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Hör ma: Schlechte Zeiten für Fassadenkletterer

Hör ma: Schlechte Zeiten für Fassadenkletterer

Jürgen Scheugenpflug ist Wuppertaler Kabarettist und Leiter der Kabarett-Academy. In seinem satirischen Wochen-Rückblick kommentiert er Ereignisse aus dem Stadtleben.

Das ist ja wohl die Höhe. Da ruft die Marketing-Gesellschaftim November letzten Jahres die Bürger und Eigentümer dazu auf, sich alsFassadenkletterer zu betätigen, um selbige vom Grau der Zeit zubefreien, Grundstücke und Hinterhöfe entlang der Schwebebahnstreckewieder anzuhübschen. Und kaum jemand erhört das Scharren der Hufe,pardon die schnarrenden Rufe!

Aber warum ruft man schonjetzt? Es sind doch noch fast sechs Monate Zeit bis zum NRW-Tag. Alsdie Regionale 2006 unzählige Veranstaltungen rund um diefrühindustrielle Entwicklung Wuppertals durchführte, war es noch nichtschmutzig an der Wupper. Nein, da waren es blühende Landschaften,adrette Industriebrachen und darunter der glasklare Fluss, in dem sichdie Fischlein tummelten.

Vor mehr als hundert Jahren gabes einen Spruch, der damals sicher eine andere Bedeutung hatte:Elberfeld ist schön und propper, ringsherum sind Bösch un Blöm,spegelklar wär ok de Wupper, wenn se nit van Barmen köm. Freiübersetzt: Der Aufruf zur naturellen Säuberung des Wupperstrandeskönnte durchaus Freunde gewinnen, käme der Fluss und der Appell dochnur aus einer anderen Richtung.

Zur Zeit der Besichtigungdurch die Mitarbeiter der Marketing-Gesellschaft aber waren wohl dieScheiben einiger Schwebebahnen künstlerisch mit rosa-roter Foliebezogen. Und das hat den Blick durch die "Brille" der Herrschaftenangenehm vernebelt. Kunst kann auch verwirren.

Und jetzt rufen sie auf,setzen dabei auf den Faktor der freiwilligen Selbstkontrolle, die allesehrenamtlich und natürlich kostenneutral regulieren soll. Anderepolieren lassen, um selbst zu glänzen. Das hat sich der Herr Sanderrichtig fein ausgedacht. Er und die gut dotierten Berater derMarketing-Gesellschaft, die natürlich wissen, welch unsägliche Summendie "Regionale 2006" in ihrer Zeit über die Wupper geschickt hat,benötigen dringend eine weiße Weste.

Ach Leute, lasst damal besser den Friedhelm ran. Der Eigner des WSV entließ nämlich seinenTrainer auch deshalb, weil er von seinen Spielern Pünktlichkeit undDisziplin verlangte, ohne sie selbst vorzuleben. Keine vorbildlicheMotivation für den ersehnten Aufstieg in die Zweite Liga.

Dorthinmöchte auch die saubere Marketing-Gesellschaft, besser noch in dieErste, mit der Ausrichtung des NRW-Tages. Wir empfehlen auch hier dieEntlassung des Trainers, damit Erfolglosigkeit nicht als Eigentor indie Schuhe des Teams der Freiwilligen geschoben werden kann, oder?