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IG Metall kündigt Protest am Wuppertaler Werk von Schaeffler an

Kundgebung : Am Werkstor protestieren Mitarbeiter und IG Metall

Aus Sorge vor einer Werksschließung wird es am Mittwoch eine Kundgebung geben.

Die IG Metall Wuppertal hat für Mittwoch, 16. September, ab 14 Uhr eine Protestkundgebung vor dem Werkseingang von Schaeffler Technologies an der Mettmanner Straße 79 angekündigt. Die Schaeffler Gruppe mit Sitz in Herzogenaurach hatte in der vergangenen Woche über einen geplanten Nettoabbau von rund 4400 Stellen in Deutschland und Europa informiert und über eine mögliche Schließung des Wuppertaler Werkes öffentlich spekuliert. Das löste in Wuppertal Empörung aus.

„Wir werden um das Werk in Wuppertal kämpfen. Die Schließung scheint von langer Hand geplant, der Arbeitgeber hat den Standort kaputtgefahren“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Özgür Ecevit Sönmezcicek. Von den Plänen zum Personalabbau hätten viele seiner Kolleginnen und Kollegen erst aus den Medien erfahren. „Wir richten unsere Bitte an die Familie Schaeffler, in Gespräche mit dem Vorstand zu gehen und sich für den Erhalt des Werkes einzusetzen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende.

Clarissa Bader, Geschäftsführerin der IG Metall Wuppertal: „Die Beschäftigten und die IG Metall akzeptieren eine mögliche Schließung des Werks in Wuppertal nicht. Darum werden wir auf dem Aktionstag ein klares Signal ans Unternehmen senden: Die Beschäftigten wehren sich und fordern Perspektiven für ihre Zukunft“. Die Kundgebung in Wuppertal ist Teil eines bundesweiten Aktionstages der IG Metall an allen Schaeffler-Standorten.

In Wuppertal wird nichts für die Automobilindustrie gebaut

Özgür Ecevit Sönmezcicek hat den Verdacht, dass die Corona-Pandemie und die Probleme der Autozulieferer als Vorwand benutzt werden, um Arbeit und Arbeitsplätze nach Rumänien zu verlagern. „Es geht um insgesamt 850 Arbeitsplätze im Werk, darunter 700 in der Produktion. Außerdem hängen über die Zulieferer weitere Arbeitsplätze von unserem Standort ab“, sagt Sönmezcicek. In Wuppertal würden keine Teile für die Automobil-Industrie hergestellt, daher sei die Strukturkrise der Branche kein Argument für einen Abbau von Arbeitsplätzen in Wuppertal. „Wir sind ein Bahn-Spezialist“, so der Betriebsratsvorsitzende.

Die Belegschaft sei bereit, konstruktive Gespräche mit der Unternehmensleitung zu führen. Schon in den vergangenen Jahren seien die Mitarbeiter dem Arbeitgeber bei Leistungslöhnen, Arbeitszeiten und Eingruppierungen sehr weit entgegengekommen. Entsprechend groß sei nun der Frust über das drohende Aus des Werkes in Wuppertal. „Ein Umzug nach Schweinfurt wäre nur für ganz wenige Mitarbeiter eine Alternative“, ist Özgür Ecevit Sönmezcicek überzeugt.

Oberbürgermeister Andreas Mucke hatte sich mit dem Betriebsrat von Schaeffler in Verbindung gesetzt. „Ich bin empört und will darüber ein Gespräch mit Schaeffler führen. Nicht mit der Werksleistung, sondern mit der Unternehmensleitung in Herzogenaurach“, kündigte Andreas Mucke an. In schlechter Erinnerung ist ihm der Abbau von Arbeitsplätzen an der Müngstener Straße vor zwei Jahren geblieben. „Schaeffler bezeichnet sich als Familienbetrieb. Wenn man von Familie spricht, erwarte ich einen respektvolleren Umgang mit den Mitarbeitern.