Abriss eines Traditionshauses: Haus Grunewald wird bald ein Parkplatz

Abriss eines Traditionshauses : Haus Grunewald wird bald ein Parkplatz

Die frühere Gaststätte wurde von der Barmer Ersatzkasse gekauft und wird eingeebnet.

Ein Bagger, ein Bauzaun und eine geschotterte Fläche, so präsentiert sich an der Lichtscheider Straße 85 unmittelbar neben der Hauptverwaltung der Barmer Ersatzkasse derzeit die Stelle, an der viele Jahrzehnte das beliebte Hotel und Speiselokal „Haus Grunewald” gestanden hat. Der verschieferte Fachwerkbau befand sich seit 1910 im Besitz der Familie von Else Sehle, der Inhaberin, die kaum glaubliche knappe 60 Jahre hinter der Theke stand, für die Gäste kochte und im Grunde ständig präsent war. Weil das Lokal von 6 Uhr morgens an geöffnet hatte, wenn die Monteure und Handwerker „bei Else“ ihr Frühstück einnahmen. Rührei mit Speck, warme Frikadellen, Würstchen und natürlich knusprige Brötchen und frisch aufgebrühten Kaffee genossen die „Frühstücker“ im Gastraum. Das musste natürlich rechtzeitig vorbereitet werden, sodass die Wirtin schon rund eine Stunde vorher in der Küche wirkte.

Das Grundstück wird
gerade eingeebnet

Else Sehle hatte sich vor zweieinhalb Jahren im Alter von 88 Jahren entschlossen, ihren anstrengenden Beruf aufzugeben und ihren Ruhestand zu genießen.„Ich habe alles an die Barmer Ersatzkasse verkauft und habe jetzt eine schöne Wohnung am Toelleturm“, berichtet die muntere alte Dame, die inzwischen 91 Jahre alt ist und sich bemerkenswerter geistiger Frische erfreut.

„Natürlich hat mein Herz an dem Lokal und dem Hotel gehangen, aber was nach dem Verkauf damit geschieht, kann ich natürlich nicht beeinflussen“, meint sie und denkt gern an den letzten Tag im Haus Grunewald zurück, als ihre treuen Gäste ihr einen phänomenalen Abschied bereitet hatten. Da waren die Zapfhähne am Tresen kaum noch zu sehen angesichts der Fülle von Geschenken ihrer Stammgäste. Blumen, Sektflaschen, eine extra für sie gebackene Torte und natürlich tränenreiche Abschiedsworte hatten ihre Besucher für sie bereit.

Unter ihnen auch Gerd Halfmann, der Leiter der benachbarten CVJM-Bildungsstätte an der Bundeshöhe, mit dem sie rund 15 Jahre zusammen gearbeitet hatte. Halfmann mietete stets Zimmer bei Else Sehle an, wenn seine Einrichtung ausgebucht war. Und zusammen mit seinem Mitarbeiterstab war er zu den betrieblichen Weihnachtsfeiern gleichfalls gern im Haus Grunewald zu Gast. Da gab es nämlich auch am Abend noch kalte und warme Küche, wobei Else Sehle gern traditionelle Hausmannskost servierte und sich über viele Komplimente für ihre Steaks freuen durfte. Oft blieben die Gäste bis in die späten Abendstunden, und wenn auch noch Hotelgäste im Haus waren, dann dauerte ihr Arbeitstag nahezu rund um die Uhr.

Bis zu seinem Tod stand Else Sehles Ehemann als gelernter Koch in der Küche, danach war es die Wirtin selbst, die das Regiment über Pfannen, Tiegel und Kochtöpfe führte. „Anstrengend war es“, gesteht sie, „aber ich habe es immer gern gemacht.“

So natürlich auch am letzten Öffnungstag des Hauses Grunewald. Da hatte sie zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Monika Schütze Fisch vorbereitet, je nach Geschmack mit selbst gemachtem Kartoffelsalat oder mit Salzkartoffeln. Einmal mehr hatte es allen geschmeckt, wobei der Abschiedsschmerz der Gäste angesichts des delikaten Mahls wohl eher noch gewachsen war.

Ein Speiselokal oder Hotel an gleicher Stelle wird es allerdings nicht mehr geben. „Das Grundstück wird Anfang Januar eingeebnet, dort entstehen Parkplätze“, teilte Sara Rebein, Pressesprecherin der Barmer Ersatzkasse, mit und berichtete: „Die Parkplätze werden voraussichtlich im ersten Quartal 2019 fertig sein.“ Wie viele Parkplätze es dort geben wird, steht bisher ebenso wenig fest, wie die Frage, ob sie für Mitarbeiter oder Besucher genutzt werden sollen. Das wird sich nach BEK-Angaben noch klären.

Else Sehle freut sich zwar mit 91 Jahren ihres geruhsamen Rentnerinnen-Daseins in Wuppertals exklusivster Wohngegend am Toelleturm, versichert jedoch: „Ich trauere meiner Arbeit im Haus Grunewald und den vielen sympathischen Gästen so manches Mal nach.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung