Herold spricht zum „Volk zu Barmen“

Handwerkermarkt : Herold spricht zum „Volk zu Barmen“

Handwerkermarkt auf dem Johannes-Rau-Platz zeigt Kunstvolles aus dem Mittelalter.

. „Also kommet herbei“, rief Reichsgraf Heinrich von Catzenellenbogen, Kaiserlicher Herold im historischen Kostüm mit stilgerechten Schnabelschuhen, den Vorübergehenden auf dem Barmer Werth zu. Und lud sie ein, den mittelalterlichen Handwerkermarkt zu besuchen, der in diesem Jahr zum vierten Mal auf dem Johannes-Rau-Platz vor dem Rathaus stattfindet.

Begleitet vom Gaukler und Spielmann Michel von der Voelkelweyde, der ein fröhliches Lied auf seiner Waldzither spielte, und von Thomas, der mit seiner schwarzen Pestmaske einen furchterregenden Anblick bot, eröffnet der Reichsgraf das mittelalterliche Spektakel, begrüßte unter anderem Bürgermeisterin Bettina Brücher (Bündnis 90/ Die Grünen), die sich „schlicht gewandet, damit man ihren hohen Stand nicht erkennt“ unter das „Volk zu Barmen“ gemischt hatte. „Huld, Huld“ und „Jubel, Jubel“ waren ihr gewiss bei der Begrüßung vor der Kulisse der Hexenschänke, in der „allerley wohlschmeckend Gebräu“ feilgeboten wurde.

 „In diesem Jahr sind es zehn Stände mehr als im vergangenen Jahr“, berichteten Andreas Körber vom Veranstalter „Ars Draconis“ und Thomas Helbig, Geschäftsführer der ISG Barmen-Werth, die mit diversen Terminen auch in diesem Jahr Anwohner und Gäste auf den Rathausvorplatz und den Werth locken will. An den 40 Ständen gab es eine Menge zu schmecken und zu bestaunen, wie bei der Garbraterei mit ihrem Schwenkgrill, der sich offenbar auch im 21. Jahrhundert noch großer Beliebtheit erfreut.

Am Samstag und Sonntag soll auch das Karussell stehen

Dazu gibt es Stockbrot und „Eifeler Rahmflecken“, Backwerk, Crepes und Schnäpse, Liköre und Beerenweine. Auf deren Produktionen verstanden sich die Menschen im Mittelalter ebenso gut wie auf die von Waffen, die es in unterschiedlichen Variationen zu kaufen gab: darunter Schwerter, Hellebarden und Dolche, die rotglühend von einem Waffenschmied auf einem Amboss gebrauchsfertig gehämmert wurden. Schilde, Helme und so manche eiserne Faust, wie die des Götz von Berlichingen fanden durchaus Kaufinteresse.

Da es im Mittelalter in den zugigen Behausungen vor allem im Winter ohne Zentralheizung empfindlich kalt werden konnte, hatten sich die Altvorderen mit Fellen von Schafen, Wildschweinen und Füchsen vor Erfrierungen geschützt, und eben solche bot ein Kaufmannsgespann aus „Frankohofurt“ an. Die edlen, handgefertigten Produkte der Korbmacher, der Seifensieder und der „Täschner“ (Taschenmacher) fanden gleichfalls reges Interesse. Und wer die Geheimnisse seines Vornamens ergründen wollte, der konnte in alten Folianten blättern und Erstaunliches erfahren.

In einem sicheren Winkel untergebracht Zielscheibe, Pfeil und Bogen, mit deren Hilfe die Besucher ihre Treffsicherheit testen konnten, während beim in diesem Jahr neuen „Hau den Lukas“ pure Kraft gefragt war. Bei der Eröffnung des vierten Mittelalterlichen Handwerkermarktes fehlte allerdings noch das hölzerne historische Karussell. „Das wird Samstag und Sonntag aber zu sehen und von den Kindern zu benutzen sein“, versprach Andreas Körber. Währenddessen ließ sich „Lothar zu Hohagen“ vom Reichgrafen kurzerhand in den eher kurzfristigen Adelsstand versetzt, den köstlichen Trunk aus Gerste trefflich munden und leerte das Glas unter anerkennendem „Handgeklapper“ auf ex.

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