Hilfsbereiter Rentner zahlt 62.000 Euro an Betrüger

Hilfsbereiter Rentner zahlt 62.000 Euro an Betrüger

Prozess: Frau (21) hatte kranken Sohn erfunden. Gauner-Paar in U-Haft.

Wuppertal. Seine Hilfsbereitschaft hat einen 74 Jahre alten Wuppertaler viel Geld gekostet. Am heutigen Donnerstag stehen deswegen eine Frau (21) und ihr Bekannter (31) wegen gewerbsmäßigem Betrug vor Gericht. Die beiden sollen von dem Rentner zwischen Mai und Juli 2010 insgesamt 62.000 Euro ergaunert haben.

Laut Anklage lernte die einschlägig vorbestrafte Frau aus Serbien den 74-Jährigen zufällig kennen. Sie erzählte ihm von ihrem sechs Jahre alten Sohn. Der sei schwer herzkrank, ihr fehlten 70 Euro für Medikamente. Der Rentner zahlte. Was er nicht ahnte: Die Geschichte vom kranken Sohn ist laut Anklage erlogen. Aber die Masche zog.

Unter anderem soll die junge Frau dem 74-Jährigen vorgespielt haben, ihre Herzschwäche dem Sohn vererbt zu haben. Um das zu untermauern, habe sie dem Mann auch gleich einen entsprechende Herz-OP-Narbe gezeigt.

Bei regelmäßigen Besuchen soll die Frau die Beträge gesteigert haben. Erst waren es Stromkosten (2500 Euro), dann Arzt- und Krankenhausrechnungen über 2000 beziehungsweise 3600 Euro. Stets soll der 74-Jährige zur Sparkasse gegangen sein, und die Beträge abgehoben haben.

Offenbar bestärkte das die junge Frau. Bei passender Gelegenheit behauptete sie, ihr sei die Börse samt des vierstelligen Betrages gestohlen worden. Wieder zahlte der Rentner. Und prompt schraubte die 21-Jährige ihre Forderungen weiter in die Höhe.

Für die angebliche Verlegung ihres falschen Sohnes in eine Berliner Klinik per Hubschrauber brauche sie 18 000 Euro. Der 74-Jährige zahlte. Für nie durchgeführte Spezialbehandlungen waren es noch einmal 16 500 Euro.

Die Übergabe fand im McDonald’s am Alten Markt statt. Noch am Nachmittag rief die 21-Jährige an. Ihr sei die Tasche mit dem Geld gestohlen worden. Der 74-Jährige ging erneut zur Sparkasse.

Doch das Ende nahte: In der Sparkasse hatte man Verdacht geschöpft und Anzeige erstattet. Davon ahnte diesmal das mutmaßliche Gauner-Paar nichts. Am 21. Juli bat die Frau um 22 000 Euro. Bei der Übergabe in einer Elberfelder Bäckerei nahm die Polizei die Frau fest.

In der Wohnung des vorbestraften 31-Jährigen — er soll sich am Telefon als Arzt ausgegeben haben — fanden sich 46 000 Euro in bar. Der Rest des Geldes ist weg.

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