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Hohe Haftstrafen für den „König“ und seine Mitarbeiter

Urteil : Hohe Haftstrafen für den „König“ und seine Mitarbeiter

Der Mann (37), der in der Szene als König vom Berliner Platz bekannt war, wurde wegen Drogenhandels zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Seinen Geschäftspartner verurteilte das Landgericht zu acht Jahren, drei weitere Angeklagte erhielten Strafen zwischen vier Jahren drei Monaten und sechs Jahren neun Monaten.

Die fünf Angeklagten, 37 bis 53 Jahre alt, waren an einem weit reichenden Drogenhandel beteiligt, mit dem mehrere 100 Kilo Marihuana nach Wuppertal und in Umlauf gebracht wurden. Dabei sei der Titel „König“ eigentlich nicht angemessen, so der Vorsitzende Richter, es habe sich vielmehr um ein professionelles Team gehandelt. „Da hatte jeder seine Aufgabe.“ Der „König“ (37) und ein 38-Jähriger seien die organisations- und durchsetzungsstarken Führungspersönlichkeiten gewesen.

Der 38-Jährige war zunächst Abnehmer des „Königs“, später stieg er ins Geschäft ein. Weil beide Helfer mitbrachten, sei daraus eine „Bande“ entstanden, so der Vorsitzende Richter. Sie agierten hochprofessionell, kommunizierten über verschlüsselte Handys, das Geld wurde per Hawala-System über Vertrauenspersonen und Codes transferiert. Bei Kurierfahrten fuhr jeweils ein Auto voraus, um vor möglichen Polizeikontrollen zu warnen.

Aus Spanien wurde Marihuana in Größenordnungen von 80 und 100 Kilo eingeschmuggelt, in Lkw zwischen Ware oder auf der Rückbank von Pkw unter einer Decke versteckt. In Wuppertal und in anderen Städten wurde die Droge an weitere Zwischenhändler verkauft. Zum Tatkomplex gehörte auch der Kauf vom 25 Litern Amphetaminöl in den Niederlanden, das anschließend teils weiterverkauft, teils zu Amphetaminpaste verarbeitet wurde.

Die Polizei hatte die Angeklagten und weitere Verdächtige nach langer Beobachtung im September 2019 festgenommen. Ihr gelang damit ein entscheidender Schlag gegen die Drogenszene in Oberbarmen. Weitere Personen sind bereits wegen Beteiligung an den Drogengeschäften verurteilt worden. Nach Angaben von Wolf-Tilman Baumert, Sprecher der Staatsanwaltschaft, hat sich der Drogenhandel im Bereich Oberbarmen stark beruhigt.

Der entscheidende Schlag gelang nach der Überwachung einer Drogenfahrt, bei der 200 Kilo Marihuana nach Wuppertal gebracht werden sollten. Im Kurierfahrzeug fanden die Beamten einen so großen Rucksack mit Drogen, dass die Rückbank des Autos zurückgeklappt werden musste, hatte damals Baumert berichtet.

Gleichzeitig mit der Beschattung der Schmuggelfahrt durch mehrere Länder hatte die Polizei in Wuppertal Wohnungen durchsucht und einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Außerdem wurden ein sechsstelliger Betrag Bargeld, ein Revolver und eine Pistole sowie rund 110 Kilogramm Marihuana und Haschisch, Goldmünzen und hochwertige Uhren gefunden.

Die Angeklagten erhielten zum Teil Strafnachlass, weil sie umfassend ausgesagt haben, ihre Angaben eine große Hilfe bei den Ermittlungen waren. „Die Botschaft muss sein: Wer aussagt, bekommt Rabatt“, erklärte der Vorsitzende Richter. Die beiden Hauptangeklagten dürfen eine Drogentherapie absolvieren, müssen aber zunächst zweieinhalb beziehungsweise zwei Jahre ins Gefängnis.