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Hospizdienst will mehr Bewusstsein für Demenz schaffen

Neue Angebote : Hospizdienst will mehr Bewusstsein für Demenz schaffen

Interessierte im Verein sollen unter anderem zu Demenzlotsen ausgebildet werden.

Der ältere Herr steht frühmorgens etwas verloren an der menschenleeren Haltestelle. Bis der nächste Bus kommt, wird es aufgrund einer Verspätung noch lange dauern. Doch der Senior hat keinen Blick für den geänderten Fahrplan und wartet einfach weiter in der Kälte. Die vorbeigehenden Passanten nehmen von ihm keine Notiz, schließlich ist die Szene alles andere als auffällig. Dabei bräuchte der frierende Mann mittlerweile Hilfe, denn er leidet an Demenz. Die Unterbrechung seiner Morgenroutine durch den ausgefallenen Bus überfordert ihn. Jetzt wäre Unterstützung gefragt.

Gutes Zureden hilft schon
viel bei Demenzkranken

„Dafür muss das Problem aber erst einmal erkannt werden“, erklärt Christel Brinkmann vom Christlichen Hospizdienst im Wuppertaler Westen. Sie hat genau diese Situation schon erlebt und die entsprechenden Signale richtig gedeutet. „Mit etwas gutem Zureden konnte ich den Herrn dazu bewegen, in seine warme Wohnung zurückzukehren und einen späteren Bus zu nehmen“, berichtet die Koordinatorin des Vereins. Das Beispiel ist typisch für viele Demenzverläufe. Bei dieser Erkrankung beginnt der Prozess schleichend und oftmals für Außenstehende unbemerkt. Die Betroffenen können irgendwann ihren Alltag nicht mehr richtig bewältigen, setzen aus Scham und Angst aber alles daran, dies so lange wie möglich zu verbergen. „Für Angehörigen ist das mit einer hohen Belastung verbunden und oftmals wissen sie nicht, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt“, erläutert Christel Brinkmann. Dem möchte der Hospizdienst mit einem neuen Angebot in den Stadtteilen Vohwinkel und Sonnborn begegnen. „Uns geht es darum, im ersten Schritt ein stärkeres Bewusstsein für das Thema im Stadtteil schaffen“, so Brinkmann. Jeder könne im eigenen Umfeld andere unterstützen, etwa bei der Orientierung im Supermarkt. Außerdem sollen Interessierte im Verein zu sogenannten Demenzlotsen ausgebildet werden. Das könnten etwa Beschäftigte von Läden oder Arztpraxen sein, die viel Kontakt mit Menschen haben. Sie lernen, wie sich eine Demenzerkrankung erkennen lässt und welche Hilfsmöglichkeiten bestehen. „Da gibt es leider noch viele Unsicherheiten, daher ist uns eine kostenlose Beratung sehr wichtig“, betont Christel Brinkmann. Diese richtet sich natürlich auch an die Angehörigen der Betroffenen. Das Interesse bei einem ersten Tag der offenen Tür zum Thema war bereits groß. „Wir merken, dass es hier einen großen Bedarf gibt“, sagt Tobias Hahn, zweiter Vorsitzender des Hospizdienstes. Auch er hat durch seine Arbeit als Zahnmediziner regelmäßig mit demenzkranken Patienten zu tun. „Die Fallzahlen steigen, da die Menschen immer älter werden“, so Hahn. Entsprechend wichtig sei es, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Der Christliche Hospizdienst im Wuppertaler Westen begleitet schon seit knapp 15 Jahren sterbende Menschen und ihre Angehörigen auf ihrem letzten Lebensweg. Dafür wird eine umfassende Hospizhelferausbildung angeboten. Auch dabei spielt der Umgang mit Demenzerkrankungen eine wichtige Rolle. Mehr Infos unter:

www.christlicher-hospizdienst.de