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Hör ma: So schnell weg wie frisch Gezapftes

Hör ma: So schnell weg wie frisch Gezapftes

Jürgen Scheugenpflug ist Wuppertaler Kabarettist und Leiter der Kabarett-Academy. In seinem satirischen Wochen-Rückblick kommentiert er Ereignisse aus dem Stadtleben.

Kaum etwas hat uns in den letzten Wochen mehr beschäftigt als das erschütternde Schicksal des Wuppertaler SV. Ähnlich wie die Führungskräfte des Traditionsvereins kickte das Team auf dem Rasen ohne erkennbare Struktur.

Seine Majestät, Friedhelm Runge, hatte nämlich im Herbst anno 2007 die geniale Idee. Er verpflichtete den vor einigen Jahren mit Schimpf und Schande verjagten Georg Kreß. Von Teer und Federn bereinigt kehrte dieser dann als Sportlicher Leiter zurück ins Tal. Doch Kreß wusste die Schmach zu rächen, stellte den allzu erfolgreichen Übungsleiter Wolfgang Jerat erst bloß, dann frei und jubelte dem Präsident in einem perfiden Racheakt den professionellen Wolfgang Frank unter.

Das Resultat: Unsere Elf - gefallen wie die vier Engel beim diesjährigen Eurovision Song Contest - und ab sofort in die Drittklassigkeit verbannt. "Alter und Skrupellosigkeit werden über Jugend und Talent siegen", meinte einst Charles Crichton. Das trifft 1:1 auf den WSV zu.

Nun weiß man aus Erfahrung, dass beim WSV die Trainer weggehen wie frisch Gezapftes in der Halbzeitpause. Zu Beginn der Woche aber haben die Verantwortlichen wohl selbst Hochprozentiges konsumiert, denn man verhandelte mit dem "Kokser" Jürgen Kohler.

Als Spieler ,Weltmeister und als Trainer immerhin vier Monate lang erfolglos beim MSV Duisburg, sollte er seinen Erfahrungsschatz in Wuppertal einbringen. Aber auch ein Jürgen "Fußballgott" Kohler macht das kaum für ein lausiges Handgeld. Und deshalb bat der leutselige WSV-Vizepräsident Harald Hübner vorsorglich zur Kollekte.

Die heimische Wirtschaft sollte reichlich Bares spenden, damit der Friedhelm nicht für all seine Fehltritte blechen muss. Tut sie aber nicht. Also lieber wieder den Fuchs holen? Der hat nämlich in Lübeck gelernt, wie es auch ohne Kohle geht.

So karrt er frohgemut seine Jungs im Kleinbus durch die Republik, schmierte auf der Raststätte Bütterchen und fuhr ganz nebenbei noch den einen oder anderen Punkt ein. Das ist noch der wahre Amateurgedanke, und um mehr geht es doch beim WSV auch nicht, oder? Doch der schlaue Fuchs wurde seinem Namen gerecht und sagte ab.

Jetzt wird es Christoph John, beim 1. FC Köln bis 2007 für Jugend- und Amateurbereich tätig, bevor er überraschend outgesourced wurde. Der WSV, ein großer Schritt für ihn, ein kleiner für die "Trainerfindungskommission". Aber egal, wer Trainer wird: Das Leben geht weiter und das Leiden im Tal wohl auch.

Apropos Leiden. Sagen Sie mal, Herr Hübner, eine Frage noch: wer bezahlt eigentlich die Polizeikräfte und Rettungsdienste, die nötig sind, gewaltfreie Zuschauer vor den schlagkräftigen Fans zu beschützen? Etwa die, die nicht zu den durchschnittlich 3500 Unerschütterlichen zählen, die sich bei Heimspielen im Zoostadion nass regnen lassen? Und was meinen Sie, Herr Hübner, damit, wenn Sie eloquent ausführen, der WSV sei ein exzellenter Werbeträger für unsere Stadt?

Haben Sie jemals auf der Nordtribüne gestanden und den dröhnenden Fangesängen gelauscht, die nicht dem Frieden auf Erden huldigen? Sollte da die Wirtschaft nicht lieber das Haus der Jugend in Barmen unterstützen, um Adoleszenten die Chance einzuräumen, sich an Orten aufzuhalten, die ihrer und unserer Zukunft deutlich mehr nutzen? Ich warte geduldig auf eine Antwort.