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Hör ma: Wuppertal - hier werden Sie geholfen!

Hör ma: Wuppertal - hier werden Sie geholfen!

Jürgen Scheugenpflug ist Wuppertaler Kabarettist und Leiter der Kabarett-Academy. In seinem satirischen Wochen-Rückblick kommentiert er Ereignisse aus dem Stadtleben.

Jetzt schlägt es aber dreizehn. Wuppertal liegt also imRuhrgebiet? Und wer hat’s erfunden? Nein, nicht die Schweizer, sonderndie Forsa, jene umstrittene Gesellschaft für Sozialforschung undstatistische Analyse mit höchst variierenden Umfrageergebnissen.

DiesesInstitut steht in dem Ruf, gelegentlich tendenziös zu demoskopieren,was den Übergang von Meinungsforschung zu Meinungsbildung fließendmacht. Null problemo, solange Daten zu eher untergeordneten Themen wiePrivater Pflegeversicherung, Studiengebühren oder Wahlprognosen erhobenwurden. Nun aber verschätzt sich Forsa an unserem Wuppertal.

Nicht,dass wir das noch nie gehört hätten. Wuppertaler werden häufig inDeutschen Landen damit konfrontiert, Ruhrgebietler zu sein. Hier istdann die typische Wuppertaler Gelassenheit gefragt, um dengeographischen Irrtum zu revidieren. Und die beiden obligatorischenAntworten zu geben, dass außer dem Elefanten Tuffi noch kein anderesTier aus der Schwebebahn fiel und selbige tatsächlich mit den Rädernnach oben die Bergische Stadt durchkreuzt. Würde sie auf der anderenSeite der Erdkugel, also in Australien verkehren, hätte alles seineOrdnung! Und Ordnung muss sein.

Während eines Auftrittsals Kabarettist wurde ich beinahe im vergangenen Jahr wegen Erregungöffentlichen Ärgernisses vom Wormser Publikum gelyncht. Mein Fauxpas,zudem unbeabsichtigt und damit nicht Programmteil, war, die Wormser fürPfälzer zu halten. Die richtige Antwort wäre Rheinhessen gewesen, denndie Grenze zwischen den beiden Landstrichen verläuft etwa fünfKilometer von der alten Kaiserstadt entfernt.

Ich habe Worms nochfluchtartig in derselben Nacht verlassen und geschworen, nie wiederüber die Zugehörigkeit einzelner Völkergruppen und Stammesverbände vonEingeborenen zu spekulieren, sondern das der Forsa zu überlassen.

Wuppertalhat traditionell vieles zu ertragen. Böse Zungen behaupten, das Bestean der Stadt sei die A 46 nach Düsseldorf. Noch bösere Zungenbehaupten, Wuppertal habe deshalb so viele Autobahn-Auf- und Abfahrten,damit mehr Fluchtwege zur Verfügung stehen. Solche verbalenEntgleisungen schaffen keine Freunde.

Aber, liebe Wuppertaler, es gibtHoffnung. Denn wenn das mit der globalen Klimaerwärmung so weiter geht,plätschern schon bald die Wellen der Nordsee bei Haan-Ost. WuppertalerKinder stehen mit ihren Lehrern auf der Engelshöhe und schauen über dasRuhrgebiet und in Richtung Düsseldorf, das längst in den Flutenversunken ist wie einst das sagenumwobene Atlantis.

DerRegierungspräsident wird an die Türen des Wuppertaler Rathauses klopfenund wimmernd Asyl ersuchen. Doch die Ratsherren erhören ihn nicht,sondern bringen ihn mit der Schwebebahn zum Elberfelder Hauptbahnhof,damit er in Augenschein nehmen kann, was er verkommen ließ.

Vor Ortstimmen die Striekspöen im Chor mit tausenden Wuppertalern den Schlager"Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben" an. Doch dahin soll es den RPnicht verschlagen, sondern es geht per Bummelzug ins AuffanglagerFriedland zu all den anderen klimavertriebenen Spätaussiedlern. Werzuletzt lacht, lacht am besten.

Und lachen ist die besteMedizin. An einem großen Krankenhaus in Essen (Ruhrpott) hängt derzeitein riesiges Plakat mit der Aufschrift "Wir können Gesundheit"! Essen,das nur zur gefälligen Erinnerung, ist Kulturhauptstadt Europas 2010.Nun hat die Bevölkerung mit der Agenda 2010 nicht die allerbestenErfahrungen gemacht.

Sollte das mit der Kulturhauptstadtähnlich werden oder pisaströser? Wenn alle Stricke reißen, liebeEssener, dann ruft mal in Wuppertal, im Bergischen Land, an. Denn:"Hier werden Sie geholfen!"