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Hooligan-Einsatz in Sonnborn: 70 Polizei-Novizen im Stresstest

Hooligan-Einsatz in Sonnborn: 70 Polizei-Novizen im Stresstest

Wie sich die Polizei auf Problemspiele in Wuppertal und anderswo vorbereitet.

Sonnborn. Jede Menge Polizisten und gröhlende Fans: Wer in Sonnborn zwischen Bahnhof und Zoostadion wohnt, ist einen solchen Anblick gewohnt. Wenn der Wuppertaler SV gegen seine Erzrivalen antritt, bedeutet das für die Polizei Alarmstufe 1. Und das wurde am Mittwochmorgen in Sonnborn ziemlich echt und großflächig geübt. 70 Bereitschaftspolizisten, die Anfang September mit ihrer Ausbildung begonnen haben, übten dabei den Ernstfall.

Der beginnt auf dem Sonnborner Bahnsteig. Dort steigen um 9.19 Uhr die „Fans“ aus. Dabei handelt es sich um etwa 50 erfahrene Bereitschaftspolizisten. Denen — ausstaffiert mit Sonnenbrillen, Kapuzenpullis und Handschuhen — macht es sichtlich Spaß alles das auszuleben, was sie bei zahlreichen Einsätzen in und rund um deutsche Fußballstadien regelmäßig erleben müssen: Pöbeleien, Provokationen und abgefackelte Bengalos — dazu die Bierflasche am langen Arm und der obligatorische Stinkefinger.

Für die übenden Polizei-Novizen der erste Stresstest von vielen. Es geht darum, den Pulk ohne Zwischenfälle vom Bahnsteig weg in Richtung zum Stadion zu geleiten. Dazu sind sämtliche Stichstraßen mit behelmten Polizisten und querstehenden Mannschaftswagen blockiert. Immer wieder gibt es Einlagen: Einer der Fanschauspieler wird handgreiflich — ein Stoßtrupp muss ihn sicher aus dem Tumult bringen.

Vor allem an Engpässen wird trainiert. Der Tunnel unterm Sonnborner Ufer zum Stadion ist so ein Nadelöhr. Dort wird ein Böller gezündet, Hooligans verschwinden im Unterholz, wollen eine andere Fangruppe aufmischen. Das gilt es zu verhindern. Stress pur. Vor dem Einlass wird das Szenario „Stürmen des Kassenhäuschens“ simuliert. Dazu sind aus dem Stadion lautstarke Fangesänge zu hören. Der ganz normale Fußballwahnsinn als Übung — nur das die nervige Geräuschkulisse an diesem Mittwochmorgen vom Band kommt.

Im Stadion selbst steht dann unter anderem noch die Übung „Stürmen des Platzes“ auf dem Programm. Auch das gehört in der Realität mittlerweile zum Polizeialltag.

Den Übenden wird auch von Außen Druck gemacht. Die Abläufe müssen stimmen, der Überblick darf auch im größten Chaos nicht verloren gehen. „Die müssen endlich mal mitdenken“, lautet ein bissiger Kommentar. „Es geht darum, dass die noch unerfahrenen Kollegen die Örtlichkeit kennenlernen und das Adrenalin spüren“, sagt Polizeisprecher Alexander Kresta, der selbst oft genug bei Fußballeinsätzen in der ersten Reihe stehen musste.

Die Übungsleitung ließ am Mittwoch viele Fotos machen und den „Fußballeinsatz“ filmen. „In den nächsten Tagen wird das Material ausgewertet und Fehler analysiert“, sagt Martin Nitschke von der Bereitschaftspolizei. Kein Wunder: Der nächste Realeinsatz an Ort und Stelle steht bevor: Am Samstag, 24. November, wird das Fußballderby zwischen dem Wuppertaler SV und RW Essen im Stadion am Zoo ausgetragen. Am Spieltag dürften allein aus Essen mehrere tausend Fans nach Sonnborn reisen. Und wahrscheinlich werden sich nicht alle zu benehmen wissen.