Hitzige Diskussion über Wohnbauprojekt in Wuppertal-Vohwinkel

Infoabend : Hitzige Diskussion um Bauprojekt

Die EBV will im Vohwinkeler Norden neu bauen und deshalb alte Häuser abreißen. Dagegen wehren sich die Anwohner.

Das geplante Großprojekt der Eisenbahn-Bauverein Wohnungsbaugenossenschaft (EBV) im Vohwinkeler Norden stößt bei Mietern und Anwohnern auf deutliche Kritik. Besonders der Abriss mehrerer Gebäude an der Tesche und der dadurch notwendige Auszug der dortigen Bewohner sorgen für Ärger. Auch bei der gut besuchten Diskussion zum Thema im Vohwinkeler Bürgerbahnhof machten viele Zuhörer aus ihrer Ablehnung keinen Hehl. Die Veranstaltung in dieser Woche gehörte zur vorgeschriebenen Öffentlichkeitsbeteiligung im Verfahren. Dabei wurden auch die bisherigen Pläne vorgestellt.

An der Nathrather Straße sollen die Häuser 41, 43 und 45 im nächsten Jahr weichen. Darüber wurden die Mieter bereits 2017 informiert. Anders als damals bekanntgegeben sollen die Häuser an der Memeler Straße 48, 50, 52, 54 und 56 erhalten bleiben und saniert werden. Dafür wird es voraussichtlich 2023 einen zweiten Bauabschnitt geben, in dem die Häuser an der Nathrather Straße 31, 33, 35, 37 und 39 abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Diese Maßnahme wurde erst vor drei Monaten kommuniziert. Die Genossenschaft begründet die aktuelle Planung mit einem aus ihrer Sicht großen Bedarf von barrierefreiem und altersgerechtem Wohnraum. „Das lässt sich nicht im Bestand realisieren“, erläutert EBV-Vorstandsvorsitzende Anette Gericke.

Gleichwohl würden bewusst einige Gebäude erhalten. An der Memeler Straße sollen die Häuser nicht nur grundsaniert, sondern mit zeitgemäßen Anbauten erweitert werden. „Für uns ist das ein guter Kompromiss“, sagt Anette Gericke. Der zuständige Architekt Richard Henning sieht im Projekt großes Potenzial. „Wir haben hier ein tolles Quartier, in dem sich eine Menge machen lässt“, findet er. Seine Pläne sehen „zeitgemäßen Wohnraum für verschiedene Nutzergruppen“ vor. Die vorherrschende offene Bauweise soll fortgeführt und durch eine Freiraumaufwertung sowie eine Stärkung der Wegebeziehungen ergänzt werden. Als weiteren Schwerpunkt möchte der Architekt in den neuen Häusern „Ausblicke inszenieren“. Dazu biete die Hanglage vielfältige Möglichkeiten.

Der Wohnraum wird verdoppelt, Tiefgarage bietet Parkplätze

Damit traf Richard Henning bei den Anwohnern allerdings einen wunden Punkt. „Genau diese Ausblicke werden wir demnächst nicht mehr haben, da die neuen Häuser deutlich höher werden“, kritisiert eine Nachbarin. Dabei ist allerdings unklar, wie die Dimensionen der Gebäude aussehen werden. Zu den genauen Höhen konnten weder der Architekt noch die EBV-Vorsitzende Angaben machen. Auch das sorgte für Unmut bei den Teilnehmern der Diskussion. Diesbezüglich verwies Anette Gericke darauf, dass das Verfahren noch am Anfang sei.

Für die Bewohner, die demnächst ausziehen müssen, ist besonders die Frage interessant, ob sie sich künftig die Miete noch leisten können. Auch hier blieb die EBV eine Antwort schuldig. „Angesichts der steigenden Baukosten können wir dazu noch nichts sagen“, erläutert die Genossenschaftsvorsitzende. Mit einer Durchschnittsmiete im Altbestand von 5,69 Euro komme die EBV aber ihrer sozialen Verantwortung nach. Auch bei den neuen Wohnungen werde dieser Aspekt berücksichtigt. Den Vorwurf einer „Luxussanierung“ wies Anette Gericke entschieden zurück. Es würden allen betroffenen Mietern bezahlbare Ersatzwohnungen zur Verfügung gestellt.

Von der Verwaltung der Stadt Wuppertal gibt es für das Projekt gute Noten. „Wir begrüßen das, da wir bei steigender Einwohnerzahl dringend neuen Wohnraum benötigen“, sagt der städtische Teamleiter für Bauplanung Wolfram Röhrig. Gerade die in diesem Fall geplante „Nachverdichtung“ sei wünschenswert. Durch das EBV Projekt werde die Zahl der dortigen Wohneinheiten laut Architekt von 68 auf 113 fast verdoppelt. Um den entsprechenden Parkraum zu schaffen, ist noch der Bau einer Tiefgarage geplant.

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