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Hauptbahnhof: Tunnel erinnert an Wuppertaler „Harnröhre“

Hauptbahnhof : Tunnel erinnert an Wuppertaler „Harnröhre“ - Bahn verspricht Anpassung für 2020

Pro Bahn kritisiert den bisherigen Umbau der Bahn als rudimentär, der Weg zu den Zügen sei auf dem Stand von 1900.

Noch immer bewegen sich Fahrgäste am Wuppertaler Hauptbahnhof in zwei Welten. Die moderne und geräumige Bahnhofsvorhalle (Mall) sowie der neue Busbahnhof stehen im Kontrast zu der Fußgängerunterführung der Bahn, die zu den Gleisen führt. Nun kündigt die Bahn gegenüber der WZ für 2020 zumindest eine optische Aufwertung des Tunnels an. Der lässt bislang noch unschöne Erinnerungen an die alte Unterführung des Döppersbergs aufkommen, die mit dem Spitznamen „Harnröhre“ gestraft worden war. „Die Unterführung soll ans Design der Mall angepasst werden“, so ein Bahnsprecher. Dabei handele es sich allerdings lediglich um eine optische Generalüberholung. An der Breite und Funktionalität des Tunnels werde sich nichts ändern.

Der bisherige Umbaustand am Hauptbahnhof veranlasst Axel Sindram, Sprecher des Fahrgastverbands Pro-Bahn, zu einem vernichtenden Urteil: „Ein paar Eimer Farbe und zwei Aufzüge. Mehr ist da bislang ja nicht passiert. Das Fußweg-Angebot entspricht noch immer dem Stand von 1900.“ Sindram kritisiert auch die Enge des Tunnels im Kontrast zur Mall. Die Fußgänger würden durch eine Art Trichter zu den Gleisen geführt.

Bei der Bahn heißt der Maßnahmenkatalog am Bahnhof „Modernisierungsoffensive 2“. Die beinhaltet  die Modernisierung des Bahnsteigs an Gleis 1 sowie des Bahnsteigs an den Gleisen 4 und 5. Auch das Bahnsteigdach an Gleis 1 wurde erneuert, ebenso  die Beleuchtung, die Bahnsteigausstattung und das Lautsprechersystem. Die Treppe zu den Gleisen 2 und 3 bekam eine Generalüberholung verpasst.

Das letzte Kapitel der Offensive sollte die Erneuerung der Aufzüge sein. Zum Gleis 2/3 können Fahrgäste bereits gelegentlich per Lift gelangen, der Aufzug zu Gleis 1 ist noch immer eine Baustelle, die eigentlich im 3. Quartal zu einem Abschluss kommen sollte. Auf Anfrage der WZ korrigierte ein Bahnsprecher die Fertigstellung nun auf das „4. Quartal 2019“. Das Problem: „Da muss ein Teil neu bestellt werden.“

Die Bahn hält zudem an Planungen fest, den Bahnsteig zu den Gleisen 2 und 3 ebenfalls zu modernisieren. Jedoch lässt sie sich auch hier noch nicht so richtig in die Karten schauen: „Konkrete Daten zum Bauzeitraum liegen in dieser frühen Planungsphase noch nicht vor.“

Die Stadt hatte die Bahnhofsmall für die Deutsche Bahn bauen lassen und dafür 26 Millionen Euro investiert. Als der Umbau der Bahnhofsvorhalle abgeschlossen war, ließ die Bahn die alte Anzeigetafel und die eingelagerten Schließfächer wieder einbauen. Für diese Recycling-Politik gab es von Oberbürgermeister Andreas Mucke Kritik.