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Engagement: Hilfe auf dem Weg zur Uni

Engagement : Hilfe auf dem Weg zur Uni

Der Verein Arbeiterkind.de unterstützt Jugendliche, die als erste in ihrer Familie studieren.

Für Samuel Stockhausen (19) wäre der Traum vom Psychologie-Studium wohl ein Traum geblieben. Wenn er nicht Rolf Grünstadl und den Verein Arbeiterkind.de kennengelernt hätte. Hier fand er Ermutigung und praktische Unterstützung. Jetzt ist er zuversichtlich, dass er sich bald einschreiben kann.

Bei einem Vortrag an seiner Schule entstand der Kontakt: Rolf Grünstadl referierte über Möglichkeiten, ein Studium zu finanzieren. Samuel Stockhausen sprach ihn an. Denn sein Traumstudium schien ihm unerreichbar, da er den Numerus clausus nicht erreichen würde, nicht wusste, wie er ein Studium bezahlen soll. Keiner in seinem Umfeld kannte sich aus.

Rolf Grünstadl lud ihn ein, zum Wuppertaler Stammtisch des Vereins zu kommen, der monatlich im Café Lola als eine Art offene Sprechstunde stattfindet: „Wir haben uns anderthalb Stunden unterhalten“, erzählt Grünstadl. Anschließend trafen sie sich noch häufiger, er unterstützte den Schüler darin, verschiedene Möglichkeiten für sich abzuklopfen.

Inzwischen hat sich Samuel Stockhausen an der Uni Maastricht beworben, wo es keinen NC gibt. Die dort fälligen Studiengebühren will er mit Hilfe eines Stipendiums zahlen, für das er sich auch beworben hat. Er glaubt fest daran, dass alles klappt. „Ich bin echt froh, dass es Arbeiterkind gibt“, sagt er.

Der Verein will junge Menschen auf dem Weg an die Universität unterstützen, in deren Familie noch niemand studiert hat. Gründerin Katja Urbatsch war selbst die erste in ihrer Familie mit akademischem Abschluss. Ab 2008 baute sie ein Netzwerk auf, um anderen in dieser Situation zu helfen.

Ziel ist auch eine gerechtere Verteilung von Bildungschancen: Laut „Hochschul-Bildungs-Report 2020“ des Stifterverbands und der Unternehmensberatung McKinsey studieren nur 21 von 100 Kindern aus Nicht-Akademikerfamilien, aber 74 von 100 Kindern, mit studierten Eltern — mit den entsprechenden Verdienstmöglichkeiten.

Bei Arbeiterkind engagieren sich heute deutschlandweit 6000 Ehrenamtler, dabei auch Studenten. Sie sind Ansprechpartner für Jugendliche mit Studienwunsch — von der Bewerbung über die Wohnungsuche bis zur Finanzierung. In Wuppertal gibt es sieben ehrenamtliche Mentoren. Rolf Grünstadl, ehemaliger Personalentwickler, macht seit fünf Jahren mit.

Seinen Vortrag zur Studienfinanzierung hält er an zahlreichen Schulen. Er sagt, die meisten Jugendlichen, die sie ansprechen wollten, fragten: „Kann ich mir das erlauben?“ Er klärt auf, wie wenig ein Studium kostet, wie günstig Bafögs ist und wie man an Stipendien kommt. Zudem sucht er das direkte Gespräch. Mit gezielten Fragen hilft er Jugendlichen, ihren Wünschen auf die Spur zu kommen, sich über mögliche Wege zu informieren. „Wir wollen keinen zum Studium zwingen“, betont er. Sie wollten nur helfen, sich begründet zu entscheiden.