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Historiker Detlef Vonde: Zeigen, dass Wuppertal besser ist als sein Ruf

Historiker Detlef Vonde : Zeigen, dass Wuppertal viel besser ist als sein Ruf

Detlef Vonde ist Historiker, Erwachsenenbilder und Autor. Auch im Ruhestand liegt im die Wahrnehmung Wuppertals am Herzen.

Er ist Historiker durch und durch, die Geschichte Wuppertals, seiner Heimat seit 1986, liegt ihm besonders am Herzen. Und er ist der politischen Erwachsenenbildung verpflichtet, die ihn über 30 Jahre ernährt habe, sagt Detlef Vonde. 66 Jahre wird er in diesem Jahr alt, im Mai endet sein Berufsleben. Durch Corona-Krise und Urlaubsansprüche etwas früher als geplant. Und (noch) ohne offizielle Verabschiedung. Doch der Fachbereichsleiter an der Bergischen Volkshochschule Solingen/Wuppertal ist alles andere als untätig. „Ich werde in meinen gelernten Beruf als Historiker zurückkehren und weiter publizieren“, sagt er. Außerdem wollen seine Hobbys gepflegt werden.

 Historische Romane interessierten schon den Jugendlichen Vonde, der in Hagen geboren wurde und aufwuchs. Er studierte in Bochum Geschichte und Germanistik auf Lehramt, lernte dort den bedeutenden Zeithistoriker Hans Mommsen kennen. Im Referendariat erkannte Vonde, dass er nicht in den Schuldienst wollte und nahm stattdessen bei einer Koryphäe der Oral History, Lutz Niethammer, ein Fernstudium in Hagen auf. „Er öffnete mir die Geschichtswelt.“ Speziell die des Ruhrgebiets. Und er stellte eine Bedingung: Vonde musste promovieren. Seine Doktorarbeit widmete er dem „Revier der großen Dörfer“, forschte dafür sogar im zentralen Staatsarchiv in Merseburg (damals DDR). Seine These der defizienten Urbanisierung machte die Dissertation zum Standardwerk.

Dass dennoch keine Universitätskarriere folgte, lag unter anderem daran, dass Vonde 1986 seiner Lebenspartnerin nach Wuppertal gefolgt war, wo diese bei der Volkshochschule eine Stelle angetreten hatte. „Wir wohnten zunächst im Briller Viertel, wo ich meine Dissertation in einem Wintergarten schrieb“ und noch im selben Jahr bei der VHS zu arbeiten begann. „Mich reizt der Gedanke, Bildung dahin zu kriegen, wo sie per se nicht hingelangt“, begründet er den Schritt. Die VHS verspreche „Bildung für alle“, wozu er mit einem hochwertigen und verständlichen Programm beitragen wollte. Zunächst als Lehrer für Drop Out Kids auf dem zweiten Bildungsweg, ab 1997 als Fachbereichsleiter für Politik und Geschichte.

„Dinosaurier“ Politische Runde hat noch lange Zukunft vor sich

Viele Jahre – das bedeutet viele Höhepunkte wie 2004 das erste Wuppertaler Geschichtsfest im Engelsgarten oder 1995 bis 1997 das EU-Modellprojekt „Quami“ für Migranten, an dem Vonde maßgeblich mitwirkte. Die Politische Runde ragt dennoch weit heraus. Nächstes Jahr wird sie 60, 2002 übernahm Vonde die Moderation. Das „aus der Zeit gefallene Dinosaurier“-Format hat es mittlerweile auf rund 1800 Veranstaltungen mit 90 000 erreichten Menschen und 50 bis 60 Teilnehmern im Schnitt gebracht, führte montags berühmte Gäste wie Johannes Rau, Carola Stern oder Gerd Ruge und kontroverse Themen zum Gespräch in der VHS zusammen. „Daraus bezog es seinen Charme, als wir es jetzt wegen der Corona-Krise am 20. April ohne Publikum als Podcast aufgezeichnet haben, lebte es nicht“, bedauert Vonde. Ein Ende der (analogen) Reihe sieht Vonde denn auch nicht.

Für ihn selbst aber ist Schluss, der Historiker soll mehr Lebenszeit erhalten. Auch wenn die politische Erwachsenenbildung gerade jetzt vor großen Herausforderungen stehe, die Demokratie mehr wertgeschätzt, die Kritikfähigkeit geschult werden müssen. Die Corona-Krise befördere den Populismus und zeige die Notwendigkeit eines ökonomischen Wandels auf. „Alles zusammen ein Riesenpaket an Herausforderungen“, die es in der Zukunft anzunehmen gelte. „Das aber sollen Junge machen, ich kümmere mich lieber um die Vergangenheit“, lächelt der Ruheständler, der weiter publizieren will, vielleicht eine historische Betrachtung der Phänomene des Scheiterns. Der Vorträge, Seminare halten und seinen sozialpolitischen Tätigkeiten nachkommen will. Der sich mehr um Rad- und Fußballsport und ums Musizieren kümmern, nach Frankreich reisen, vor allem aber weiter die Wuppertaler Geschichte erforschen will. Weil diese „ambivalente Stadt eine der prägendsten der modernen Industrialisierung“ sei mit ihrer Mischung aus Arbeitern und Bürgertum, die dicht beieinander lebten. Und er wolle weiter zeigen, dass diese Stadt deutlich besser sei als ihr Ruf – zum Beispiel in der WZ, wo er einmal im Monat schreibt.