Hundebiss in Wuppertal: 50 tote Rehe im Jahr

Forst : Hundebiss: 50 tote Rehe im Jahr

Jäger finden immer mehr gerissene Tiere. Nicht angeleinte Hunde werden im Wald zum Problem.

Wildernde Hunde sind in Wuppertals Wäldern ein wachsendes Problem. Im Jagdjahr 2018/19 zählte die hiesige Jägerschaft 335 tote Rehe, bei mindestens 52 müsse davon ausgegangen werden, dass wildernde Hunde die Todesursache waren, berichtet Walter Ramm, Jagdberater der Stadt. „Diese Zahl ist massiv angestiegen“, sagt er. Karl Bröcker, Vorsitzender des Jagdbeirats in Wuppertal, schätzt die Zahl der Risse sogar auf mehr als 100 in einem Jagdjahr. „Die Dunkelziffer ist einfach sehr hoch“, sagt Bröcker. Erst vor zwei Wochen fanden Jäger erneut ein zerbissenes Reh im Waldgebiet südlich von Schöller im Wuppertaler Westen. „Das Reh hatte noch zwei Kitze im Bauch. Als es gefunden wurde, war es schon tot“, sagt Bröcker.

Jäger Bröcker: zehn bis 20 Prozent der Halter sind unbelehrbar

„Die Hunde im Wald sind ein riesiges Problem“, stellt der Jäger fest. Schuld seien fast immer die Halter, die ihre Tiere ohne Leine durch den Forst toben lassen. „Die allermeisten sind ja vernünftig, aber zehn bis 20 Prozent der Halter sind militant unbelehrbar“, sagt Bröcker. Auf seinen Runden durch den Wald habe er schon vieles erlebt. Herrchen, die beim Waldspaziergang von nicht angeleinten Kampfhunden begleitet werden, oder Menschen, die mit ihren Tieren querfeldein durchs Unterholz marschieren. Sein Sohn sei schon unvermittelt von einem Hund in die Hand gebissen worden.

Dabei gelten im Wald klare Spielregeln. Hunde dürfen lediglich auf Waldwegen frei laufen - nicht abseits. Die Stadt mahnt dabei gegenseitige Rücksichtnahme an, wenn sich andere Spaziergänger gestört fühlen: „Den Grad der Belästigung bestimmt in diesem Fall nicht der Hundebesitzer, sondern derjenige, der sich von einem Hund und dessen Verhalten gestört fühlt.“ In Wuppertals Naturschutzgebieten müssen Hunde jederzeit an der Leine geführt werden. Gleiches gilt generell für Hunde, die nach dem Landeshundegesetz als „gefährlich“ gelten.

Unabhängig von der Anleinpflicht müssen Halter ihre Tiere im Wald im Blick behalten. Denn: Als „wildernde Hunde“ gelten laut Stadt im Zweifel alle jene, „die im Jagdbezirk außerhalb der Einwirkung ihres Halters Wild aufsuchen, verfolgen oder reißen“.

Dafür kann die Forstbehörde Bußgeld verteilen. Das reine Nichtanleinen kostet 25 Euro, das Hetzen von Wild und die Gefährdung von Waldbesuchern bereits 125 Euro. Das „Reißen von Wild“ wird mit 250 Euro geahndet. Diese Strafen werden allerdings sehr selten ausgesprochen. „Als Jäger sind wir allein unterwegs“, sagt Bröcker. Daher halte man sich mit Anzeigen zurück und setze lieber auf das konstruktive Gespräch. Auch wenn die Jäger dafür immer mal wieder angefeindet werden würden.

Menschen, die ihre Tiere im Wald sich selbst überlassen, müssen nicht nur mit Geldstrafen rechnen, sondern setzen ihren treuen Gefährten auch der Gefahr aus, erschossen zu werden. Das Jagdgesetz erlaubt nämlich das Töten von wildernden Hunden. Jäger Karl Bröcker sagt: „Das ist ein allerletztes Mittel. Ich persönlich würde das nicht tun.“ In Einzelfällen sei das in Wuppertal allerdings vor Jahrzehnten schon vorgekommen.

Laut Jagdberater Ramm wird die Rehpopulation im Stadtgebiet auf 1000 Tiere geschätzt. 71 Rehe starben im vergangenen Jagdjahr im Straßenverkehr. Sebastian Rabe, Leiter der Abteilung Forsten der Stadt, sagt: „Manchmal steckt auch in diesen Fällen ein Hund dahinter, der die Tiere auf die Straße getrieben hat. Wir wissen, dass das passiert, haben im Einzelfall aber keine Beweise.“ Besonders im stadtnahen Wald - im Bereich von Innenstadt und Südhöhen, wo die Stadt Wuppertal selbst für den Forst zuständig ist - ist und bleibt das Aufeinandertreffen von Hund und Wild ein Schwerpunktproblem.

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