Hochwasser: Gefahrenkarte kommt im Herbst

Hochwasser: Gefahrenkarte kommt im Herbst

Die Stadtwerke arbeiten an einer Karte, die Hochwasser simuliert. Den Auftrag hat die Stadt vergangenes Jahr vergeben.

Die Stadtwerke arbeiten im Auftrag der Stadt an einer Starkregengefahrenkarte. Die soll darstellen, wo es in der Stadt bei welchen Regenmengen zu welchen Wasserhöhen kommt. Die Karte ist nicht erst nach dem Extremregen-Ereignissen vom 29. Mai und danach geplant worden, aber dürfte jetzt auf noch mehr Interesse stoßen.

Den Auftrag haben die Stadtwerke Ende vergangenen Jahres von der Stadt erhalten. Begonnen haben sie mit der Arbeit etwa im Februar. Eine Veröffentlichung im Netz, auf die dann alle zugreifen können, ist für den Herbst geplant. Die Kosten beziffert die Stadt mit 45 000 Euro.

Christian Massing, der die Projekte zur Entwässerung bei den Stadtwerken plant, sagt, die Karte solle vor allem sensibilisieren. Anwohner und Eigentümer sollen am Ende sehen können, wie hoch das Wasser maximal steigen kann, wenn es bestimmte Mengen Regen gibt. Jens Ante, der für die Auswertung von Niederschlägen zuständig ist, sagt, die Karte soll „Ansporn“ sein: „Wie kann ich mein Grundstück schützen?“ Das gilt sowohl für private, gewerbliche als auch für städtische Grundstücke.

Hintergrund ist, dass die Abwasserkanäle der Stadt nur bis zu einer bestimmten Wassermenge in der Lage sind, das Wasser bei Starkregen zu halten. Auf einem Regenindex von 1 bis 12 — der Regen Ende Mai war teils Stufe 11 — sollen die Kanäle laut Norm bis Stufe 4 das Wasser halten. Danach muss man das Wasser „bewirtschaften“, wie Massing sagt. Also dafür sorgen, dass „Wasser schadlos über die Oberfläche zu bringen“.

Grundlage für die Karte ist ein Geländemodell des Landes. Die Stadtwerke haben dann die Gebäudedaten der Stadt eingefügt und die Abwasserkanäle eingerechnet. Dabei mussten laut Massing etwa 2500 Stellen händisch nachbearbeitet werden — etwa weil die Satellitendaten keine Durchfahrten durch Gebäuden und in Hinterhöfe oder Tunnel anzeigen.

Auch wenn die Karte erst den Zustand der Stadt nach Versagen der Kanäle zeigen soll, sind doch gewisse Faktoren aus dem Entwässerungssystem eingerechnet. Regenmengen, die als dreijährige Ereignisse gelten, würden wegen des Kanalnetzes herausgerechnet, erklärt Ante. Dafür würde aber auch eingerechnet, wo die Kanäle überlaufen und so zusätzliches Wasser an Stellen auftaucht, wo es nicht gefallen ist. Damit, so Ante, gehe die Karte über das hinaus, was andere Städte oder Kommunen in ihren Starkregengefahrenkarten anbieten.

Die Stadtwerke planen parallel zur Veröffentlichung der Karte eine Handreichung herauszugeben, wie man sich gegen die Wassermassen schützen kann. Wer dann auf der Karte sieht, dass sein Grundstück bei einer bestimmten Regenmenge überflutet werden könnte, könnte dann — nach Beratung — darauf reagieren.

Die Optik ist noch nicht ganz sicher. Massing möchte sich aber an der Hochwasserkarte der Stadt Köln orientieren. Dort sind errechnete Wasserhöhen in verschiedenen Blautönen markiert — je dunkler, desto höher das Wasser.

Die Stadt freut sich, dass die Stadtwerke die vorhandenen Daten „sinnhaft zusammenfließen“ lassen, sagt Stadtsprecherin Ulrike Schmidt-Keßler. Dadurch, dass die WSW das Vorwissen um die Entwässerung, die eigenen Simulationen und Erfahrungen einfließen lassen können, sammle die Karte einen „unglaublichen Wissenspool“, der Schäden verhindern helfen soll.

Außer dem 2D-Modell, das die Stadtwerke planen, gibt es auch Pläne für 3D-Modelle. Das Berliner Unternehmen Virtual City Systems forscht gerade zur Umsetzung von Hochwasserschutzkarten in 3D mit Simulationen, wie Geschäftsführer Stefan Trometer erklärt. Das 3D-Modell sei für die Bürger viel eher zu verstehen und realitätsnäher als flache Karten, sagt er. Jens Ante von den WSW sagt aber, dass das von der Rechenleistung her nicht für ein ganzes Stadtmodell möglich wäre.

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