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IHK-Vize Heynkes zur Corona.Krise: Wuppertal muss in den Nahkampf

Interview : „Wir müssen in den Nahkampf“

Interview Jörg Heynkes ist Unternehmer und Vizepräsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer. Auf die kommt nun eine wichtige Aufgabe zu, sagt Heynkes.

Die Krise hat die Wirtschaft in Wuppertal weitgehend lahmgelegt. Während der Staat und das Land sich um größere Unternehmen bemühen, sind Kleinstunternehmer in dieser Zeit auf sich allein gestellt. Das gilt vor allem für jene, die nicht in den üblichen Netzwerken verbunden sind. Um die müssen sich Stadt, Wirtschaftsförderung und die Industrie- und Handelskammer (IHK) in besonderer Weise kümmern, sagt IHK-Vizepräsident Jörg Heynkes.

Herr Heynkes, Sie sind Unternehmer in der Medien-, Robotik- und Veranstaltungsbranche. Wie geht es Ihren Betrieben?

Jörg Heynkes: Drei meiner vier Unternehmen sind auf staatlich verordneten Nullumsatz gestellt. Das habe ich in den 35 Jahren als Unternehmer noch nie erlebt und auch nicht für möglich gehalten. Bei uns in der VillaMedia gibt es keine Veranstaltungen mehr, alle meine Auftritte als Speaker wurden abgesagt. Auch ich muss die meisten meiner etwa 60 Mitarbeiter erstmals in Kurzarbeit schicken.

Wie ernst ist die Lage im Bergischen Land?

Heynkes: Äußerst ernst. Diese Krise wird vermutlich auch hier sehr viele Arbeitsplätze und Existenzen kosten.

Was kann oder muss die IHK dagegen tun?

Heynkes: Bei der Stadt gibt es jetzt einen Arbeitskreis, an dem auf meinen Wunsch hin neben der IHK und der Handwerkskammer, auch die städtische Wirtschaftsförderung, der Hotel- und Gaststättenverband, der Einzelhandelsverband, die Arbeitsagentur, das Jobcenter und auch die Sparkasse teilnehmen.

Welche Aufgabe hat der Arbeitskreis sich gegeben?

Heynkes: Es muss vor allem darum gehen, die jeweiligen Unterstützungsmöglichkeiten zu strukturieren, damit es gemeinsam gelingt, die kleinen Betriebe zu betreuen. Mittelständische Unternehmen haben in der Regel gute Steuerberater. Bei den kleinen ist das nicht immer so.

Was genau meinen Sie mit klein?

Heynkes: Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern, Freiberufler oder Solounternehmer sind oft nicht gut informiert und tun sich schwer mit den bürokratischen Hürden, die mit den aktuellen Hilfsprogrammen der Politik verbunden sind. Mir geht es da auch um die Unternehmer mit Migrationshintergrund, hier kommen dann womöglich noch sprachliche Barrieren hinzu. Die werden ohne unsere konkrete Hilfe schon am ersten Formular für die Beantragung von Kurzarbeitergeld scheitern.

Auch die meisten dieser Betriebe sind geschlossen. Wie wollen Sie die Leute denn erreichen?

Heynkes: Wir müssen in den Nahkampf gehen, auf die Straße. Diese Unternehmer sind normalerweise nicht in den üblichen Unternehmernetzwerken wie z.B. „Wuppertal aktiv“ vertreten und deshalb schwerer zu erreichen.

Das macht es aber schwierig...

Heynkes: Ja, aber da müssen wir eben auf die Informationen zurückgreifen, die wir haben, bei den Kammern zum Beispiel oder bei der städtischen Wirtschaftsförderung. Womöglich müssen wir versuchen über die Moscheegemeinden in den Kontakt zu kommen. Wir werden jetzt ungewöhnliche Wege gehen müssen, damit wir möglichst vielen Unternehmern unsere Hilfe anbieten können.

Das Land NRW hat jetzt ein Hilfsprogramm über 25 Milliarden Euro für Firmen ab zehn bis 50 Mitarbeitern angekündigt. Reicht das aus?

Heynkes: Die darin vorgesehene Einmalhilfe von 25 000 Euro ist mit dem Kurzarbeitergeld für einen Zeitraum von vier Wochen eine erste Hilfe. So wie die Hilfen in Höhe von 9 000 beziehungsweise 15 000 für die kleineren Unternehmen. Länger als vier Wochen darf die staatlich verordnete Schließung der Betriebe dann aber auch nicht dauern. Sonst erleben wir eine Insolvenzwelle, wie wir sie noch nie erlebt haben.

Für eine Stadt, für eine öffentliche Behörde ist so eine Krise eine immense Herausforderung. Kann Wuppertal diese Aufgabe meistern?

Heynkes: Ja, aber dazu bedarf es jetzt beachtlicher Führungsqualitäten und Professionalität im Rathaus. Alle Ressourcen der beteiligten Partner müssen zwingend strukturiert und koordiniert werden. Es braucht einfach mehr als eine Moderation des Missstands. Hier sind jetzt der Oberbürgermeister und die Wirtschaftsförderung der Stadt gefordert. Die müssen jetzt liefern, damit wir unsere Hilfen erfolgreich platzieren können.