Hunderte protestieren gegen Forensik-Pläne (mit Video)

Hunderte protestieren gegen Forensik-Pläne (mit Video)

An der Kleinen Höhe sagten am Dienstag zahlreiche Wuppertaler und Velberter ihre Meinung zum Thema Forensik.

Wuppertal. Hochbetrieb am WZ-Mobil an der Nevigeser Straße: Mehr als 500 Menschen sind am Dienstagnachmittag zur Kleinen Höhe an der Stadtgrenze gekommen, um über die Pläne für eine forensische Klinik auf dem seit Jahrzehnten umstrittenen Grünstreifen zu diskutieren.

Zwischenzeitlich musste die Polizei den Verkehr in Höhe des Schevenhofer Wegs regeln, und neben Radio Wuppertal nutzte auch der WDR die WZ-Aktion, um mit betroffenen Bürgern zu sprechen.

Etliche Wuppertaler hatten Schilder, Transparente und Unterschriftenlisten dabei, um ihrem Unmut Luft zu machen und forderten Transparenz seitens der Stadt und der Landesregierung. „Es kann nicht sein, dass man uns Bürger wieder einmal vor vollendete Tatsachen stellt“, hieß es in den Wortmeldungen immer wieder.

Die WZ war mit sieben Mitarbeitern vor Ort, um möglichst viele Meinungen einzufangen. Etliche Eltern waren außerdem mit ihren Kindern zur Kleinen Höhe gekommen — und das weit über die Nachbarschaft am Katernberg hinaus. Die Autos stauten sich die Nevigeser Straße hinauf.

Jenseits aller Blechlawinen gab es auch mit Blick auf die Kleine Höhe Klartext: „Vor neun Jahren bin ich mit meiner Familie extra hierher gezogen. Aber wenn eine Forensik hierhin kommt, dann können die Kinder nicht mehr in den Wäldern spielen. Sie wachsen mit Angst auf“, sagt Tanja Habmann (37). „Außerdem gibt es hier eine Jugendpsychiatrie, in der sexuell missbrauchte Kinder leben. Die müssen dann gegenüber Tätern wohnen.“ Habmann hat die Elterninitiative „Keine Forensik in Wuppertal“ mit gegründet und sammelt Unterschriften.

Rudolf Stande (72) wohnt seit 19 Jahren am Schevenhofer Weg: „Die Stadt ist ohnehin schon belastet. Eine weitere Einrichtung wäre schädlich. Deshalb sollten die Stadtteile geschlossen auftreten.“ Der 8-jährige Nick geht zur Grundschule Birkenhöhe. Und auch er macht sich Sorgen: „Wir wollen hier in Ruhe spielen und haben Angst.“

Auch viele Lichtscheider sind zur Umfrage gekommen. „Wir sind aus Solidarität hier“, sagen Cordula Uebing (48) und Brigitte Weber. „Am Montag treffen wir uns um 16 Uhr auf dem Rathaus-Vorplatz.“ Linda Sandt (27) ist der Meinung, dass das Naherholungsgebiet bestehen bleiben soll: „Die letzten Grünflächen dürfen nicht bebaut werden. Hier zieht doch keiner mehr hin, wenn die Forensik steht.“

Aber auch Befürworter einer Forensik kamen zur Umfrage: „Irgendwo müssen die Menschen doch behandelt werden.“

Auch in Leserbriefen und Mails erreichen etliche Meinungen die WZ-Redaktion: „Es ist für mich als Bürger immer schwerer, die Entscheidungen der Politik nachzuvollziehen“, schreibt zum Beispiel Marcel Maschlanka: „Zumal sollte berücksichtigt werden, dass wir mit der JVA Simonshöfchen und dem neuen Jugendgefängnis bereits Einrichtungen in dieser Form stellen.“

Yvonne Schniewind sieht in ihrem Leserbrief eine akute Gefahr für Anwohner und vor allem Kinder und Jugendliche — „aufgrund des Anrechts auf Freigang“. Und das kam auch bei der WZ-Umfrage immer wieder zur Sprache, nicht zuletzt mit Blick auf Schulen, Kindergärten und Pflegeeinrichtungen im Umkreis. „Wer übernimmt eigentlich das Risiko?“, wollte eine Teilnehmerin wissen.

Auf das Thema Freigang angesprochen, verwies die Stadt auf WZ-Nachfrage am Dienstag nur auf eine Telefon-Hotline des Landes: Informationen zum Regelbetrieb einer forensischen Klinik habe die Verwaltung derzeit nicht.

„Wir brauchen im Raum Uellendahl / Katernberg keine Forensik, sondern endlich vernünftige Einkaufsmöglichkeiten“, bringen es dagegen Gunhild und Wolfgang Stock von der Birkenhöhe für sich auf den Punkt.

Die Landwirte erinnern sich unterdessen an ihren Sommer-Empfang, bei dem Ende Mai auch Oberbürgermeister Peter Jung begrüßt und vor „Flächenfraß“ gewarnt wurde. Daran habe sich nichts geändert, erklärt Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, auf WZ-Nachfrage: Die Kleine Höhe sei der denkbar „ungeeignet-ste Bauplatz“ — für Gewerbebetriebe, Wohnhäuser oder eine Forensik gleichermaßen. Zudem sei zu befürchten, dass weitere Ansiedlungen folgen.

Und die auf der Kleinen Höhe angepeilten Windkraftanlagen? Nach WZ-Information läuft deren Planung weiter. Die Stadtwerke gehen auf Nachfrage davon aus, dass der Standort auch beim Bau einer Forensik für einen Windpark genutzt werden kann.

Mehr von Westdeutsche Zeitung