politiker der Grünen wollen jetzt einen Schritt weitergehen und streben eine Gesetzesänderung an. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bund, Katrin Göring-Eckardt, fordert ein Recht auf Homeoffice für Arbeitnehmer – samt Bußgeldern für uneinsichtige Firmen. „Wir brauchen eine Corona-Arbeitsschutzverordnung, die Unternehmen verpflichtet, überall dort, wo es möglich ist, Homeoffice jetzt auch anzubieten“, sagte Göring-Eckardt der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Die Bergische IHK hält das aber nicht für alle umsetzbar.

Liliane-Viola Pollmann, Sprecherin der Grünen vom Kreisverband Wuppertal, unterstützt die Forderung aus der Bundespartei: „In der deutschen Bürolandschaft gibt es einen großen Hang zu Präsenzkultur und teilweise auch ein ungerechtfertigtes Misstrauen gegenüber Menschen, die im Homeoffice arbeiten wollen, wodurch das bisher verhindert wurde.“ Für Pollmann sei klar, dass es „Druck von rechtlicher Seite geben muss, um die Entwicklung zu umfangreichen Homeoffice Möglichkeiten anzuschieben und zu unterstützen“-

Auf Nachfrage der WZ erklärte Josefine Paul, Vorsitzende der Grünen Landtagsfraktion NRW: „In der aktuellen Situation müssen wir alle Möglichkeiten nutzen, um Kontakte und Mobilität weiter zu reduzieren. Die weitreichenden Einschränkungen im privaten Bereich werden aber konterkariert, wenn sich viele Menschen in den Büros und auf dem Weg zur Arbeit in Bussen und Bahnen begegnen. Während im Frühjahr laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung noch 27 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice arbeiteten, waren es im November nur noch 14 Prozent.“

Paul plädiert für eine „befristete Corona-Arbeitsschutzverordnung, die Unternehmen während der akuten Corona-Lage verpflichtet, Beschäftigten Homeoffice zu ermöglichen, wo immer dies umsetzbar ist.“

Auch RKI-Präsident Lothar Wieler (59) wandte sich zuletzt direkt an die Arbeitgeber: „Jetzt schützt die Heimarbeit die Gesundheit von uns allen - dazu brauchen wir noch mehr verantwortungsvolle Arbeitgeber“, sagte er. Er appellierte an die Arbeitgeber, Beschäftigten mehr Homeoffice zu ermöglichen.

Die Unternehmen sind in der
Struktur zu unterschiedlich

Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Bergischen IHK, versteht die Forderung der Grünen. „In der derzeitigen Pandemie-Situation ist das nachvollziehbar.“ Laut Wenge ermöglichen die Unternehmen das mobile Arbeiten bereits in großem Umfang. Das ginge aber nicht überall gleich gut. „Die Unternehmen sind auch aufgrund ihrer Struktur, Branche und technischen Ausstattung unterschiedlich auf mobiles Arbeiten vorbereitet. Was in dem einen Unternehmen schon geübte Praxis sein mag, ist in dem anderen Unternehmen eine große Herausforderung.“ Zudem gebe es laut Wenge immer wieder Lieferschwierigkeiten bei Hardware und Unterstützung durch IT-Beratung. Die Situation vor Ort sei höchst unterschiedlich und deshalb helfe eine generelle Forderung nach Homeoffice nicht weiter.

Für Wenge muss „der Inhalt der Arbeit im Homeoffice machbar sein und müssen die technischen Voraussetzungen dafür gegeben sein. „Ein Grafiker, der mit großem Bildschirm und Zusatzgeräten arbeitet, kann nicht plötzlich zu Hause am Küchentisch mit einem Laptopbildschirm arbeiten.“ Auch die Datensicherheit müsse gewährleistet sein.

Nicht jedes Unternehmen ist in der Lage, Arbeit im Homeoffice anzubieten. Das sieht auch Michael Wenge so: „Fast alle gewerblichen Tätigkeiten sind nicht im Homeoffice machbar. Aber auch bei klassischen Bürotätigkeiten gibt es aufgrund der Größe sowie der räumlichen und technischen Ausstattung der Unternehmen erhebliche Unterschiede.“ Er hält eine generelle Pflicht zum Homeoffice deshalb für einen falschen Ansatz. Schließlich möchte auch nicht jeder Arbeitnehmer im Homeoffice arbeiten.

Wenge sieht allerdings auch Vorteile. „Neben der Kontaktreduzierung ist es natürlich vorteilhaft, dass der Mitarbeiter den Weg zur Arbeit spart.“ Das merken wir ja zurzeit an den leereren Autobahnen. Die Arbeit in den eigenen vier Wänden könne zudem auch zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit führen – aber nur dann, wenn der Mitarbeiter das auch wolle. Es gibt aber auch negative Aspekte. „Für das Teambuilding innerhalb der Unternehmen ist ein langfristiges dauerhaftes Homeoffice aber eher kontraproduktiv“, so Wenge. Langfristig könne der Arbeitgeber aber möglicherweise Bürokosten einsparen.

Die Grüne Bundestagsfraktion stellt laut Liliane-Viola Pollmann einen Antrag im Bundestag, um eine rechtliche Regelung zum Homeoffice zu erwirken. Dazu gehören auch die Umstände des Arbeitens im Homeoffice. So müssten die benötigten Geräte durch den Arbeitgeber erstens gestellt und zweitens gewartet werden. Auch steuerliche Entlastungen der Arbeitnehmer, die im Homeoffice arbeiten, werden von den Grünen in dem Rahmen ebenfalls gefordert.