Beratung für Wuppertaler Familien: „Ich sehe mich als Dolmetscher des Kindes“

Beratung für Wuppertaler Familien : „Ich sehe mich als Dolmetscher des Kindes“

Dorothee Döring bietet Eltern und Kindern Beratung für die Erziehung und Hilfen an.

Der kleine Junge entwickelt fast reflexartig Wutausbrüche, wenn der Vater nach Hause kommt und Ordnung verlangt. Die perfekte Vorzeige-Mutter kommt an ihre Tochter nicht mehr heran. Die Alleinerziehende ist in andauerndem Zeitstress, ihr Kind empfindet sich als Belastung. Drei Beispiele sind das für familiäre Konfliktsituationen, die Dorothee Döring aus ihrer Beratungsarbeit kennt, und für die sie gemeinsam mit Betroffenen nach praktischen Lösungsansätzen sucht. „Mona – Eltern Kind Beratung“ hat sie ihr Angebot genannt, das sich über die Jahre entwickelt hat, wie sie erzählt, und bei dem es auch und vor allem um das Thema Sichtbarkeit geht: „Ich bin ein mittleres von sechs Kindern und habe sehr lange gebraucht, um mich zu finden. Deshalb geht es mir darum: Wie finde ich mich, worin finde ich mich? Es geht um Fragen der Identität.“

Die gelernte Erzieherin hat sich von jeher für Kinder interessiert, wie sie berichtet, „aber ich stellte fest, dass Gruppen weniger mein Thema sind, sondern der Einzelne“. Schon früh habe sie sich daher auch psychologisch ausbilden lassen, Fortbildungen absolviert und viel gelesen. Sie beschäftigte sich außerdem sehr mit Astrologie. „Dann habe ich den Sprung gewagt, etwas ganz anderes zu machen“. Das war zunächst nicht die Beratung, sondern ein Beruf, der ebenfalls mit Nähe zu tun hat: „Ich wurde Visagistin, da geht es um Berührung, man kommt Leuten buchstäblich näher“, berichtet Döring, die aus dem Bergischen stammt und vor allem im Kölner Raum und beim Fernsehen tätig ist.

Viele kleine
Störungen im Alltag

Die Menschen, darunter zahlreiche Prominente, hätten ihr dabei häufig aus dem Leben erzählt: „Wie sie zu sich gefunden haben, zum Beispiel, über Kunst oder die Bühne.“ Dabei stand das Thema Sichtbar-werden oft im Raum, über die Gespräche entwickelten sich Kontakte. „Und ich habe gemerkt, dass ich ein Talent dafür habe, sehr schnell zu erspüren, worum es dem Jeweiligen geht.“ Seit 2008 intensivierte sie die Beratung, Erziehungshilfe steht dabei häufig im Mittelpunkt, „weil sich im Alltag unglaublich viele kleine Störungen ergeben können.“

Den Anfang mache für gewöhnlich ein telefonisches Erstgespräch, „dann kommt die Mutter zu mir – denn meistens sind es die Mütter – oder ich gehe in die Familie. Manche wollen einfach nur wissen: Wie ist mein Kind? Aber die meisten kommen mit einem konkreten Anliegen, haben ein Problem und wollen wissen: Was kann ich tun? Da biete ich dann praktische Lösungsschritte an.“

Kostenlose
Gesprächsabende

Der kleine Junge mit den Tobsuchtsanfällen beispielsweise sei viel ruhiger geworden, seit sich sein Vater als erstes eine halbe Stunde Zeit nehme, um mit ihm zu spielen, statt Aufräumen zu fordern. Die Vorzeige-Mutter und ihre Tochter lernten sich besser kennen, und im Fall der Alleinerziehenden sei ein Ansatz gewesen, der Mutter durch Haushaltshilfen mehr Freiräume und damit Zeit fürs Kind zu verschaffen.

Ihre Arbeit sei eine Mischung aus Beratung, Erziehungshilfe, aber auch ein Stück weit Coaching, sagt Döring, selbst Mutter eines mittlerweile 30 Jahre alten Sohnes, „je nachdem, was das Anliegen ist“. Zuweilen helfe es auch, schlicht Kontakte zu anderen helfenden Stellen zu vermitteln. Döring geht zudem in Kinder- und Jugendeinrichtungen, wie sie betont: Auch Wuppertaler Schulen könnten sich dazu bei ihr melden, sie biete kostenfreie Gesprächsabende an. „Ich gehe in Kindergärten und Schulen oder zu Elternabenden und suche mir ein Thema, über das sich dann ein Gespräch entwickelt. Zum Beispiel: Wie erkenne ich die Talente und Fähigkeiten meines Kindes? Wie gelingt es mir, mein Kind in den Raum zu stellen? Wie kann ich die Bedürfnisse meines Kindes auch im Kleinkindalter ablesen? Oder: Wie bereite ich mich auf die Elternschaft vor?“

Sichtbar werden ist
schwierig für junge Menschen

Als junger Mensch sichtbar zu werden in der heutigen Welt ist ebenso wenig eine Kleinigkeit, wie Vater oder Mutter zu sein. „Ich sehe mich als Dolmetscher des Kindes“, sagt Döring, „und bin sozusagen beauftragt, eine Brücke zu bauen: Das Ziel ist zu schauen, wie jeder zu seinem Recht kommt.“

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