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Barmen: Herbringhausen: Wo jeder jeden kennt

Barmen : Herbringhausen: Wo jeder jeden kennt

Vertretung für das „Dorf“, Wefelpütt, Hastberg und Windgassen: Der Bürgerverein am idyllischen Rand Wuppertals wird 100.

Wer nach Herbringhausen zieht, wird automatisch Mitglied im Bürgerverein. „Das ist so“, sagt der Vorsitzende Andreas Zawierucha und lacht. Zwei Euro Beitrag werden fällig — pro Jahr. Ein Zwang, der eigentlich keiner ist, sondern mehr symbolischen Wert hat. Denn wer dort hinzieht, an den Rand Wuppertals, wo Großstadt nur noch ein theoretischer Begriff ist, lässt sich darauf ein, Teil der Gemeinschaft zu werden. „Wo jeder jeden kennt“, sagt Frank Rützenhoff. Es ist keine Floskel, der Bezirk Herbringhausen, für den vor 100 Jahren der Bürgerverein gegründet wurde, hält zusammen: Das „Dorf“, eben Herbringhausen mit seinen Ortslagen Wefelpütt, Hastberg und Windgassen, wo Zawierucha und Rützenhoff wohnen.

Einsatz für schnelles Internet
und Kleinkläranlagen

Wie viele Menschen dort wohnen, wissen die beiden nicht. Aber: 250 Wahlberechtigte gibt es in Herbringhausen. „Wir sind der erste Bezirk, der immer ausgezählt wird“, so Zawierucha, selbst vor gut 13 Jahren zugezogen und längst heimisch: „Ich will hier nicht mehr weg.“ Natürlich gebe es viele, die schon seit Ewigkeiten dort im Grünen wohnen. Und seit ein paar Jahren beobachte man auch einen kleinen „Babyboom“, wie Rützenhoff erzählt. Trotzdem, von dem „2000-Seelen-Dorf“, wie Herbringhausen vor einigen Jahren mal in einem Fernsehbeitrag genannt wurde, „kann man wirklich nicht sprechen“, sind sich beide einig.

Damals war ein Neu-Herbringhauser „Star“ einer Häuslebauer-Doku im TV, ließ sich begleiten, wie er sein Domizil auf dem Gelände der längst abgerissenen Bandfabrik errichtete. Ansonsten sind Bauplätze eher rar dort, wo Wasser- und Landschaftsschutzgebiete sich abwechseln.

Klingt nach heiler Welt, doch der Bürgerverein hat doch mehr zu tun, als gesellige Treffen oder Ausfahrten zu organisieren. Durch die Medien ging etwa der Kampf um schnelleres Internet für den Bereich. Helfen mussten sich die Herbringhauser schließlich selbst, weil die Stadt mit ihrem Masterplan für die Außenbezirke nicht hinterherkam.

Aktuell sind Zawierucha & Co. im Einsatz, die Verwaltung beim Thema Kleinkläranlagen zum Einlenken zu bewegen. Als eine der wenigen Städte überhaupt habe Wuppertal die Anlagen verboten. Rechtlich sei das zwar möglich, räumt Rützenhoff ein, „aber es ist sehr bürgerunfreundlich“. Im September wird sein Bürgerantrag, den er für den Bezirk stellte, in den städtischen Gremien behandelt. Die Hoffnung: Wuppertal passt seine Satzung noch an. Und, so betont der Bürgerverein: „Wir machen das für die ganze Stadt.“ Denn es gebe auch andere Bereiche mit einer ähnlichen Problematik, nur hätten da die Betroffenen den Kampf schon aufgegeben. „Wir aber nicht.“

Ansonsten ist es im und um das „Dorf“ eher beschaulich. Was Vorteile, aber eben auch Nachteile hat. Ohne Auto sei man schon aufgeschmissen, dafür sei dann die Anbindung an Schnellstraßen, Autobahn und Bahnhöfe gut. „Es sieht dörflich aus, aber so schlimm ist es eigentlich nicht“, sagt Rützenhoff. Problematisch sei es eher für die Kinder: Der Schulbus wurde eingestellt. Der Herbringhauser Nachwuchs geht deshalb meistens über die Stadtgrenze nach Lüttringhausen zur Grundschule.

Geschäfte gibt es seit Jahrzehnten keine mehr, auch die letzte Kneipe hat schon länger geschlossen. Wenn man sich auf ein Bierchen treffen will, passiert das privat — oder bei der Feuerwehr. Die ist auch Treffpunkt der Sportgruppe, die sich in einem Raum dort trifft, der extra für solche Zwecke dann hergerichtet wird. „Der Dorfgemeinschaftsraum“, erklärt Zawierucha. Ansonsten gibt es noch den aktiven MGV Niegedacht. Wer in die „Stadt“ will, meint meistens Lüttringhausen oder Remscheid. Rützenhoff bricht aber eine Lanze für Elberfeld, was das Einkaufen angeht. Da könne Remscheid nicht mithalten.