IHK: Sorgen bereitet die Politik

IHK: Sorgen bereitet die Politik

Die Stimmung in der bergischen Wirtschaft ist weiter sehr gut. Getrübt werden die Erwartungen allerdings bei der stark vom Export abhängigen Industrie durch drohende Handelsbarrieren.

Die Stimmung ist gut, die Auftragsbücher im ersten Quartal 2018 sind gefüllt. „Die bergische Wirtschaft befindet sich weiter in der Hochkonjunktur“, sagt Thomas Meyer, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK). 400 Unternehmen aus dem Bergischen Land mit mehr als 20 000 Beschäftigten nahmen an der Konjunkturumfrage zum 1. Quartal 2018 teil. 42 Prozent bewerten ihre Geschäftslage als gut, 50 Prozent mit befriedigend. Besonders hoch ist die Zufriedenheit im Dienstleistungsgewerbe, wo zurzeit auch der größte Anstieg bei den Investitionen zu erkennen ist. Die Industrie verzeichnet auf hohem Niveau einen leicht rückläufigen Indexwert bei der Geschäftslage, während das Verkehrsgewerbe, der Großhandel und auch der Einzelhandel sich weiter im Aufschwung sehen.

Insgesamt hat sich das Bergische Land schneller als andere Regionen von dem tiefen Absturz in der Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2009 erholt. Dies betrifft vor allem auch die Zahlen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im IHK-Bezirk. Die Arbeitslosenquote in Wuppertal lag mit 8,5 Prozent aber immer noch deutlich höher als im Landesschnitt (7,0 Prozent).

Carmen Bartl-Zorn, bei der IHK zuständig für Aus- und Weiterbildung, über das duale Studium

Allerdings scheint der Höhepunkt der Hochkonjunktur inzwischen überschritten. Sorgen bereitet den besonders stark vom Export abhängigen Wuppertaler Industrieunternehmen (Exportumsatz von 60,2 Prozent) der Wirtschaftkurs von US-Präsident Trump und die dadurch drohenden protektionistischen Handelsbarrieren sowie die Aufkündigung des Iran-Abkommens durch die USA. Davon ist vor allem der Maschinenbau betroffen. Doch es gibt auch Entwicklungen im eigenen Land, die den Optimismus in der bergischen Wirtschaft dämpfen. Die jüngsten Tarifabschlüsse führen zu steigenden Arbeitskosten, die Knappheit an Fachkräften trage nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage ebenfalls zu höheren Löhnen bei, so die IHK. Die Ertragerwartungen für 2018 seien daher nur noch leicht nach oben gerichtet.

„Ob Europa seine Position beim Iran-Abkommen beibehalten kann, wird zum Balanceakt“, sagt der IHK-Präsident. Er sieht auf die Unternehmen mögliche Engpässe bei der Finanzierung von Exportgeschäften zukommen, sollte sich der Konflikt zwischen den Europäern und der USA weiter zuspitzen. „Für die Exporte brauchen wir Banken, die aber in den USA bei einer Finanzierung von Geschäften mit dem Iran verklagt werden könnten“, sagt Thomas Meyer. Viele offene Fragen gebe es auch noch immer zu dem Thema Russland-Sanktionen und dem Brexit — mit oder ohne Ausstieg aus der Zoll-Union.

Positiv stimmt die IHK, dass die Unternehmen ihre Investitionen weiter steigern wollen und zusätzliches Personal einstellen. Meyer warb erneut für eine duale Ausbildung. „Die vielfältigen Chancen, die dieser Weg bietet, müssen wir vor allem in die Köpfe der Eltern bringen“, wünscht sich auch Carmen Bartl-Zorn, die bei der IHK für die Aus- und Weiterbildung zuständig ist. In Wuppertal habe sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt deutlich verbessert. Ziel sei es, die noch freien Stellen zu besetzen. Einen gravierenden Fachkräftemangel hat die IHK vor allem im Gastgewerbe ausgemacht. Acht von zehn Gaststätten und Hotels nennen steigende Arbeitskosten als Risikofaktor für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Zugleich beklagt fast jedes zweite Unternehmen einen Mangel an Fachkräften.