Hohenstein-Schüler treffen sich jetzt vor dem Unterricht

Hohenstein-Schüler treffen sich jetzt vor dem Unterricht

Mit dem Schülercafé bieten die Schulsozialarbeiterinnen die Möglichkeit zum zwanglosen Austausch an.

EIlias (12) und Hogir (13) kommen jeden Morgen. Dann können sie sich unterhalten und „vor einer Arbeit noch mal entspannen“. So wie die beiden kommen täglich etwa 20 junge Besucher ins Schülercafé der Realschule Hohenstein. Initiiert haben den Treffpunkt vor Schulbeginn die Schulsozialarbeiterinnen Ardita Tupella und Laura Hoffmann.

„Wir sind Stammgäste“, sagen Ilias und Hogir selbstbewusst. Pünktlich um 7.30 Uhr sind sie zur Stelle. Zu essen bringen sie selbst mit, Getränke holen sie sich im Café: im Winter gern heißen Kakao, an wärmeren Tagen Eistee.

Auch eine Gruppe Mädchen ist regelmäßig zu Gast. „Weil man hier Quatschen kann“, sagt Jessica. Den anderen fallen noch weitere Gründe ein: Weil sie im Warmen sitzen, weil die Getränke billig sind - „Schokostreusel sind umsonst!“, wirft Stella mit Blick auf die Verzierung auf der Kakaosahne ein. Auch Hausaufgaben werden hier manchmal noch kurz besprochen.

Hinter dem Café-Angebot steckt aber mehr als Geselligkeit: „Wir wollten mehr Kontakt zu den Schülern“, erklärt Schulsozialarbeiterin Laura Hoffmann. „Zudem wollten wir die Schule als Ort freundlicher gestalten. Hier soll es nicht nur Unterricht, sondern auch Schönes geben.“ Ihre Kollegin Ardita Tupella erklärt: „Wir wollen, dass die Kinder uns anders kennenlernen.“

Schulleiterin Susanne Zak hat die Idee bereitwillig aufgegriffen. „Dies ist ein Ort ohne Bedingungen“, erklärt sie. „Ich muss mich nicht melden, sondern kann entspannen.“ Auch Lehrer kämen ab und zu: „Es ist einfach nett.“

Das Café ist ein heller Raum im Altbau der Schule, durch die großen Fenster fällt viel Licht. Die Wände sind gelb und orange, der Fußboden grün. Mittags gehört der Raum zur nebenan liegenden Mensa, vor Schulbeginn dient er als Schülercafé - große Investitionen waren nicht nötig.

Getränke gibt es an einer improvisierten Bar, an der zum Beispiel Fontaine (11) und Samer (11) bedienen. Denn die Einbeziehung der Schüler gehört ebenso zum Konzept. „Wir haben Kakao, Bananenmilch, Vanillemilch, Erdbeermilch und verschiedene Eistees“, kann Samer ganz professionell anbieten. Der Renner zurzeit ist ein Mix verschiedener Eistee-Sorten, genannt „Megamix“. Alles wird zum Selbstkostenpreis abgegeben, besorgt hat die Getränke Ardita Tupella. „Die Schüler sagen mir, was wir brauchen“, erklärt sie.

Seit Beginn des Schuljahres gibt es das Angebot. Und die Sozialarbeiterinnen bemerken, dass ihr Konzept aufgeht. Die Kinder erzählten von ihrem Alltag, besonders nach dem Wochenende gebe es immer viel zu berichten. „Für uns ist es schön, so mit den Kindern in Kontakt zu kommen“. sagt Ardita Tupella. Dazu trägt auch Schulhund Pamina bei, Laura Hoffmanns Border Collie, der bei den Kindern sehr beliebt ist. „Hier dürfen die Schüler auch einfach mal Dampf ablassen“, sagt Laura Hoffmann. „Danach kann man dann darüber reflektieren“, ergänzt ihre Kollegin.

Schulleiterin Susanne Zak sagt: „Die Sozialarbeiterinnen sind hier in einer anderen Rolle. Sie gehören einfach dazu und sind nicht nur jemand, zu dem man geht, wenn es Probleme gibt.“ Für die sind die beiden trotzdem da. Das reicht vom Streit unter Schülern über Stress mit einem Lehrer bis zu schwerwiegenden Problemen in der Familie. Nach dem lockeren Kontakt im Café ist der Schritt, sie um Hilfe zu bitten, viel kleiner.

„Wir haben gemerkt, dass Prävention ganz wichtig ist“, betont Susanne Zak. „Ohne die Schulsozialarbeit hätten wir sicher mehr und gravierendere Probleme.“

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