Teststrecke in Wuppertal: Hier fahren bald Autos ohne Fahrer

Teststrecke in Wuppertal: Hier fahren bald Autos ohne Fahrer

Südhöhen. Was bisher noch wie ein Science-Fiction-Roman mit Handlung im Bergischen Land klingt, könnte ab dem 1. Januar 2016 Wirklichkeit werden: Auf der L 418 zwischen dem Theishahner Kreuz und der Parkstraße wird ein autonom fahrendes Auto vom Typ Audi SQ 5 unterwegs sein.

Ein Ingenieur der Delphi GmbH wird auf dem Fahrersitz Platz nehmen, aber nur dann eingreifen, wenn es erforderlich ist. In einem zweiten Entwicklungsschritt soll die Teststrecke dann auf Abschnitte der Jägerhofstraße, der Straße Am Freudenberg und der Küllenhahner Straße ausgeweitet werden.

Fahrzeuge mit Einparkhilfen und anderen per Video und Radar überwachten Fahr-Sicherheitssystemen sind bereits heute im Straßenverkehr im Einsatz. Delphi hat diese Systeme weiterentwickelt und in den USA einen Testwagen für autonomes Fahren auf den Straßen von Las Vegas und den Highways von San Francisco nach New York erfolgreich getestet. Die Delphi Deutschland GmbH mit Standort in Wuppertal will nun die Systeme für die Herausforderungen im europäischen Straßenverkehr fit machen.

„Von einer kniffligen Aufgabe wie dem Kreisverkehr am unteren Ende der Jägerhofstraße sind selbst die Kollegen in den USA beeindruckt“, sagt Rainer Denkelmann, Leiter der Vorentwicklung für Steuergeräte und Fahrzeugsicherheit am Wuppertaler Delphi Standort.

Zum Einsatz soll ein in den USA modifizierter Audi kommen, am Steuer sitzen Ingenieure aus Wuppertal. Die Bezirksregierung hat auf Antrag des Landes NRW und der Stadt Wuppertal die Teststrecken genehmigt. Nun wird Delphi einen Prototypen aufbauen, der auf dem Modell des bereits erfolgreich getesteten Audis basiert.

„Eine realitätsnahere Strecke als die L 418 könnte ich mir gar nicht vorstellen“, sagt Geschäftsführer Markus Kerkhoff. Das Unternehmen mit der Adresse Delphiplatz 1 liegt unmittelbar an der Zufahrt zur L 418. Ganz anders sähe der Zeitaufwand für den Wuppertaler Automobilzulieferer aus, wenn die Tests nur auf einer Autobahn in Bayern möglich wären. Die Konzentration auf eine bayerische Teststrecke hatte Verkehrsminister Alexander Dobrindt gefordert.

Bis Autos völlig ohne Hilfe von Fahrern unterwegs sein werden, dürften noch zehn Jahre der Entwicklung vergehen. Doch Schritt für Schritt soll der Fahrer entlastet werden, damit das Fahrzeug ihm auch kurze Phasen der Unaufmerksamkeit verzeiht. Die Entwickler von Delphi sind überzeugt, dass die anderen Autofahrer auf der L 418 und den weiteren Straßen nicht beeinträchtigt werden. Die autonom fahrenden Audis werden im normalen Straßenverkehr ohnehin kaum auffallen, denn die Radar- und Kamerasensoren sind in die Karosserie integriert. Darin unterscheiden sich die Testwagen von Delphi deutlich von den Google-Autos mit deren unübersehbaren Dach-Aufbauten.

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